Buchrezension „The roots of goodness“ von E. Staub

The roots of goodness and resistance to evil Book Cover The roots of goodness and resistance to evil
Ervin Staub
Frieden- und Gewaltpsychologie
Oxford University Press
2015
389
https://global.oup.com/academic/product/the-roots-of-goodness-and-resistance-to-evil-9780190607982?cc=de&lang=en&

Kurzbeschreibung

Ervin Staub ist durch seine Vergangenheit als Holocaust-Überlebender und seine Erfahrungen in Ruanda nach dem Genozid sowie in Projekten gegen Fremdenhass, Mobbing und für ein friedliches Zusammenleben ein Experte auf dem Gebiet des Helfens, der unterlassenen Hilfeleistung und der jeweils tiefliegenden psychologischen Gründe dafür geworden. In seinem Buch fasst er wichtige Erkenntnisse aus eigener Forschung und Projekten zusammen und lässt dabei immer wieder seine eigene Geschichte und die anderer Leidtragender durchblicken, um sich für ein verständnisvolles Zusammenleben einzusetzen. Das Buch bietet interessante Ansätze auf theoretischer und praktischer Ebene für Integration und Aufarbeitung von Gewalt, wirkt aber trotz des roten Fadens zu Beginn gelegentlich eher wie ein Nachschlagewerk zu den einzelnen besprochenen Themen. 

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 28 Kapitel aufgeteilt, die im ersten Kapitel im Überblick beschrieben werden. Die Kapitel sind bis auf wenige Ausnahmen vom Autor Staub selbst verfasst und leiten den Leser durch zahlreiche Aspekte des "Bösen" und "Guten" im Menschen. Da der Autor selbst als Kind den Holocaust erfahren musste, trägt das Buch starke autobiographische Züge. Dies lockert einerseits die manchmal sehr ausführlichen Artikel auf, andererseits wiederholt sich der Autor auch mit emotionalen Familiengeschichten. Ervin Staub ist absolut davon überzeugt, sein Wissen und seine Erfahrung mit der Welt zu teilen, um diese zu verbessern. So gliedert sich sein Werk grob in (a) Kindererziehung und Erfahrungen, die Kinder machen können, um Helfen zu lernen, (b) Staubs Arbeit in Ruanda, wo er beispielsweise den Folgen des Genozids mit einem pädagogischen Radioprogramm entgegenwirken konnte, (c) die Grundlagen des Helfens oder Nicht-Helfens und psychologische Bedürfnisse aller Menschen, die es zu verstehen gilt, (d) seine Erfahrung und die Erfahrung anderer im Holocaust, (e) moderne Anwendung seiner Vorschläge für ein aktiveres Zusammenleben in unserer Gesellschaft und bei der Polizei und (f) die Möglichkeit, dass aus Leid Altruismus entsteht ("Altruism born of Suffering").

Das Buch umfasst viele unterschiedliche Aspekte des Helfens, von moralischer Courage und aktivem Zuschauerverhalten, gliedert sich aber in die oben genannten Bereiche auf, sodass es manchmal eher wie ein Nachschlagewerk gilt. Besonders wer sich für die Folgen des Genozids in Ruanda interessiert, dem sei dieses Buch mit seinen vielen Ansätzen zur Aufarbeitung des Leids empfohlen. 

Wer sich für moderne Integrationsmethoden interessiert, wird Freude an den letzten Kapiteln des Buches haben, in dem Staub seine elf ausgearbeiteten Vorschläge für ein Programm entwirft, das für ein soziales, integriertes Zusammenleben vieler Bevölkerungsgruppen sorgen soll und in dieser Form auch bereits seine politische Anwendung gefunden hat. Besonders in Bezug auf die aktuelle politische Lage in Europa hat Staub hier viele treffende Worte, die psychologisch eingebettet zu einem besseren Verständnis für unser aller Zusammenleben führen können. Die gesammelten Essays von Staub und seinen Kollegen richten sich aber eher an ein Fachpublikum als die breite Masse und trotz des wichtigen und auch überraschenden und manchmal emotionalen Inhalts wirken die Kapitel gelegentlich länger als sie sein müssten.

Fazit

Staub richtet sich mit seinem Buch und seiner Fachsprache eher an akademische Leser, die sich auf konzeptueller Ebene mit dem Guten und Bösen in unserer Welt auseinandersetzen. Ein psychologisches Grundverständnis ist von Vorteil, aber nicht notwendig, da Staub zahlreiche Beispiele verwendet und wichtige Aspekte häufig wiederholt. Zu empfehlen ist dieses Buch besonders denen, die sich intensiv mit der Aufarbeitung von Leid in der ganzen Gesellschafts beschäftigen wollen.

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