Buchrezension „Das psychiatrische Gespräch“ von D. J. Carlat

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Das psychiatrische Gespräch. Interviewstrategie, Anamnese, Befunderhebung, diagnostische und therapeutische Gesprächsführung Book Cover Das psychiatrische Gespräch. Interviewstrategie, Anamnese, Befunderhebung, diagnostische und therapeutische Gesprächsführung
Daniel J. Carlat
Psychiatrie
Hogrefe (vormals Huber)
2013
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https://www.hogrefe.de/shop/das-psychiatrische-gespraech-71348.html

Praktikum

In Vorbereitung auf mein "Psychiatriejahr"  im Rahmen der Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin habe ich mir das Buch von Daniel Carlat zugelegt, da ich davon ausgegangen bin, zukünftig Anamnesegespräche zu führen und Diagnosen zu stellen. Der erste Pluspunkt des Buches ist seine Handlichkeit, da es aufgrund seiner Größe im "Taschenformat" leicht zu transportieren ist. Das Handbuch gliedert sich in vier Oberkapitel, welche wiederum aus kurzen und teilweise sehr spezifischen Unterkapiteln bestehen (z. B. "Fragen stellen II: Tricks, um die Erinnerung des/der PatientInnen zu unterstützen").

 

Im ersten Teil des Buches werden allgemeine Regeln für das effektive Gespräch mit PatientInnen thematisiert. Es werden organisatorische Aspekte für das Erstgespräch angesprochen und spezifische Frage- und Gesprächstechniken dargestellt, beispielsweise für wortkarge oder besonders redselige PatientInnen. Fallbeispiele und konkrete Formulierungsbeispiele veranschaulichen die dargestellten Inhalte.  Auch wer mit den grundlegenden Regeln der Gesprächsführung aus dem Studium vertraut ist, kann hier noch den einen oder anderen Tipp bekommen, wobei mir das meiste schon aus dem Studium bekannt war. Jedes Kapitel beinhaltet zu Beginn einen zusammenfassenden "Merkkasten", der die wichtigsten Aspekte des jeweiligen Kapitels auflistet, welche meines Erachtens mitunter aber zu allgemein formuliert sind, um verständlich zu sein.

 

Im zweiten Teil des Buches werden die wichtigsten Inhalte der psychiatrischen Anamneseerhebung vorgestellt. Der klar strukturierte Aufbau dient als guter Leitfaden für das Erstgespräch. Es werden konkrete Fragen formuliert, die im Gespräch gestellt werden sollten, was ein großer Pluspunkt des Buches ist. Somit wird ein umfangreicher Fragenkatalog vorgestellt, an welchem sich der Interviewer entlanghangeln kann und am Ende alle wichtigen anamnestischen Infos erhoben haben sollte.

 

Der dritte Teil beinhaltet die störungsspezifische diagnostische Gesprächsführung. Hier wird auch das Vorgehen bei der Erhebung und Erstellung des psychopathologischen Befundes geschildert. Der Autor formuliert zudem für jede Störung eine Eselsbrücke, bestehend aus einem Satz, anhand derer man sich die wichtigsten Störungskriterien einprägen kann. Für jede der gängigsten Diagnosen des F-Kapitels aus der ICD-10 werden dann spezifische diagnostische Fragen aufgezeigt. Es werden zum einen orientierende Screening-Fragen formuliert und zum anderen tiefergehende Fragen, wenn eine weitere Exploration notwendig scheint. Die Fragen sind meist so formuliert, dass sie die jeweiligen ICD-10 Kriterien erfragen. Für unerfahrene Interviewer finde ich das sehr hilfreich!

 

Der letzte Teil des Buches handelt in einem sehr kurzen Überblick die therapeutische Gesprächsführung ab (Aufklärung, Zielklärung, Dokumentation). Dieser Abschnitt des Buches dient aber nur zur groben Orientierung und geht nicht weiter in die Tiefe. Zudem beinhaltet das Buch Kopiervorlagen für die vorher vorgestellten störungsspezifischen Eselsbrücken und ICD-10 Kriterien, für einen Erstgesprächs-Leitfaden (Kurz-und Langversion), einen Patientenfragebogen für das Erstgespräch, sowie für Informationsblätter über verschiedene psychische Störungen (Depression, Bipolare Störung, Zwangsstörung, Panikstörung).

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch für Neueinsteiger und unerfahrene Interviewer eine große Hilfe darstellt und den Einstieg erleichtert, vor allem in Bezug auf die vielfältigen vorgestellten Fragen. Die Infos über Gesprächsführung im Allgemeinen werden v. a. für Psychologiestudierende keinen allzu großen Wissenszuwachs bringen, allerdings können sie als Erinnerungshilfe dienen.