5 Fragen an … Margarete Imhof

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Prof. Dr. Margarete Imhof

  • Professur Psychologie in den Bildungswissenschaften an der Universität Mainz
  • Lehre und Forschung zu Fragen der Psychologie in der Lehramtsausbildung
  • Psychologische Aspekte des Zuhörens
  • Selbstreguliertes Lernen in Computer unterstützten Lernumgebungen
  • Aufmerksamkeit, Konzentration und Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern und Jugendlichen

 

5 Fragen an …

Margarete Imhof

 

[highlight style=“platinum“]1. Als Sie sich erstmals an einer Universität einschrieben, was dachten Sie, wohin Ihr Weg Sie führen würde? Was erleben Sie als besonders bereichernd, was als besonders herausfordernd an der Arbeit an der Schnittstelle von Psychologie und Lehramtsausbildung? [/highlight]

Ich habe überhaupt nur angefangen, Psychologie zu studieren, weil ich Schulpsychologin werden wollte. Der ganze Rest, den die Psychologie zu bieten hat, kannte ich nicht, ahnte ich nicht einmal und war mir auch suspekt. Dass man durch die Grundlagenfächer durch musste, durch Statistik, Testtheorie und Experimentalpraktika, war eben so. Hat Spaß gemacht und ich habe eine Menge gelernt (Faktorenanalyse mit dem Stift auf Papier ausrechnen und so Sachen) … vor allem aber: neugierig sein, Verbindungen ziehen (wozu brauche ich das alles??!! … und siehe da: Diese Frage ist eine der produktivsten in der Welt … falls man sich die Zeit nehmen kann, über die Antwort nachzudenken).

Bereichernd an meiner Arbeit an der Schnittstelle Psychologie und Lehramtsausbildung ist, dass ich es hier mit Leuten zu tun habe, die eigentlich gar nicht Psychologie studieren wollen, die — aus ihrer Sicht — die Psychologie auch nicht brauchen, es sei denn, es gäbe mal irgendwo eine Krise in der Schule. Die Herausforderung, potentiellen Anwendern von Psychologie (Lernpsychologie, Entwicklungspsychologie, Diagnostik, Sozialpsychologie, Organisationspsychologie, Differenzielle …. ) die Türen aufzustoßen und sie mit dem Universum der Psychologie bekannt zu machen. Dazu gehören neben den Theorien aus meiner Sicht vor allem die Methoden, also die Erkenntniswege der Psychologie. Auch da können Lehrerinnen und Lehrer vom Weg der Psychologie profitieren und eine fundierte Wissenschaftsorientierung entwickeln und in Handlungsalternativen übersetzen. Ich finde es immer wieder schön, wenn ich dabei bin, wenn Lehrerinnen und Lehrer (oder eben Studierende, die es werden wollen), plötzlich etwas verstehen, z. B., warum Regeln, die in der Klasse aufgestellt werden, nicht funktionieren KÖNNEN, wenn sie als Verbote formuliert werden und welchen Handlungsspielraum und welche kreativen Problemlöseprozesse so eine „altmodische und auf Rattenpsychologie“ fundierte Theorie wie das Operante Konditionieren (um nur ein Vorurteil zu nennen, dem ich öfter begegne, wenn ich mit Menschen im Lehramtsdunstkreis über Psychologie ins Gespräch komme) eröffnet. Das ist toll! … und dann kommen ja erst die wirklich spannenden Geschichten!

 

[highlight style=“platinum“]2. Welcher Teil Ihrer Arbeit als Psychologe hat Ihnen bisher am meisten Freude gemacht? Gibt es ein Lieblingsprojekt, das Sie am glücklichsten gemacht hat? (Warum?) [/highlight]

Am meisten hat mir bisher das Projekt „Planspiel Schulalltag“ Freude gemacht. Es ist für mich der Idealfall eines Übersetzungsversuchs psychologischer Theorien und Denkwege in Alltagssituationen und professionelle Herausforderungen von Lehrerinnen und Lehrern im Unterricht. Es freut mich dabei ganz außerordentlich, dass das Projekt auch auf der Basis psychologischer Forschung entwickelt wurde und selbst auch Ergebnis eines Forschungsprogramms zum komplexen Problemlösen ist und somit sowohl in der Art, wie es konstruiert ist, als auch in der Art, wie es wirkt und die Studierenden zum Denken, Fragen, Handeln und — ganz wichtig — zum neugierig Werden führt, psychologisch fundiert ist. Eine runde Sache, über die ich wirklich sehr glücklich bin.

 

[highlight style=“platinum“]3. Wenn Sie in der Zeit zurückreisen und Ihrem Studenten-Ich einen Ratschlag geben könnten, welcher wäre das? Würden Sie es tun?[/highlight]

Ich würde mein Studenten-Ich darin bestätigen, unbedingt über den eigenen Tellerrand zu schauen. Das fängt damit an, dass ich nicht nur die Lehrveranstaltungen der Psychologischen Fächer besuche, auf die ich mich spezialisiere, sondern auch und gerade andere. Es gibt immer spannende und vor allem unerwartete Querverbindungen. Das geht damit weiter, dass ich meinem Studenten-Ich raten würde, auch jenseits der Psychologie sich noch vertieft mit etwas zu befassen. Ich hatte ein Doppelstudium durchgezogen. Neben der Psychologie noch Englisch, mit allem drum und dran, was es damals so an meiner Uni gab: Englische und Amerikanische Literaturwissenschaft, Linguistik, Sprachgeschichte, Sprache, Phonetik, … und früher oder später war dann alles einmal nützlich.

 

[highlight style=“platinum“]4. Gibt es irgendetwas, das Sie allen Psychologiestudenten gerne sagen würden; einen Ratschlag oder sonst etwas, das wir Ihrer Meinung nach alle wissen sollten?[/highlight]

Ich möchte allen Studierenden gern sagen, dass das Wichtigste ist, neugierig und kritisch zu bleiben. Für mich ist die erste wissenschaftliche Tugend nicht Skepsis, sondern Neugier, Experimentierfreudigkeit und die Offenheit, sich weiterzuentwickeln; auch wenn Skepsis manchmal klüger klingt und auch wenn Experimente manchmal mit einem Bauchplatscher enden: nach dem Hinfallen: aufstehen, Frisur richten, weiterlaufen …

 

[highlight style=“platinum“]5. Zum Abschluss: Bitte erzählen Sie uns Ihren liebsten (bevorzugt Psychologie-bezogenen) Witz![/highlight]

Oh je … Nein, ich gehe nicht zum Lachen in den Keller, aber ich kann mir so schlecht Witze merken (auch nicht neu, die Ausrede … ). Also hier:

Ein Patient zum Psychologen: „Können Sie mir helfen, mein wahres Ich zu finden?“
Der Psychologe: „Klar doch. Wo haben Sie es denn zuletzt gesehen?“

Oder, als Pädagogische Psychologin:
Schüler zum Lehrer: Meine 5 in Mathe sagt ja so einiges über Ihre Qualifikation als Lehrer aus!
(lustiger mit der zugehörigen Karikatur von Uli Stein)

 

[highlight style=“platinum“]BONUS-Frage: Haben Sie einen Vorschlag, wer unsere 5 Fragen als nächstes beantworten sollte?[/highlight]

Prof. Dr. Klaus-Peter Wild, Universität Regensburg

 

Wir bedanken uns herzlich für das Interview!