Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Rahmen der Ausbildung in Klinischer Psychologie sowie in Gesundheitspsychologie

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Praktikum

(Stand 9.5.2016)

Praktische Ausbildung KP/GP

1.1.  Rasterzeugnis

Die Rasterzeugnisse sind auf der Homepage des BMG abrufbar: http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Berufe/Berufslisten/Eintragung_in_die_Liste_der_Klinischen_ Psychologinnen_und_Klinischen_Psychologen_sowie_in_die_Liste_der_Gesundheitspsychologinnen_ und_Gesundheitspsychologen

 

1.2.  Zur praktisch-fachlichen Ausbildung

Die Forderung des Psychologengesetzes 2013, die praktisch-fachliche Ausbildung im Rahmen von Arbeitsverhältnissen zu absolvieren, entspricht den Vorstellungen der Berufsverbände. Die Realisierung ist aber aufgrund der damit entstehenden Kosten für potentielle Institutionen oder auch Lehrpraxen eine besondere Herausforderung. Nachfolgende Überlegungen sollen zur Konkretisierung und Erleichterung der Durchführung dieses Ausbildungsteils beitragen:

 

  • Die praktisch-fachliche Ausbildung umfasst
    • 2.098 Stunden für den Schwerpunkt Klinische Psychologie und
    • 1.533 Stunden für die Gesundheitspsychologie.
    • Der Gesetzgeber sieht vor, dass die Bereiche „Kinder/Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen“ zu ungefähr gleichen Teilen kennengelernt werden.

Die praktisch-fachliche Tätigkeit mit jeder der genannten Zielgruppen sollte in beiden Bereichen (Klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie) zumindest 3 Monate umfassen, in der Klinischen Psychologie nicht unter 500 Stunden, in der Gesundheitspsychologie nicht unter 300 Stunden liegen.

  • Eine Tätigkeit im Kinder-/Jugendlichenbereich kann zugleich auch Teile der Erwachsenenarbeit abdecken, da sowohl in der Beratung, wie auch in der Behandlung und Diagnostik die Eltern mit einbezogen Dieser Aspekt muss jedoch im Rahmen des Rasterzeugnisses ausgewiesen werden. Damit kann aber keinesfalls die komplette Erwachsenenbehandlung und –diagnostik abgedeckt werden.
  • Ein Arbeitsverhältnis hat die arbeitsrechtlichen Regelungen (wie Urlaubsanspruch, Arbeitszeitregelungen, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Anmeldung bei der zuständigen Krankenversicherungsträger zur Sozialversicherung, Kündigungsfristen, etc) zu erfüllen. Im Rahmen des Psychologengesetzes 2013 werden keine Vorgaben über die Höhe eines Entgelts ausgeführt. Grundsätzlich ist aber im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses das der Leistung und dem Zeitaufwand entsprechende Entgelt zwischen dem/der Arbeitnehmer/Arbeitnehmerin und dem/der Arbeitgeber/Arbeitsgeberin zu vereinbaren. So sind die Auszubildenden durch den/die konkrete/n Arbeitgeber/in nach den dem Tätigkeitsbild entsprechenden Einstufungen zu entlohnen bzw. in jene Beschäftigungsgruppe einzustufen, die der ausgeübten Tätigkeit am ehesten entspricht (Wertigkeit).
  • Tätigkeiten bzw. Praktika zur Orientierung oder zur Abklärung der beruflichen Möglichkeiten unter dem Aspekt „Berufsvorbereitung“, „Arbeitstraining“ bzw. „spezifische Projekte“ (z.B. Forschung, Gesundheitsförderung) können im Ausmaß von bis zu 3 Monaten (bei Vollzeittätigkeit max. 500 Stunden) durch die Ausbildungseinrichtung angerechnet werden, wenn sie unmittelbar nach Studienabschluss (jeweils jedoch im Vorfeld der Ausbildung) gemacht wurden und den Fachausbildungsinhalten gleichwertig sind (entsprechend den Vorgaben des Rasterzeugnisses). Sofern ein Arbeitstraining vom AMS finanziert wird, kann ein solches bis zur Dauer von maximal 3 Monaten auch während der theoretischen Ausbildung erfolgen, da es analog einem Arbeitsverhältnis anzusehen

2.   Anrechnungen

2.1.   Selbsterfahrung

  • Im Rahmen der Selbsterfahrung stehen Selbstexploration bzw. Selbstreflexion der eigenen Person als existentielle Aspekte des „privaten Lebens“ im Vordergrund und ebenso als wichtige Wirkfaktoren für die berufliche Arbeit im klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Handeln. Sie stellt eine wertvolle Auseinandersetzung mit sich selbst dar, die dazu beiträgt, das eigene Erleben und damit auch das Verhalten zu erkennen und allenfalls zu verändern. Krankenbehandlung grenzt sich von Selbsterfahrung dadurch ab, dass hier eine Milderung oder Behebung eines Leidenszustandes/einer krankheitswertigen Störung im Vordergrund steht.
  • Die Vermittlung der Selbsterfahrung kann nur von jenen qualifizierten Berufsangehörigen der Klinischen Psychologie, der Gesundheitspsychologie, der Psychotherapie oder der Psychiatrie und Psychotherapeutischen Medizin, erfolgen, die (neben der Voraussetzung der 120 Stunden eigene Selbsterfahrung) eine zumindest fünfjährige einschlägige Berufserfahrung (Berufstätigkeit mit entsprechender Eintragung in die jeweilige Berufsliste) belegen. Diese Regelung gründet sich auf die Vorgabe für alle Lehrenden gemäß § 9 Abs. 2 und den analog anzusehende Bestimmungen der § 15 Abs. 2 und 24 Abs. 2 Psychologengsetz 2013.
  • Die Anrechnung von Selbsterfahrungsstunden ist grundsätzlich möglich, wenn sie nicht länger als 5 Jahre zurückliegen. Aufgrund des Anspruchs der Gleichwertigkeit sind bei länger als 5 Jahre zurückliegenden Zeiten auch aktuellere Selbsterfahrungsstunden nachzuweisen, sodass eine Anrechnung bis 10 Jahre zurückliegend erfolgen kann. Absolvierte Selbsterfahrungen im Rahmen der Psychotherapieausbildung (Propädeutikum und/oder Fachspezifikum) sind somit anrechenbar, wenn sie dieser Bedingung entsprechen. Als Stichtag gilt das Datum der Aufnahme in den Lehrgang.
  • Die Forderung nach 40 Stunden Einzelselbsterfahrung und 36 Stunden Gruppenselbsterfahrung ist davon aber nicht berührt.
  • Strebt eine Person die Berufsbezeichnungen „Klinische Psychologie“ und „Gesundheitspsychologie“ an, muss die Selbsterfahrung nur einmal absolviert werden. Für die zweite Ausbildung ist sie anrechenbar.
  • Kommt es zu Fehlzeiten im Rahmen der Gruppenselbsterfahrung, müssen diese versäumten Stunden im Einzel- oder Gruppensetting nachgeholt werden. In Summe muss die/der TN auf seine 76 Stunden Selbsterfahrung

 

2.2.   Supervision

  • Supervision kann nach Psychologengesetz 2013 im Ausmaß von 50 Einheiten im Rahmen der Gesundheitspsychologie bzw. im Ausmaß von 70 Einheiten im Rahmen der Klinischen Psychologie durch den Anleiter/die Anleiterin für die Fachausbildungstätigkeit (sofern diese/r seit fünf Jahren berufsberechtigt ist) erfolgen. 50 Einheiten Supervision müssen jeweils bei einer anderen Person wahrgenommen werden und sollen nach Möglichkeit auch nicht in der Einrichtung erfolgen, in der der praktisch-fachliche Teil der Ausbildung
  • Für den Fall, dass eine Person sowohl die Ausbildung zum Klinischen Psychologen wie auch zum Gesundheitspsychologen absolviert, kann Supervision von einer Ausbildung zur anderen angerechnet werden, wenn die Supervision einen überschneidenden Bereich betrifft (z. B. Planung von Maßnahmen der Gesundheitsförderung im klinischen Bereich). Bei dieser Anrechnung gibt es kein fixes Stundenausmaß; die Anrechnung erfolgt auf Basis einer individuellen Prüfung. Dieser Aspekt betrifft neben der Supervision auch die praktisch- fachliche Tätigkeit (siehe § 15 und 24 c. und d.)

 

2.3.   Im Ausland erworbene Qualifikationen

  • Eine Anrechnung der praktisch-fachlichen Ausbildung ist möglich, wenn die anleitende Person an einer Klinik in einem vollen Anstellungsverhältnis beschäftigt ist (zentrales Kriterium). Zudem sollte sie zumindest 3 (günstig bis 5 Jahre) Erfahrung in einem klinischen Setting
  • Supervision, die im Ausland erworben wurde, wird dann anerkannt, wenn der Supervisor/die Supervisorin 5 Jahre klinisch psychologische bzw. gesundheitspsychologische Erfahrung nachweisen kann (Vorlage eines tabellarischen Lebenslaufes). Es muss eine inhaltliche Überprüfung der Qualifikation der Person stattfinden, die die Gleichwertigkeit   gewährleistet.
  • Eine Anrechnung von Selbsterfahrung im Ausland ist dann möglich, wenn die Person, die die Selbsterfahrung leitet, als reglementierter Beruf im Sinne der Berufsqualifikationsrichtlinie 2005/36/EG als PsychotherapeutIn, Klinische PsychologIn /GesundheitspsychologIn oder FachärztIn für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin registriert ist und die Voraussetzungen gemäß 15 (3) bzw. §24 (3) PG 2013 entsprechend erfüllt.
  • Bei der Anrechnung von Theorie gilt die Prüfung der Zudem dürfen maximal ein Drittel der Stunden je Grundmodul/Aufbaumodul angerechnet werden, in Summe aber nicht mehr als 100 Stunden gem. §11 (2) Psychologengesetz 2013 (siehe oben).
  • Zur Anrechnung von Supervision: siehe oben!

3.   Theoretische Ausbildung

3.1.   Parallele theoretische und praktische Ausbildung

  • Die Vorgabe, theoretische und praktische Ausbildung über den gesamten Zeitraum zeitlich zu verschränken, ist in der Praxis nicht immer Es kann auch der Fall eintreten, dass das Grundmodul ohne begleitende Praxis absolviert wird. Diese Vorgehensweise steht nicht im Widerspruch zu den gesetzlichen Bestimmungen. Spätestens mit Beginn des Aufbaumoduls muss jedoch mit der Praxis begonnen werden, so dass zumindest 500 Stunden parallel zur Theorie absolviert werden. Dadurch verlängert sich allenfalls die Gesamtausbildungszeit für den Auszubildenden/die Auszubildende.

4.  Aufnahmegespräch

  • Das Aufnahmegespräch kann vor Studienabschluss, der Beginn der Ausbildung kann aber erst nach Studienabschluss