FAQs

Hier findet ihr einen Überblick zu den häufigsten Fragen rund ums Psychologiestudium und die Zeit danach.

2. Rund ums Studium (7)

Welche Masterstudiengänge gibt es in Psychologie?

Die Anzahl an Masterstudiengängen wächst stetig, insbesondere an privaten Hochschulen. Neben allgemeinen Mastern existiert eine Vielzahl an spezialisierten Studiengängen, etwa zu Neuro- oder Sozialpsychologie.

Eine Übersicht an Masterstudiengängen von PsyStudents – Vernetzung im Studium und danach findet ihr hier. Anregungen, Anmerkungen oder was auch immer euch dazu einfällt: Schreibt uns an masterliste@psystudents.org.

Weitere Masterlisten gibt es einmal auf der Seite der PsyFaKo unter http://bit.ly/psyfako-wiki und bei psychostudium.de unter http://bit.ly/psychostudium-wiki. Hier findet ihr Infos, wie teuer die Mensa ist, was ein WG-Zimmer im Durchschnitt kostet, wie hoch die Semestergebühren sind und, und, und …

Ich möchte neben meinem Studium bereits psychologisch arbeiten. Wo kann ich das tun?

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, bereits während des Studiums, auch schon im Bachelor, erste berufspraktische Erfahrungen zu sammeln.

geringfügige Beschäftigung (450-Euro-Job)

Wenn du neben dem Studium arbeiten möchtest, solltest du beachten, dass du höchstens 20 Stunden pro Woche und 26 Wochen pro Jahr arbeiten kannst. Dieser Höchstsatz soll sicherstellen, dass dein Studium und nicht der Job im Vordergrund steht. Dein Gehalt darf dann sogar die Höhe von 450 Euro überschreiten (Gleitzone). Als BAföG-EmpfängerIn darfst du zusätzlich bis zu 407 Euro im Monat verdienen, ohne dass sich dein Bafög verringert. Mehr Informationen gibt es beispielsweise bei der Minijob-Zentrale oder bei den Sozialberatungen der Gewerkschaften an deiner Universität.

studentische Hilfskraft

Der klassiche Weg ist sicher die Arbeit als studentische Hilfskraft. Der Stundenlohn variiert dabei von Bundesland zu Bundesland. Während in Berlin 10,98 € brutto pro Stunde gezahlt werden, arbeiten die studentischen Hilfskräfte in Nordrhein-Westfalen für 8,80 € Stundenlohn. Häufig werden Verträge über 10 Wochenstunden geschlossen, die maximale Wochenarbeitszeit beträgt 80 Stunden. Über freie Stellen erfahrt ihr über die Informationswände der Lehrstühle oder auf den Internetseiten der Universitäten.

psychologische Stellenbörsen

Neben regionalen Stellenbörsen oder Stellenbörsen der jeweiligen Hochschulen gibt es verschiedene, teilweise auch kostenpflichtige Möglichkeiten, sich über freie Jobs zu informieren. Hogrefe, ein Fachverlag für Psychologie, bietet auf seiner Homepage eine  große Jobbörse an: PsychJob. Allerdings werden hier vor allem Jobs für AbsolventInnen veröffentlicht. Auch die Agentur für Arbeit hat eine große Stellenbörse online, allerdings natürlich nicht genuin psychologisch. Der Wissenschaftsladen Bonn e.V. (WILA Bonn) hat neben einer Online-Stellenbörse eine eigene Zeitschrift mit Stellenanzeigen. Der arbeitsmarkt kann einmalig kostenlos als Probeheft bestellt werden.

Das ZPID hat eine umfassende Übersicht verschiedener Stellenbörsen erstellt. Hier finden sich auch internationale Ausschreibungen sowie eine Untergliederung nach Fachebereich bzw. ArbeitgeberIn.

Mailinglisten der Fachschaften

Fast alle Fachschaften wie beispielsweise die FU Berlin oder die Uni Tübingen haben eigene Maillinglisten, über die viele Stellenangebote gepostet werden. Hier könnt ihr auch einen Überblick bekommen, welche Anforderungen gemacht werden, oder neuen Input bekommen, was es überhaupt so gibt.

Welche psychologischen Verbände gibt es und kann ich da Mitglied werden?

Verbände in Deutschland

Es existiert eine Vielzahl an psychologischen Verbänden mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Interessensschwerpunkten. Auf nationaler Ebene stellen in Deutschland die Deutsche Gesellschaft für Psychologie e. V. (DGPs) sowie der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die zahlenmäßig größten Verbände im Bereich der Psychologie dar.

Der BDP vertritt dabei die beruflichen Interessen von PsychologInnen, Studierenden der Psychologie sowie PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA). Im BDP können auch Studierende Mitglied werden. Die DGPs erstrebt die Förderung und Verbreitung der wissenschaftlichen Psychologie. Studierende können sich hier – nach Empfehlungen – erst im Masterstudium um eine Mitgliedschaft bemühen.

Darüber hinaus gibt es viele kleinere Verbände mit spezifischen Themen, die zeigen, wie vielfältig die Psychologie sein kann. Dazu gehören beispielsweise:

Auch PsychotherapeutInnen sind in verschiedenen Verbänden organisiert, der größte hierbei ist die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV).

Verbände in Österreich

In Österreich vertritt der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen die berufspraktischen Interessen von (angehenden) PsychologInnen. Universitäre Interessensvertretung läuft u.a. über die Österreichische Gesellschaft für Psychologie (ÖGP). Sie wurde 1993 an der Universität Wien gegründet. Der Berufsverband kritischer PsychologInnen möchte ein berufspolitisches Sprachrohr darstellen.

internationale Verbände

Der bedeutenste internationale Verband ist die nordamerikanische  American Psychological Association (APA)Sie ist gleichzeitig wissenschaftliche Gesellschaft und Interessenvertretung mit Funktionen eines Berufsverbandes. Sie hat rund 150.000 Mitglieder und ist damit auch der zahlenmäßig größte Verband. Neben dem Ziel, die Psychologie als Wissenschaft und Beruf sowie als Mittel zur Verbesserung der Gesundheit, Erziehung und menschlichen Wohlfahrt zu befördern, gibt die APA beispielsweise auch Empfehlungen zur Gestaltung von Manuskripten und weitere Veröffentlichungen heraus, die weltweit genutzt werden.

Die European Federation of Psychology Students’ Associations wurde 1987 gegründet. Ziel ist, eine bessere Vernetzung von europäischen Studierenden und wissenschaftliche Kooperationen schon früh voranzubringen. Von der EFPSA wird auch ein eigenes Journal herausgeben, in dem Studierende publizieren können.

Was sind Credit Points?

Durch das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) sollen die Leistungen von Studierenden international vergleichbar gemacht werden und prinzipiell der Wechsel von einer Hochschule zur anderen vereinfacht werden.

Über Credit Points (CP) bzw. Leistungspunkte (LP) wird im Rahmen dieses Systems Aufwand gemessen. Ein Credit Point (CP) oder Leistungspunkt (LP) soll laut Hochschulrektorenkonferenz 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand entsprechen. Credit Points sind also ein Maß für den Work Load und haben mit Noten erst einmal nichts zu tun. Ein gesamtes Studium umfasst 300 Credit Points, pro Semester werden 30 CP gesammelt. In Deutschland werden die 300 Punkte vielfach aufgeteilt in einen dreijährigen Bachelor mit 180 CP und einen zweijährigen mit 120 CP. An einigen wenigen Universitäten existieren in Deutschland auch vierjährige Bachelorstudiengänge mit 240 CP und einjährige Masterstudiengänge mit 60 CP.

Neben der absoluten Note gibt es eine relative Notenskala von A bis E nach dem ECTS. Ein A erhalten nur die besten zehn Prozent der Studenten, ein E die schwächsten zehn Prozent.

Was bedeutet es, wenn ein Studiengang akkrediert ist?

Vor Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge wurden die Inhalte und Anforderungen an die verschiedenen Studiengänge durch die Rahmenprüfungsordnung durch eine Kommission von KultusministerInnenkonferenz (KMK) und HochschulrektorInnenkonferenz (HRK) festgelegt.

Die Akkreditierung als Verfahren der Qualitätssicherung wurde dann im Zuge der Bologna-Reform im deutschen und europäischen Hochschulwesen eingeführt und damit die Rahmenprüfungsordnung abgelöst. Auf zentraler Ebene werden nun nur noch fächerübergreifende Standards definiert (Richtlinien zur Credit Point Vergabe bspw.). Die fachlich-inhaltliche Qualität wird nun durch Akkreditierungsagenturen überprüft. Diese schicken dann eine Gruppe von GutachterInnen an die betreffende Universität, die aus ProfessorInnen, VertreterInnen aus der Berufspraxis und Studierenden besteht. Auf Basis der Begehung wird ein Gutachten erstellt und die Akkreditierungsagentur entscheidet dann darüber, ob ob der Studiengang akkreditiert wird oder nicht. Darüber hinaus kann sie Auflagen machen.

Der studentische Akkreditierungspool informiert auf seiner Homepage über die Thematik und Veränderungen in diesem Bereich. Er  fördert die Vertretung der Studierenden im Akkreditierungswesen, dient als Ansprechpartner der Agenturen und sorgt für die Weiterbildung seiner Mitglieder. Auf der Seite des Akkreditierungsrats werden in einem FAQ alle häufigen Fragen beantwortet.

Wie ist Hochschulpolitik organisiert? Was ist ein AStA und was eine Fachschaft?

“Hochschulpolitik” ist eine Vokabel, die sicher vielen Studierenden ein Begriff ist, aber dennoch für viel Verwirrung und Rätsel sorgt. In der Hochschulpolitik wird sich mit verschiedenen Themen auseinander gesetzt. Dies können Sachen sein wie die Hochschulstrukturreform oder die Einführung der Studiengebühren. Oftmals geht es aber um den Alltag an der jeweiligen Uni und Entscheidungen, die das Studium direkt oder indirekt betreffen.

Die Gremien der Hochschulpolitik lassen sich dabei in zwei große Gruppen gliedern: studentische Selbstverwaltung und studentische Mitbestimmung.

studentische Selbstverwaltung

Alle Studentinnen und Studenten einer Hochschule bilden zusammen die Verfasste Studierendenschaft. Um die Verfasste Studierendenschaft zu organisieren, gibt es verschiedene Vertretungen.

Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA)

Der AStA vertritt die Interessen aller Studierenden einer Uni. So ist der AStA beispielsweise für das Semesterticket, den Hochschulsport und Beratung sowie Unterstützung zuständig. Zuständig für die verschiedenen Themen sind jeweils spezifische Referate. Neben den “Servicereferaten” gibt es oft auch autonome Referate wie das LGBTI-Referat oder Referate für Menschen mit Behinderung/chronischer Erkrankung.

Studierendenparlament (SP)

Das Studierendenparlament wird von den Studierenden gewählt und ist das höchste Gremium der Studierendenschaft. Hier werden der AStA-Vorstand und die Referate gewählt und es wird darüber entschieden, was mit den Beiträgen passiert. Die Sitzungen sind dabei öffentlich.

Fachschaften und Fachschaftsräte

Fachschaft bezeichnet eigentlich nur die Studierenden eines Faches, also alle Studierenden der Psychologie an einer Universität. Die offiziell gewählte Vertretung wird Fachschaftsrat genannt. Die Mitglieder des Fachschaftsrates werden von den Studierenden gewählt. Die Fachschaft ist Ansprechpartner, wenn es um Probleme oder Veränderungen im Fach gibt, beispielsweise mit der Anerkennung von Prüfungsleistungen oder mit Dozierenden. Es gibt allerdings einige Unterschiede. An kleineren Hochschulen gibt es teilweise keine Fachschaftsräte. Stattdessen übernehmen hier Fachschaftsinitiativen die Arbeit der Fachschaftsräte. In Bayern wurden 1970 die verfassten Studierendenschaften und damit auch die Fachschaftsräte abgeschafft. Hier finden sich Studierende oft zu Fachschaftsinstitaiven oder Unabhängigen Fachschaften zusammen.

VertreterInnen aller Fachschaften im Bereich Psychologie treffen sich regelmäßig auf der PsyFaKo (Psychologie-Fachschaften-Konferenz). Dabei handelt es sich um eine Interessensvertretung aller psychologischen Fachschaften Deutschlands. Seit Juni 2005 treffen sich die Fachschaften einmal pro Semester für ein Wochenende an unterschiedlichen Orten in Deutschland.

 

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der studentischen Mitbestimmung in verschiedenen Bereichen wie dem Senat oder den Fakultätsräten. Auch in Berufungs- und Studiengangskommissionen sitzen studentische VertreterInnen.

Interessante Links:

Wie komme ich an Tests bzw. Skalen?

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Prinzipiell gilt: Alle bei einem Verlag erschienene Instrumente sind lizenzpflichtig und unterliegen dem Urheberrecht!

1. Die Universitäten haben eigene Testotheken. Dort können Tests ausgeliehen werden.

2. Vielfach finden sich die Items einer Skala auch in den jeweiligen Publikationen.

3. Eine andere Möglichkeit ist es, die AutorInnen zu kontaktieren und sie um die Instrumente zu bitten. Häufig freuen sich WissenschaftlerInnen sogar, wenn ihre Instrumente verwendet werden.

4. GESIS gibt die Zusammenstellung sozialwissenschaftlicher Items und Skalen (ZIS) heraus, die (eingeschränkt) auch für die Psychologie interessant sein kann. Hier werden Instrumente zur Erhebung von Einstellungen und Verhaltensweisen aus häufig untersuchten sozialen Themenbereichen dokumentiert. Eine Übersicht der Instrumente findet sich hier.

1. Informationen rund um den Bachelor Psychologie (16)

Das Grundstudium (Inhalte sind noch zum Vordiplom)

Das Grundstudium beginnt im ersten Semester und endet im allgemeinen nach dem vierten Semester; es wird mit den Vordiplomsprüfungen abgeschlossen.

Das Grundstudium besteht aus sieben inhaltlichen Fächern. Diese Fächer sind: Allgemeine Psychologie Teil 1 und Teil 2, Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitspsychologie, auch differentielle Psychologie genannt, Sozialpsychologie, biologische Psychologie und Methodenlehre. Es ist dabei üblich, dass in jedem dieser Fächer eine oder zwei Vorlesungen angeboten werden und dass Studenten anschließend die Möglichkeit haben, aus verschiedenen Seminaren eine Auswahl zu treffen, um selbst zu entscheiden, welche Bereiche dieses Faches sie besonders interessieren.

Alle Vorlesungen sind Pflicht, müssen also vollständig besucht werden. Zusätzlich muss an allen Universitäten eine bestimmte Anzahl von Pflichtseminaren belegt werden. Über diese Pflichtseminare hinaus kann eine beliebige Anzahl von Wahlseminaren besucht werden, um sich den eigenen Interessen entsprechend weiterzubilden. Im Grundstudium muss je nach Universität eine unterschiedliche Anzahl Leistungsnachweise erbracht werden. Meist werden diese Leistungsnachweise als Referate oder Hausarbeiten in den Seminaren abgeleistet. Aber auch Klausuren sind nicht unüblich. Im Fach Methodenlehre werden an allen Universitäten Klausuren geschrieben. Im Folgenden sollen nun die einzelnen Fächer des Grundstudiums genauer dargestellt werden. Durch Klick auf die Überschrift kommt man zu den Literaturempfehlungen des entsprechenden Faches.

Allgemeine Psychologie:

Die Allgemeine Psychologie beschäftigt sich mit den Grundlagen des menschlichen Seins. Dabei werden die einzelnen Themenkomplexe an verschiedenen Universitäten unterschiedlich auf die Teile 1 und 2 verteilt.

Die Allgemeine Psychologie Teil 1 enthält an vielen Universitäten die Bereiche Wahrnehmung und Denken. Sie beschäftigt sich mit den Fragen:
Was ist Wahrnehmung? Wie nehmen wir wahr? Wie kommen optische Täuschungen zustande? Welche verschiedenen Sinne gibt es und wie wirken diese zusammen? Was ist Denken? Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir denken? Wie löst unser Gehirn bestimmte Probleme?
Neben diesen Grundfragestellungen werden weitere, eher philosophische Fragestellungen bearbeitet, wie z. B.: Gibt es so etwas wie eine objektive Wahrnehmung? Sind optische Täuschungen wirklich “Täuschungen”? Was ist das, was der Mensch unter dem Bewusstsein versteht?

Die Allgemeine Psychologie 2 beschäftigt sich mit den Bereichen Motivation, Emotionen, sowie mit Lernen und Gedächtnis. Je nach Universität wird der Bereich Allgemeine Psychologie eher auf einer philosophischen Ebene oder auf einer naturwissenschaftlichen Ebene gelehrt. Gewisse Grundlagen werden dabei aber natürlich in jeder Universität vermittelt.

Entwicklungspsychologie:

Die Entwicklung des Menschen vollzieht sich in der gesamten Zeitspanne von der Zeugung bis zum Tod. Diese Entwicklung ist von permanenter Veränderung und Anpassung geprägt. Bereits im ersten Monat unseres Daseins, ca. 3 Wochen nach unserer Zeugung, beginnt sich unser Nervensystem zu entwickeln. Schon wenige Wochen später ist der Mensch in der Lage, erste Wahrnehmungen aufzunehmen und zu verarbeiten. Die Entwicklung des Nervensystems ist ein Prozess, der niemals abgeschlossen wird. Die größten Veränderungen finden dabei in der Kindheit und im höheren Lebensalter statt. Diese Veränderung und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Psychologie des Menschen sind Gegenstand des Faches Entwicklungspsychologie. Besonders ausführlich wird dabei die Entwicklung des Menschen vom Embryo zum Erwachsenen betrachtet. Im Rahmen dieses Faches werden auch die gängigsten Entwicklungstheorien besprochen. Hier dürfen natürlich auch historische Vertreter wie Freud oder Piaget nicht fehlen. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit ihren Theorien ist der Inhalt des Gebietes. Ein weiterer wichtiger Gegenstand des Faches ist die Degeneration von Gehirn und Psyche bei Alterserkrankungen wie z. B. der Alzheimer-Krankheit.

Persönlichkeitspsychologie/differentielle Psychologie:

Jeder Mensch ist ein Individuum. Sogar genetisch identische eineiige Zwillinge sind in ihrem Charakter und ihrer Persönlichkeit nicht identisch. Die Persönlichkeitspsychologie beschäftigt sich mit der Fragestellung, was diese Individualität des Menschen ausmacht. Was ist es, das den einen Menschen vom anderen unterscheidet? Was macht unsere Persönlichkeit, was unseren Charakter aus? Dabei wird in der Regel auch ein historischer Ausblick auf die Vergangenheit dieser Disziplin gegeben. Bereits im alten Griechenland versuchte man Menschen in verschiedene Charaktertypen einzuteilen. Dies gipfelte zu Zeiten des Dritten Reiches in der pauschalen Verurteilung ganzer Gruppen von Individuen, was als Begründung für deren Verfolgung herangezogen wurde. So erfolgt gerade auch in diesem Fach immer eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Sozialpsychologie:

Nur die wenigsten Menschen leben in vollständiger Isolation. Normalerweise lebt der Mensch in einem sozialen Umfeld und interagiert mit diesem. Dabei beeinflusst sowohl der einzelne Mensch das Umfeld, als auch das Umfeld den Menschen. Wie sieht aber dieser Einfluss aus? Durch was wird dieser Einfluss moderiert? Warum haben einige Personen größeren Einfluss auf Menschen als andere? Auf welche Weise wurden und werden Menschen durch andere manipuliert? Warum beugen sich Menschen trotz besseren Wissens einer falschen Gruppenentscheidung? Dies sind Fragen mit denen sich die Sozialpsychologie beschäftigt.

Biologische Psychologie/Physiologie:

Dieses Fach wird je nach Universität verschieden gelehrt. An einigen Universitäten ist dieses Fach speziell für Psychologen zugeschnitten. Es werden dann die biologischen Grundlagen des menschlichen Verhaltens behandelt. Hierzu zählen alle Teile der menschlichen Physiologie, die die menschliche Psychologie beeinflussen oder von ihr beeinflusst werden. Das sind die Bereiche Herz und Kreislauf, Atmung und Motorik, sowie der gesamte Bereich der Neurophysiologie. An einigen Universitäten wird die biologische Psychologie jedoch nicht speziell für Psychologen angeboten, sondern wird als Physiologie an anderen Instituten gelehrt. Hier entspricht der Lehrplan oft dem von Medizinern oder Zahnmedizinern. Neben der Methodenlehre handelt es sich bei der biologischen Psychologie um eines der schwersten Fächer des Grundstudiums. Biologisches Vorwissen ist hier immer hilfreich, ist jedoch nicht Voraussetzung um dieses Fach mit Erfolg zu bestehen.

Methodenlehre:

Das wohl umfangreichste Fach im Grundstudium ist die Methodenlehre. Je nach Universität kann dieses Fach in den ersten beiden Semestern fast die Hälfte der Studienzeit in Anspruch nehmen. Das Fach setzt sich zusammen aus Vorlesungen zum Gebiet der deskriptiven und schließenden Statistik, aus Vorlesungen oder Seminaren zum Gebiet der Versuchsplanung und aus Vorlesungen zur Einführung in die elektronische Datenverarbeitung. In all diesen Bereichen werden die gelehrten Inhalte durch Klausuren überprüft. Zusätzlich zu Vorlesungen und Seminaren werden an vielen Universitäten Tutorien von Studenten aus höheren Semestern angeboten. Diese helfen den Stoff zu verstehen und sich auf die Klausuren vorzubereiten. Die Methodenlehre ist das Fach an dem die meisten Studienabbrecher gescheitert sind. Die Intensität mit welcher dieses gelehrt wird ist an jeder Universität verschieden. Dennoch sollte man sich nicht von diesem Fach abschrecken lassen. Mathematisches Vorwissen ist auch hier keine Voraussetzung. Wichtiger ist hier mathematisches Grundverständnis. Mit ein wenig Fleiß ist dieses Fach aber in jedem Fall mit Erfolg zu meistern.

Das Grundstudium wird mit den Vordiplomsprüfungen abgeschlossen. Diese Prüfungen sind je nach Universität entweder mündlich, schriftlich oder je nach Fach verschieden abzulegen. An einigen Universitäten müssen diese Prüfungen im Block nach dem vierten Semester abgelegt werden. Die sieben Prüfungen werden dann innerhalb der Semesterferien nach dem vierten Semester abgelegt. An anderen Universitäten ist es möglich diese Prüfungen zu staffeln. So können einzelne Prüfungen bereits nach dem zweiten oder dritten Semester abgelegt werden. Vordiplomsprüfungen kann man in der Regel bei Nichtbestehen nach einem Semester wiederholen. Oft ist es trotz nicht bestandener Prüfungen möglich, bereits eingeschränkt ins Hauptstudium einzutreten. Die Vordiplomsprüfungen sind aber Voraussetzung, um bestimmte Seminare des Hauptstudiums besuchen zu können.

An allen Universitäten muss man im Grundstudium eine bestimmte Anzahl Versuchspersonen-Stunden ableisten (meist 20-30). In diesen Stunden muss man anderen Studenten für Versuche zur Verfügung stehen. In höheren Semestern ist man dann selbst im Experimentalpraktikum auf Studenten angewiesen, die solche Stunden ableisten müssen. Das Experimentalpraktikum ist eine Vorbereitung auf die spätere Diplomarbeit. Ziel ist es das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten zu lernen.
An einigen Universitäten ist im Grundstudium auch noch ein Interviewpraktikum zu absolvieren. Manche Unis verlangen neben dem Hauptfach Psychologie noch die Belegung eines Nebenfachs, wie z.B. einer Sprache (praktischerweise Englisch).

Insgesamt ist das Grundstudium wohl die anstrengendste Zeit des gesamten Studiums. Zum einen ist die Atmosphäre einer Universität nach dem Abitur und der Schule etwas völlig ungewohntes, zum anderen sind die Anforderungen durch Physiologie und Methodenlehre im Grundstudium besonders hoch. Auch ist die Menge des neuen Stoffes, mit der man im Grundstudium konfrontiert wird, besonders groß. Viele Studienanfänger vermissen im Grundstudium den Praxisbezug. Dieser Praxisbezug ist dann Gegenstand des Hauptstudiums.

Was genau ist eigentlich Psychologie?

Die kürzeste denkbare und gleichzeitig noch sinnvolle Definition wird vermutlich Sie erforscht das Erleben und Verhalten des Menschen und versucht es anschließend zu beschreiben, erklären und vorherzusagen sein und dabei wollen wir es erst einmal belassen. In der Psychologie fragt man sich also primär, welche Faktoren unser Erleben und Verhalten beeinflussen.

Dabei können innerhalb der einzelnen psychologischen Fachgebiete diese Faktoren unterschiedlich betrachtet werden, z.B. ob diese Faktoren innerhalb der Person liegen oder in der Umwelt. Das wollen wir an drei Beispielen verdeutlichen:

  • So fragt sich die Pädagogische Psychologie beispielsweise, welche Faktoren unser Lernerleben und -verhalten in pädagogischen Situationen (z.B. in der Schule) beeinflussen. Zum Beispiel versucht man die Frage zu beantworten, ob bestimmte SchülerInnen (Grundschule vs. weiterführende Schule) von unterschiedlichen Lernformen (Frontalunterricht vs. interaktiv gestalteter Unterricht) mehr profitieren.
  • Oder die Evolutionspsychologie, wo man unter anderem dem phylogenetischen Ursprung des menschlichen Verhaltens auf der Spur ist, sprich: Wieso hat sich ein bestimmtes Verhalten (so z.B. die Monogamie in den meisten menschlichen Kulturen) gegenüber anderen Alternativen (Polygynie oder Polyandrie) im Laufe der Entwicklung des homo sapiens sapiens durchgesetzt?
  • In der Persönlichkeitspsychologie hingegen fragt man sich unter anderem, welchen Einfluss bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf unser Verhalten haben, also beispielsweise: Gibt es ein Persönlichkeitsmerkmal wie z.B. Intelligenz, das Berufserfolg voraussagt und wenn ja, wie gut/genau?

Wie man sehen kann, gibt es sehr viele verschiedene Perspektiven und Herangehensweisen zur Erforschung des menschlichen Erlebens und Verhaltens. So wird „Verhalten“ je nach Fragestellung auch unterschiedlich spezifisch betrachtet: Möchte man ein sehr spezifisches Verhalten (bspw. Lernen von Fremdsprachen-Vokabeln) oder ein eher allgemeines Verhalten (bspw. Berufserfolg) erforschen.

Wichtig ist im Anschluss an die Erforschung des Erlebens und Verhaltens auch die Anwendung des Wissens. Darum kümmert sich die Angewandte Psychologie (angewandt werden kann wiederum jedes Fachgebiet, so z.B. die Angewandte Gerontopsychologie, die sich fragt, wie man Erkenntnisse der Geronto- oder auch Alterspsychologie nutzen kann, um das Leben älterer Menschen zu verbessern).

Das Hauptstudium (Inhalt sind noch zum Diplom)

Es ist geschafft, man hat alle Vordiplomsprüfungen in der Tasche und nun beginnt der nächste Teil des Studiums, das Hauptstudium. Wie der Name schon sagt, wird hier die Hauptarbeit geleistet, was sich zum großen Teil auch im Zeitaufwand für das Studium niederschlägt. Wurden im ersten Teil allgemeine Grundlagen vermittelt, um alle Studierenden auf ein einheitliches Wissensniveau zu heben, so beginnen jetzt die Praxisbezogene, inhaltliche Ausbildung und die Spezialisierung. Im Hauptstudium gibt es für die Studenten große Freiräume, was die Wahl von Kursen und Vertiefungen angeht. Hier gibt es allerdings gravierende Unterschiede zwischen den verschiedenen Universitäten. Diese Zusammenfassung kann daher nur unvollständig sein und auch nur einen groben Überblick vermitteln.

Bestimmte Dinge sind an jeder Universität gleich: Es gibt bestimmte obligatorische Grundlagenfächer, man muss zwei Schwerpunktfächer auswählen, eine “Forschungsorientierte Vertiefung” belegen und ein Wahlpflichtfach besuchen. Welche Fächer dabei zur Auswahl stehen ist sehr verschieden. Wichtig ist, dass die eigene Universität auch die Spezialisierungen anbietet, die einen interessieren. Weiß man schon vor dem Studium, in welchem Bereich der Psychologie man später tätig sein will, so sollte man sich schon vor der Wahl der Hochschule erkundigen, welche Schwerpunkte diese anbietet. Nach dem Vordiplom bietet sich aber auch eine gute Möglichkeit, an eine andere Universität zu wechseln, um sich interessanteren Studieninhalten zu widmen. Im Folgenden soll nun eine Übersicht über gewöhnlich zur Auswahl stehende Schwerpunkte gegeben werden.

Falls Ihr Studenten der Psychologie seid, würde ich mich freuen, wenn Ihr mir mitteilen könntet, welche Schwerpunkte eure Uni anbietet und welche davon wirklich zu empfehlen sind. Auf diese Weise könnten wir hier eine Datenbank aufbauen, aus der man sich seinen zukünftigen Studienort entsprechend den eigenen Interessen heraussuchen kann.

Die Grundlagenfächer:

Diese Fächer sind meines Wissens an jeder Universität gleich. Sie müssen von jedem Studenten belegt und durch verschiedene Leistungsnachweise abgeschlossen werden. An erster Stelle ist hier wieder die Methodenlehre zu nennen. Im Hauptstudium heißt diese allerdings “Forschungsmethodik und Evaluation”. Wie im Grundstudium nimmt diese auch im Hauptstudium wieder einen beträchtlichen Teil der Zeit in Anspruch. Der Stellenwert ist aber nicht mehr so hoch wie im Grundstudium. Hier gibt es aber wieder große Unterschiede in der Gewichtung dieses Faches in den verschiedenen Hochschulen.
Das zweite Pflichtfach ist die Diagnostik. Dieses ist eines der wichtigsten Fächer im ganzen Studium, weil es praktische Grundlagen vermittelt, die in jedem der anderen Anwendungsfächer benötigt werden. Inhalte sind hier die Testdiagnostik, das Schreiben von Gutachten, aber auch Interviewdiagnostik, Testentwicklung und Testtheorie. Zum Fach Diagnostik gehört außerdem eine Fallarbeit, in welcher man eine diagnostische Untersuchung an einem realen Fall durchführen muss. Anschließend ist ein Gutachten entsprechend einer Fragestellung zu formulieren. Diagnostik ist ein sehr interessantes aber auch aufwändiges Fach. Oft gehören dazu auch mehrere Klausuren sowie die üblichen Vorlesungen und Seminare.

Die Schwerpunktfächer:

Fast alle Universitäten bieten mindestens drei Schwerpunkte an: “Klinische Psychologie”, “Pädagogische Psychologie” und “Arbeits- und Organisationspsychologie”. Letzterer ist dabei unter den verschiedensten Abkürzungen anzutreffen, wie z.B. “AOM”, “ABO” oder “A&O”. Einige Unis bieten weitere Fächer an, wie z.B. Rechtspsychologie. Zwei dieser Fächer müssen als Spezialisierungskurse belegt werden. In diesen Fächern müssen Seminarreihen besucht und evtl. auch verschiedene praktische Übungen absolviert werden. Dies können im Bereich der klinischen Psychologie z.B. Therapieseminare oder Selbstanalysen sein, oder im Bereich A&O Personalmanagement-Seminare. Die anderen Fächer sind als normale Kurse zu belegen. Auf welchen Bereich innerhalb des jeweiligen Faches an einer Universität besonderes Augenmerk gelegt wird, ist sehr variabel. In der klinischen Psychologie muss man vor allem die diversen Therapieschulen trennen, welche an verschiedenen Hochschulen unterschiedlich präferiert werden. Im Bereich der A&O-Psychologie werden oft sogar innerhalb des Faches noch mal verschiedene Schwerpunkte zur Auswahl gestellt. In Kiel werden zum Beispiel die drei Bereiche: Personalmanagement, Marketing und Multimedia angeboten. Generell gilt immer: zuerst informieren, um keine falsche Entscheidung zu treffen. Man kann zwar die Schwerpunkte problemlos wechseln, aber jeder Wechsel bedeutet ein paar verschwendete Semester.

Die Forschungsorientierten Vertiefungen:

Die Zahl der angebotenen Vertiefungsrichtungenen schwankt an den Universitäten zwischen 4 und 15. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, die wissenschaftliche Arbeit in einem interessanten Forschungsgebiet kennen zu lernen. Beispiele solcher Vertiefungen sind: Rechtspsychologie, Neurophysiologie, Wahrnehmungspsychologie etc.. Oft wird zu mehreren Fächern des Grundstudiums eine Forschungsorientierte Vertiefung angeboten. Aus den zur Auswahl stehenden Vertiefungen muss eine gewählt und im Hauptstudium belegt werden. Natürlich gilt auch hier: erst informieren, dann wählen.

Das nichtpsychologische Wahlpflichtfach:

An jeder Uni muss im Hauptstudium eine Art “kleines Nebenfach” mit reduzierter Stundenzahl belegt werden. Oft geht es hier um eine Gesamtsemesterstundenzahl von 8-12. Auch hier gibt es – wie sollte es anders sein – große Unterschiede, welche Fächer im Angebot sind. An fast allen Unis wird das Fach Psychopathologie angeboten, das einen Einblick in die Psychiatrie als Nachbarwissenschaft gibt. Dieses bietet sich als Kombination zum Schwerpunktfach “Klinische Psychologie” an. Weitere Wahlpflichtfächer sind z.B. BWL, Informatik, Kriminologie, Philosophie oder Politikwissenschaft. Hier sucht man am besten nach einem Fach, das den gewählten Schwerpunkt gut ergänzt. Obwohl sich der Zeitaufwand für dieses Fach in Grenzen hält, muss man aber dennoch bedenken, dass auch hier eine Diplomprüfung abgelegt werden muss. Diesen Aspekt sollte man bei der Wahl des Fachs berücksichtigen.

Das Hauptstudium umfasst in der Regel zwischen 5 und 8 Semester. Einige wenige Studenten schaffen es auch in 4 Semestern, dies ist aber mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden und meiner Meinung nach nicht unbedingt empfehlenswert. Meist werden einem diverse Stolpersteine in den Weg gelegt, wenn man sein Studium so schnell wie möglich absolvieren will. Wenn aber keine Verpflichtungen außerhalb der Uni vorliegen und man sein Studium konsequent durchgezogen hat, so ist ein Abschluss nach dem 10. Fachsemester, also nach 6 Semestern Hauptstudium, problemlos zu schaffen. Im Gegensatz zum Grundstudium gibt es im Hauptstudium aber keine zeitliche Begrenzung. Man wird nicht exmatrikuliert, wenn man auch noch im 15. Semester studiert. Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass es Bafög nur bis zum 9. Hochschulsemester gibt und dass diverse Bundesländer erwägen, ab einem gewissen Semester Studiengebühren einzuführen. Ein schnelles Ende des Studiums ist also, wenn möglich, immer von Vorteil.

Hat man dann alle nötigen Scheine erworben, so kann man sich an die Hauptdiplomprüfungen machen. Auch hier ist die Handhabung sehr verschieden an den Universitäten. Zu den Diplomprüfungen zählen 7 mündliche oder schriftliche Prüfungen in den 7 Fächern des Hauptstudiums, sowie die Diplomarbeit. Wann diese Prüfungen abzulegen sind, hängt wie immer von der Uni ab. Während es an einigen Hochschulen erlaubt ist, die mündlichen oder schriftlichen Prüfungen zu staffeln und schon im Hauptstudium abzulegen, werden andernorts Blockprüfungen am Ende des Studiums verlangt, sozusagen als krönender Abschluss. Dementsprechende Regelungen gibt es auch für die Diplomarbeit. Einige Unis verlangen erst die Prüfungen, bevor die Diplomarbeit geschrieben wird, andere lassen zuerst die Diplomarbeit schreiben und machen anschließend Blockprüfungen. Hat man dies dann alles hinter sich gebracht, dann darf man sich ganz stolz Diplompsychologe nennen und sich in den Arbeitsmarkt stürzen.

Warum Psychologie studieren?

Die Motive Psychologie zu studieren sind so vielfältig wie die Studierenden. Befragt nach den Gründen für ihr Psychologiestudium antworten ca. 60% der Studierenden: „Um Menschen helfen zu können“. Verbunden mit diesem Motiv ist die weit verbreitete falsche Vorstellung, dass ein Psychologe mit Psychotherapeut gleichzusetzen ist. Tatsächlich arbeitet nur etwa die Hälfte der Universitätsabsolventen in diesem Bereich. Die Anderen verteilen sich auf die anderen Anwendungsgebiete. So gehen 15-30% der Studierenden in den Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie. Ca. 5-15% arbeiten im Bereich der Rechtspsychologie und ebenfalls 5-15% bleiben an der Universität und beschäftigen sich mit Forschung und Lehre.

Viele der Studienanfänger beginnen ein Psychologie-Studium, weil sie die Psychologie an sich interessant finden. Ein Großteil von ihnen hatte bereits Psychologie als Grundkurs in der Schule und erwartet nun im Studium eine Fortsetzung dieses Schulfaches. Ein nicht unbedeutender Anteil der Studienanfänger hat ziemlich persönliche Motive für das Studium. Ca. 10-20% der Studierenden erhoffen sich vom Studium Hilfe bei der Lösung eigener Probleme. Dazu muss ganz klar gesagt werden, dass dies das Studium nicht leisten wird – ja nicht leisten kann. Dies soll aber keinesfalls bedeuten, dass persönlich Betroffene später keine guten Psychologen werden. Im Gegenteil, gerade im klinischen Bereich können diese oft eine besonders gute Beziehung zu ihren Klienten aufbauen.

Grundsätzlich kann nur jedem geraten werden, das Studium nur zu beginnen, wenn man den ehrlichen Wunsch verspürt, später als Psychologe tätig zu sein. Das Studium als Selbstzweck – oder schlimmer noch zur Selbsttherapie – ist in der Psychologie nicht sinnvoll.

Voraussetzungen für das Studium

Hier wären an erster Stelle natürlich die Zugangsbeschränkungen zu nennen. Wie genau das Zulassungsverfahren abläuft, ist hiernachzulesen. Das Abi sollte schon mit einem recht guten Durchschnitt bestanden worden sein, um ein Studium der Psychologie ohne Umwege beginnen zu können. Einen Richtwert zu nennen ist hier schwierig. Wie gut das Abitur sein muss, um einen Studienplatz zu ergattern, hängt vor allem vom gewünschten Studienort ab. Allgemein gesprochen wird es aber mit einem Abitur schlechter als 2,0 eher schwer, noch einen Studienplatz zu erhalten. Doch auch ohne diesen Notendurchschnitt bestehen noch gewisse, wenn auch deutlich kleinere Chancen ein Studium der Psychologie anzutreten.

Zum einen ist hier die Verlosung nicht angenommener Studienplätze zu nennen. Jede Uni vergibt über eigene Vergabeverfahren ein Kontingent von Studienplätzen im Fach Psychologie. In der Regel werden einige dieser Plätze nicht angetreten, weil Kandidaten sich an mehreren Unis beworben haben und von mehreren Unis Zusagen erhalten haben. Die dadurch freiwerdenden Plätze werden von den Universitäten zuerst in diversen Nachrückverfahren wieder an die Abiturbesten vergeben und irgendwann verlost. Hier zählt dann nicht mehr der Abi-Schnitt, hier muss man einfach nur Glück haben. Sollte es also mit der Bewerbung nicht geklappt haben, so hilft es vielleicht, sich an möglichst vielen Unis für diese Losverfahren zu bewerben. Natürlich ist hier die Chance einen Platz zu bekommen nicht riesig, aber mit etwas Glück real vorhanden.

Eine weitere Möglichkeit, die aber zunehmend unsicherer wird, ist der Quereinstieg. Eine größere Anzahl von Studierenden bricht das Studium nach dem ersten oder zweiten Semester ab. Die dadurch freiwerdenden Plätze stehen Wechslern von anderen Unis oder eben Quereinsteigern zur Verfügung. Das bedeutet im Einzelnen, dass man einen beliebigen Studiengang der Sozialwissenschaften mit Psychologie als Nebenfach beginnt. In den ersten beiden Semestern belegt man soweit möglich alle Veranstaltungen für Hauptfachstudenten. Nach 2 Semestern stellt man dann den Antrag auf Quereinstieg. Auch hier gibt es natürlich keine Garantien für einen Studienplatz im Hauptfach Psychologie und die Berichte mehren sich, dass dieser Weg an einen Studienplatz zu gelangen immer mehr verbaut wird. Spätestens seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge ist jedoch der Quereinstieg nahezu unmöglich.

Wie hoch die Chancen sind mit einem schlechten Abitur noch einen Studienplatz zu bekommen ist schwer in Zahlen zu fassen. Auch schwanken die Chancen in den letzten Jahren beträchtlich. So hat in den letzten Jahren die Zahl der Studienplätze, die über das Losverfahren vergeben wurden, deutlich zugenommen. Die liegt vor allem daran, dass fast alle Unis inzwischen selber ihre Studienplätze vergeben und somit Mehrfachzulassungen deutlich häufiger vorkommen.

Neben diesen organisatorischen Voraussetzungen gibt es aber auch persönliche, welche man erfüllen sollte. Zunächst einmal sollte man sich im Klaren darüber sein, dass das Studium, vor allem in den ersten Semestern, zu einem großen Teil aus Mathematik besteht. Wer also eine abgrundtiefe Abneigung gegen Mathematik verspürt, sollte sich ein Studium der Psychologie gut überlegen.

Auch sollte bedacht werden, dass 80% aller Literatur zum Thema Psychologie in englischer Sprache verfasst ist. Man kann sein Studium nicht beenden, ohne englische Texte gelesen zu haben! Man muss kein Englisch-Genie sein, um Psychologie studieren zu können. Auch ein Leistungskurs Englisch ist nicht notwendig. Aber man sollte die Bereitschaft mitbringen, sich das benötigte Englisch im Studium anzueignen. An manchen Unis ist hierzu sogar Englisch ein Pflichtnebenfach zur Psychologie.

Weiterhin sollte man eine Bereitschaft zur Introspektion mitbringen, was bedeutet, dass man bereit sein muss, sich selbst zu erkennen und zu erforschen, und auch sich selbst anderen zu öffnen. Diese Fähigkeit wird spätestens in der Ausbildung in klinischer Psychologie, so man dies als Schwerpunkt wählt, zu einer wichtigen Basis.

Ich möchte gerne Psychologie studieren, aber mein Schnitt ist zu schlecht. Welche Möglichkeiten habe ich?

Das Psychologiestudium ist deutschlandweit an staatlichen Universitäten zulassungsbeschränkt. Die Studienplätze werden dabei vor allem nach Abiturnote vergeben. Aufgrund der Beliebtheit des Studiengangs und begrenzten Kapazitäten liegt der Numerus Clausus vielfach im guten bis sehr guten Einser-Bereich.

Wartezeit

Eine Möglichkeit, dennoch das Psychologie-Studium aufzunehmen, ist über die Wartezeitquote. Hier werden die Anzahl an Semester angerechnet, die seit dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung verstrichen sind. Wenn du in dieser Zeit studiert hast, findet keine Anrechnung statt. Anders sieht es aus, wenn du eine Berufsausbildung machst (bspw. im Bereich Krankenpflege). Die Hochschulen vergeben in der Regel 20 Prozent der Studienplätze nach der Wartezeitquote. Allerdings musst du oft mehrere Jahre warten, bis du einen Studienplatz erhält.

Mehr Informationen dazu findest du hier.

Studium an einer privaten Hochschule

Private Hochschulen setzen vielfach keinen Einser-Schnitt voraus. Allerdings werden in der Regel hohe Gebühren verlangt. Du solltest dich also frühzeitig auch damit auseinander setzen, wie solch ein Studium finanziert werden kann.

Eine Liste vom BDP anerkannter Studiengänge findest du hier.

Fernstudium

Eine weitere Möglichkeit ist ein Fernstudium in Psychologie. In Deutschland bietet die FernUniversität Hagen als einzige staatliche Fernuniversität sowohl ein Bachelor- als auch ein Masterstudium in Psychologie an. Allerdings beinhaltet dieses Studium nicht das Fach Klinische Psychologie. Eine Therapieausbildung ist mit dem Hagener Studium also nicht möglich. Daneben gibt es noch private Anbieter von Fernstudiengängen. Diese bieten meist kein Vollstudium, sondern eher spezifische Angebote wie Wirtschaftspsychologie.

Studium im Ausland – Niederlande

Wenn du nicht so lange warten möchtest oder kannst, besteht auch noch die Möglichkeit, im Ausland zu studieren. In den Niederlanden wurde mittlerweile ein Numerus Fixus für Psychologie eingeführt. Anders als der deutsche Numerus Clausus beutetet dies, dass wenn sich mehr Studierenden anmelden als Plätze vorhanden sind, ein Losverfahren entscheidet, wer einen Platz bekommt. Im Studienjahr 2013 haben sich 6.564 Personen auf 5.075 Studienplätze beworben und somit haben 77,31% einen Studienplatz erhalten. Allerdings solltest du dich frühzeitig informieren, auf welcher Sprache der Studiengang angeboten wird. Ein Studium auf Niederländisch erfordert ein gewisses Mindestmaß an Sprachkenntnissen, die durch eine Sprachprüfung nachgewiesen werden müssen.

Studium im Ausland – Österreich

Prinzipiell gibt es in Österreich keinen Numerus Clausus – allerdings entscheidet ein Test über Zulassung zum Fach Psychologie. An der Universität Graz nahmen im Jahr 2011 280 Personen am Psychologentest teil – und 230 wurden aufgenommen, davon 24% Deutsche. Die Universitäten geben vorher an, welche Literatur prüfungsrelevant ist, so dass sich die StudienbewerberInnen auf die Tests gut vorbereiten können.

Beispielitems zum Zulassungstest der Universität Graz finden sich hier.

Studium im Ausland – Schweiz

Um in der Schweiz Psychologie im Bachelor studieren zu können, müssen deutsche StudienbewerberInnen nachweisen, dass sie in Deutschland bereits einen Studienplatz in Psychologie zugewiesen bekommen haben. Der Studienplatznachweis kann durch die Durchschnittsnote im Abiturzeugnis von 1,5 (oder besser) kompensiert werden. Nur wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, ist auch eine Aufnahme eines Psychologiestudiums an schweizerischen Universitäten möglich. Allerdings lassen sich aufgrund des jüngsten Referendum aktuell nur schwer Aussagen treffen, wie sich die Möglichkeiten in Bezug auf ein Studium in der Schweiz für Deutsche in nächster Zeit entwickeln werden.

Wie lange dauert ein Studium?

Nach den Ländergemeinsamen Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz werden für den Masterabschluss im Allgemeinen 300 ECTS-Punkte benötigt. So dauert ein komplettes Studium, welches in Regelstudienzeit studiert wird, fünf Jahre. In einem Studienjahr werden demnach 60 ECTS-Punkte erbracht. In Deutschland hat es sich etabliert, dass ein dreijähriger Bachelor  (180 ECTS) mit einem zweijährigen Master (120 ECTS) kombiniert wird. An manchen Hochschulen wie der Universität Marburg dauert der Bachelor vier Jahre (210 ECTS) und der Master dann ein Jahr (90 ECTS).

Die Regelstudienzeit wird von vielen Studierenden nicht eingehalten, die Gründe dafür sind sehr verschieden. Problematisch ist dies vor allem für die, die ihr Studium über BAföG finanzieren (möchten), da dieses nur für die Dauer der Regelstudienzeit ausbezahlt wird.

Wie ist das Psychologie Studium gegliedert?

An vielen Universitäten und Fachhochschulen wird das Bachelor/Master-System angeboten. Einige wenige Universitäten haben noch das gängige Diplomstudium. Die Regelstudienzeit des Bachelor-Studiums beträgt 6 Semester, also 3 Jahre (ähnlich dem Vordpiplom bei Diplomstudiengängen). Daran schließt sich das Master-Studium an, welches  eine Regelstudienzeit von 4 Semestern, also weiteren 2 Jahren hat. Diese „Teilung“ macht es jedoch erforderlich, dass sich alle Bachelor-Studierenden für ein weiterführendes Studium neu bewerben. Dabei hat jede Universität/Fachhochschule andere Zugangsvoraussetzung (hier findet ihr unsere Übersicht von Masterstudiengängen). Es ist möglich, die Universität/ Fachhochschule für das Master-Studium zu wechseln. Im Unterschied zum Diplomstudiengang werden im Bachelor/Master in jedem Semester Prüfungen abgelegt, die dann unterschiedlich gewichtet in die Gesamtnote einfließen. Zudem ist es erforderlich, dass sowohl für den Bachelor- als auch für den Master-Abschluss eine wissenschaftliche Arbeit verfasst wird.

Was sind die Inhalte des Psychologiestudiums?

Der Aufbau des Psychologie-Studiums variiert je nach Studiengang und Universität. Dennoch gibt es gewisse Grundsätzlichkeiten, die ein Psychologiestudium erfüllen muss, damit es auch als Solches bezeichnet werden kann.

Im Bachelorstudium gibt es verschiedene Pflichtfächer wie Einführung, Statistik, empirisch-wissenschaftliches Arbeiten (inklusive dem empirisch-experimentellen Praktikum) und Diagnostik. Darüber hinaus werden bis zu 48 ECTS in den Grundlagenfächern Allgemeine Psychologie, Biopsychologie, Entwicklungspsychologie, Differentielle und Persönlichkeitspsychologie sowie Sozialpsychologie vermittelt. Dazu kommen dann nochmal bis zu 48 ECTS in den Anwendungsfächern, die an den verschiedenen Universitäten unterschiedlich vertreten sind. Darüber hinaus müssen Berufspraktika abgeleistet und die Bachelor-Arbeit verfasst werden. Genauso ist die Teilnahme an psychologischen Studien und damit der Erwerb von Versuchspersonenstunden verpflichtend.

Formal besteht das Studium aus Vorlesungen, Übungen oder Seminaren. Auch die Prüfungsformen variieren. Mal musst du Klausuren schreiben, mal Hausarbeiten verfassen, Referate halten oder eine Übung durchfühen.

Was lerne ich im Psychologie-Studium?

Entgegen der ersten Vermutung lernt man im Psychologie-Studium nicht primär, wie man anderen Personen helfen oder sie therapieren kann (obwohl das natürlich dennoch immer wieder thematisiert wird).

Stattdessen lernt man die Grundlagen der Psychologie, sprich: Die Grundlagen des menschlichen Erlebens und Verhaltens. Das wird im Laufe des Studiums aus unterschiedlichen psychologischen Perspektiven behandelt, so fragt sich beispielsweise die Emotionspsychologie, wie Emotionen entstehen und was für einen Einfluss Emotionen auf das Erleben und Verhalten haben, die Sozialpsychologie fragt sich unter anderem, wie sich Personen in Gruppen verhalten und weshalb das oft vom individuellen Verhalten abweicht

Außerdem lernt man während des Psychologie-Studiums unterschiedliche Anwendungsfächer kennen, sprich: Wie lässt sich das Grundlagenwissen wo anwenden? So fragt sich beispielsweise die Klinische Psychologie, ob therapeutische Prozesse durch Gruppenprozesse positiv beeinflusst werden und die Arbeitspsychologie beschäftigt sich damit, welche Faktoren das Arbeitsverhalten beeinflussen und welche Faktoren Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit haben.

Wie du siehst, ist die Psychologie ein unheimlich vielseitiges Fach, weshalb wir dir im Folgenden die üblichen Fächer der Psychologie in ein paar Sätzen vorstellen und das Ganze mit einigen zum Fach gehörenden Forschungsfragen abrunden möchten. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Fächer inhaltlich weitaus umfangreicher sind und je nach Universität und Professor auch unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Dabei tritt es auch auf, dass einige Fächer kombiniert werden und andere wiederum noch weiter ausdifferenziert werden.

Mehr zu den einzelnen Disziplinen findest du hier.

Ich habe gehört, dass viel Statistik im Studium behandelt wird, stimmt das?

Zuerst die schlechte und dann die gute Nachricht: Ja, im Psychologie-Studium wird Statistik behandelt und ja, manch eine/r wird sicherlich der Meinung sein, dass es viel ist, aber: das variiert von Universität zu Universität und ist ehrlich gesagt weniger schlimm, als man vermutet. Mit guter Vorbereitung kann das jede/r schaffen.

Wo kann ich mich informieren, welche Bachelor-Studiengänge es eigentlich gibt im Bereich Psychologie?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, sich über das Psychologiestudium zu informieren. Am Besten schaut ihr euch verschiedene Seiten an, da die Informationen nicht immer vollständig bzw. aktuell sein müssen.

Die PsyFako, die Psychologie-Fachschaften-Konferenz, stellt beispielsweise eine Übersichtskarte der Universitäten mit einem Bachelor-Studiengang Psychologie zur Verfügung. Auch der Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat eine Übersicht herausgegeben, welche Studiengänge im Hinblick auf eine mögliche Mitgliedschaft im BDP anerkannt sind. Allgemeine Informationen zu allen Studiengängen in Deutschland finden sich bei Hochschulkompass. Über die Suchfunktion könnt ihr euch über die Studiengänge, Zulassungsbeschränkungen usw. informieren.

Auch auf der Homepage von PsyStudents – Vernetzung im Studium und danach entsteht eine Übersichtskarte zu allen Bachelorstudiengängen in Psychologie.

Wie darf ich mich nennen, wenn ich meinen Bachelorabschluss gemacht habe?

Der Bachelor in Psychologie stellt einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss in Psychologie dar. Allerdings darf der Titel Psychologin bzw. Psychologe nach dem Bachelor noch nicht geführt werden. Dies geht erst nach einem erfolgreichen Master- oder Diplomabschluss. Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 2010 soll nach Abschluss eines Bachelorstudiums in naturwissenschaftlichen Fächern die Abschlussbezeichnung “Bachelor of Science” (B. Sc.) verwendet werden. Fachliche Zusätze (z. B. Bachelor of Science in Psychologie) zu den Abschlussbezeichnungen sind ausgeschlossen.

Mehr  zum Thema Titelanerkennung und Berufsausübung in Deutschland findet ihr hier.

Darf ich mich nach Abschluss des Studiums Psychologische/r PsychotherapeutIn nennen?

Nein, das darf man nicht. Häufig werden im Alltag Psychologie und (Psycho-)Therapie gleichgesetzt, dies ist jedoch inkorrekt.

Therapie ist nur ein mögliches Berufsfeld von vielen für spätere PsychologInnen. Um sich Psychologische/r PsychotherapeutIn nennen zu dürfen, muss nach dem abgeschlossenen Master- oder Diplomstudium eine mehrjährige Ausbildung absolviert werden.

Was bedeutet es, wenn ich einen “of Arts”- oder “of Science”-Abschluss habe?

Seit der Umstellung der Studiengänge im Zuge der Bologna-Reform werden verschiedene Abschlussbezeichnungen eingeführt. Zu den häufigsten Abschlüssen zählen die “of Science“- und “of Arts“-Abschlüsse. Andere, die für die Psychologie aber irrelevant sind, wären beispielsweise “of Engineering” und “of Fine Art“.

Die Abschlussbezeichnungen “of Science” ist üblich in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, während “of Arts” bei sozial- oder geisteswissenschaftlichen Studiengängen verliehen wird. An den meisten Universitäten im deutschsprachigen Raum wird in Psychologie im Hauptfach der Abschluss of Science vergeben. Ein “of Arts”-Abschluss wird beispielsweise an der International Psychoanalytic University (IPU) vergeben, die insbesondere im Master eine psychoanalytische Ausrichtung haben. Dies hat aber keine Nachteile, sondern ist eine formale Schwerpunktsetzung. An der Uni Klagenfurt können Studierende sogar zwischen einem “of Arts”- und einem “of Science”-Abschluss wählen, je nachdem, ob der Schwerpunkt der Masterarbeit im sozial-, kultur- oder naturwissenschaftlichen Bereich liegt.

Welche beruflichen Perspektiven habe ich nach dem Studium?

Da die Psychologie so vielseitig ist, ergeben sich nach einem Studium vielseitige berufliche Perspektiven. Im Folgenden wollen wir einige typische Berufsfelder vorstellen.

Klinische Psychologie & Gesundheitsbereich:

  • Beratungsstellen (z.B. Suchtberatung, Familienberatung)
  • Prävention und Rehabilitation
  • PsychologIn in psychiatrischen oder somatischen Kliniken
  • Psychotherapie in Praxen (psychologische/r PsychotherapeutIn)

Arbeits-und Organisationspsychologie:

  • Organisationsberatung und -entwicklung
  • Psychologische Diagnostik im Rahmen der Personalauswahl
  • Persönlichkeits- und gesundheitsförderliche Arbeitsplatz- und Organisationsgestaltung
  • Coaching und Weiterbildung für Führungskräfte

Schulpsychologie:

  • Beratung zur Schullaufbahn (z.B. Einschulung, sonderpädagogischer Förderbedarf)
  • Diagnostik und Beartung bei Lern- und Verhaltensauffälligkeiten (z.B. allgemeine Lernschwierigkeiten, Feststellung besonderer Begabungen)

Universitäre Laufbahn:

  • von dem/der wissenschaftlichen MitarbeiterIn (Forschung) und DozentenIn (Lehre)  bis hin zur Promotion (Doktor) und Habilitation (ProfessorIn)

Weitere Berufswege:

  • Strafvollzug (z.B. Diagnostik bei Flucht- und Gewaltrisikoeinschätzung)
  • verkehrspsychologische Einrichtungen (medizinisch-psychologische Untersuchung)
  • Marktforschung
  • Werbepsychologie

Für einige der oben erwähnten Berufswege benötigt man nach dem Studium weitere Zusatzausbildungen. Möchte man beispielsweise den Beruf eines/einer Psychologischen PsychotherapeutIn ausüben, muss man vorher noch eine 3- bis 5-jährige Ausbildung absolvieren. Zudem gibt es eine große Vielfalt an Weiterbildungsangeboten, mit Hilfe derer man seinen beruflichen Horizont erweitern kann. Hierzu gehören unter vielen anderen Fortbildungen zum Beispiel Entspannungsverfahren und Stressbewältigungskurse, Coaching, betriebliches Gesundheitsmanagement, Notfallpsychologie,..

3. Nach dem Studium (1)

Was kann ich mit meinem Bachelor-Abschluss machen?

Mit dem Bachelor erwerben Studierende einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss. Gleichzeitig qualifiziert der Bachelor für ein anschließendes Masterstudium. Durch dasMasterstudium kann entweder das Studienfach fortgeführt und vertieft werden („konsekutiv“) oder mit dem Wechsel in einen Masterstudiengang, der nicht auf das bisherige Studium aufbaut, eine Umorientierung erfolgen („nicht-konsekutiv“).

Ihr könnt euch also entscheiden, ob ihr nach dem Bachelor (erst einmal) arbeiten gehen möchtet oder euch mit einem Master weiterqualifiziert. Die TU Chemnitz hat 2011 einen Evaluationsbericht “Welche Berufschancen haben Psychologen mit Bachelor-Abschluss auf dem deutschen Arbeitsmarkt?“ herausgegeben, wo ihr euch umfassend informieren könnt. 2010 hat der BDP eine Stellungnahme zu den Berufsaussichten von Bachelors der Psychologie veröffentlicht.

4. Therapieausbildung (PiA) (5)

Wie teuer wird die Psychotherapieausbildung?

[Anmerkung: Die nachfolgenden Informationen beziehen sich auf die zur Approbation zugelassenen Ausbildungsgänge in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten andere Bestimmungen, ebenso für Ausbildungen in anderen Therapieformen wie z. B. systemischer Therapie oder Gesprächstherapie, die nicht mit dem Staatsexamen abgeschlossen werden können.]

Darauf gibt es leider keine einfache Antwort, denn die Kosten variieren je nach Therapierichtung (VT, TP oder AP) und je nach Ausbildungsinstitut enorm. Deswegen solltet ihr in jedem Fall um eine transparente Kostenaufstellung bitten, bevor ihr irgendwas unterschreibt. Ihr müsst in jedem Fall aber damit rechnen, im fünfstelligen Bereich zu landen. Glücklicherweise ermöglichen die meisten Institute wenigstens eine Nullfinanzierung – das heißt, wenn alles läuft wie geplant, dann schafft ihr es, durch eure Einnahmen während der Ausbildung die Ausgaben zumindest auszugleichen. Man braucht also kein Vermögen auf der Bank, um die Ausbildungszeit zu überstehen – allerdings solltet ihr euch darauf einstellen, dass die erste Hälfte teuer wird und ihr euch erst in der zweiten Hälfte aus den Schulden herauskämpfen könnt.

Das liegt daran, dass in der ersten Hälfte der Therapieausbildung die Theoriestunden und die Klinikzeit im Vordergrund stehen (siehe hierzu auch die Beschreibung der Ausbildung unter “… und danach“).
Die meisten Ausbildungsinstitute erheben monatliche Beiträge für die Seminarstunden und es gibt unterschiedliche Regelungen über deren Höhe. Zum Beispiel zahlt man bei einigen Instituten erst einen geringeren Betrag und später einen höheren. Oder es ist möglich, Einmalzahlungen für den gesamten Ausbildungszeitraum zu leisten, die dann natürlich entsprechend hoch sind – dafür bekommt man so etwas wie einen Sofortzahler-Rabatt. Manche Institute berechnen auch sehr wenig für die Theoriestunden, zahlen bei den ambulanten Stunden im zweiten Teil aber auch entsprechend weniger aus (dazu weiter unten mehr).

Finanziell besonders prekär sind für die meisten AusbildungskandidatInnen die 1.200 Stunden praktische Tätigkeit in einer klinisch-psychiatrischen Einrichtung (§8 des Psychotherapeutengesetzes, auch “pT1” oder “Klinikzeit” genannt), denn eine angemessene Bezahlung durch die Kliniken ist leider keine Selbstverständlichkeit. Siehe hierzu auch die PiA-Proteste – da es sich um Pflichtpraktika handelt, sind die Kliniken nicht einmal zur Zahlung des Mindestlohns verpflichtet. Allerdings gab es in letzter Zeit eine Reihe ermutigender Gerichtsurteile zu KollegInnen, die ihren Lohn im Nachhinein erfolgreich eingeklagt haben.

Nach diesem ersten Klinikjahr wird es schon einfacher: Die 600 Stunden der pT2 können statt in einer psychosomatischen oder psychotherapeutischen Klinik nämlich auch in einer ärztlichen oder psychologischen Psychotherapiepraxis abgeleistet werden; diese müssen allerdings vom Landesprüfungsamt als Lehrpraxis zugelassen sein. Auch ist es nach Abschluss der pT1 bereits erlaubt, ambulante Therapien wie in Abschnitt pA (siehe unten) durchzuführen – das heißt, für viele AusbildungskandidatInnen bedeutet das das Ende der finanziellen Durststrecke.

Noch besser wird es, darf man endlich mit der praktischen Ausbildung (kurz “pA“) beginnen. Es existieren keine gesetzlichen Regelungen darüber, wie viel das Institut von eurer Entlohnung durch die kassenärztliche Vereinigung einbehalten darf – dementsprechend können einige KollegInnen wunderbar von ihrer ambulanten Arbeit leben und gleichzeitig ihre Schulden aus der ersten Ausbildungshälfte abbezahlen, für andere Kollegen ändert sich finanziell nicht so viel. Auch gibt es unterschiedliche Regelungen darüber, wie viele ambulante Stunden maximal abgeleistet werden dürfen, ob die probatorischen Sitzungen entlohnt werden, ob die Pauschalen für Antragstellung etc. an die Ausbildungskandidaten weitergereicht werden usw. Zu einer transparenten Kostenaufstellung gehören auf jeden Fall auch diese Informationen!

Die pA bringt aber nicht nur mehr Geld ein, sie bringt auch mehr Kosten mit sich. Es muss nämlich im Schnitt jede vierte Behandlungsstunde supervidiert werden und Supervision kostet eine Menge Geld. Besonders die Einzelsupervision wird in der Regel fast wie eine Therapiestunde entlohnt, das heißt, der Preis liegt bei ca. 80€ pro Einheit von 45 Minuten. Gruppensupervision ist billiger, aber natürlich kommt man dann nicht immer an die Reihe. (Man darf sich die Stunden aber voll anrechnen lassen, auch, wenn man nicht selbst PatientInnen vorgestellt hat.) Ungefähr ein Drittel der Supervisionsstunden muss in Einzelsupervision stattfinden. Auch hier haben die Institute unterschiedliche Regelungen darüber, ob die Supervision von den monatlichen Beiträgen oder extra gezahlt werden muss. Neben der Supervision muss auch Selbsterfahrung (in der Psychoanalyse auch “Lehranalyse” genannt) gesammelt werden. Hier sind die Preise ähnlich wie bei der Supervision. §5 der Prüfungsordnung sieht hierbei aber nur die Gesamtstundenanzahl von 120 Stunden vor, nicht, wie viele davon in Einzel- oder Gruppensitzungen gesammelt wurden. An psychoanalytischen Ausbildungsinstituten liegt die Mindeststundenzahl in der Regel weitaus höher, während verhaltenstherapeutische Institute dem oft nicht so viel Bedeutung zumessen.

Leider fallen PiAs fast durch alle finanziellen Hilfssysteme. Dennoch sollten folgende Finanzierungsmöglichkeiten auf jeden Fall in Betracht gezogen werden:

  • Förderung nach BAföG: reguläre Förderung oder Master-BAföG
  • Ausbildungskredite
  • Gründungszuschuss (Beantragbar, wenn die pA als hauptberufliche sebstständige Tätigkeit durchgeführt wird. Achtung: Eine Einstufung als Fachschüler bei der Krankenkasse ist während Bezugs des Gründungsausschusses nicht möglich!)

Welche Therapieausbildungen gibt es?

 

1. rechtliche Formen

In Deutschland gibt es grundsätzlich erst einmal zwei Psychotherapeutentitel:

  • Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn (KJP). Er/Sie behandelt psychische Störungen von Kindern und Jugendlichen, im Allgemeinen auch der Heranwachsenden, aber nicht der Erwachsenen. Voraussetzung für die Ausbildung zum/r Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn nach Psychotherapeutengesetz (PsychThG) ist ein mit Diplom oder Master abgeschlossenes Studium in den Studiengängen Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik, in manchen Bundesländern auch Musiktherapie, Sozialarbeit, Heilpädagogik oder Lehramt. [1]
  • Psychologische/r PsychotherapeutIn (PP). Er/Sie ist in Deutschland ein/e PsychologIn, der/die nach dem mit Diplom oder Master abgeschlossenem Psychologiestudium eine Ausbildung zum/r Psychologischen PsychotherapeutIn nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) abgeschlossen hat. Ein PPler kann zusätzlich eine Kinder-Jugendlichen-Fachkunde erwerben und darf damit dann alle Patientengruppen behandeln. Andersrum ist dies bislang rechtlich nicht möglich. [1]

In der Ausbildung werden KJPler und PPler auch gern als “PiAs” (Psychotherapeuten in Ausbildung) bezeichnet, dies ist nach aktueller Rechtssprechung jedoch nicht zulässig, da der Titel des/r PsychotherapeutIn auch mit dem Zusatz “in Ausbildung” erst nach der Approbation geführt werden darf. Daneben gibt es noch ärztliche PsychotherapeutInnen, die auf ihr Medizinstudium eine Facharztausbildung aufgesattelt haben. Im Gegensatz zu den PPlern und den KJPlern dürfen diese auch Psychopharmaka verschreiben und ärztliche Atteste ausstellen. Die Approbation nach PsychThG ist in Deutschland Voraussetzung, um sich mit einer eigenen Praxis niederlassen und selbstständig Psychotherapie durchführen zu können. Natürlich arbeiten auch viele PsychotherapeutInnen, aber auch nicht approbierte PsychologInnen, PädagogInnen und SozialpädagogInnen in Kliniken, dort werden sie oft auch ohne entsprechende Ausbildung mit psychotherapeutischen Aufgaben betraut.

In Österreich und der Schweiz gibt es ebenfalls (psychologische) PsychotherapeutInnen, die sich auch auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben. Diese tragen jedoch nicht die deutsche Berufsbezeichnung. Außerdem gibt es in Österreich – anders als in den meisten anderen europäischen Ländern – neben dem Abschluss eines Hochschulstudiums (wie z. B. Psychologie, Medizin, Pädagogik) weitere Zugangsmöglichkeiten zur Psychotherapieausbildung in Form von Grundberufen (z. B. SozialarbeiterIn, LehrerIn an höheren Schulen, diplomierte KrankenpflegerIn). Aufgrund des breiten Zugangs erfolgt eine fachliche Grundausbildung im Rahmen des Psychotherapeutischen Propädeutikums vor der eigentlichen fachspezifischen Psychotherapieausbildung. [1]

 

2. inhaltliche Ausrichtungen

In Deutschland werden drei Psychotherapieverfahren von den Krankenkassen anerkannt, das heißt, als InhaberIn einer kassenärztlich zugelassenen Praxis darf man diese direkt mit den Kassen abrechnen: kognitive Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse. Natürlich sind in Kliniken und in Privatpraxen auch andere Therapieverfahren üblich, diese müssen dann jedoch aus anderen Töpfen (oder ggf. vom Patienten selbst) finanziert werden.

Es gibt (nicht nur) in den letzten Jahren auf allen Seiten Bemühungen, vom Schulendenken mit den einhergehenden Grabenkämpfen zwischen den Verfahren weg zu kommen und den gemeinsamen Nenner aller Therapieschulen zu finden. Seit Jahren praktizierende PsychotherapeutInnen bezeichnen sich oft als eklektisch denkend, denn so unterschiedlich, wie sie auf den ersten Blick wirken mögen, sind die Schulen oft eigentlich gar nicht. Dennoch soll hier eine kurze, klischeehaft übertriebene Beschreibung der drei von den Kassen anerkannten Verfahren gegeben werden, so dass die wichtigsten Unterschiede deutlich werden.

kognitive Verhaltenstherapie (KVT oder VT)

Die VT basiert auf der Lerntheorie und neurobiologischer Forschung. Sie geht davon aus, dass (fast) alle psychischen Störungen auf dysfunktionalem Verhalten beruhen und eine Heilung über Änderung dieser Verhaltensmuster möglich ist. Dabei wird Verhalten auf vier Ebenen betrachtet: körperlich-physiologische, emotionale, kognitive und motorische Reaktionen. Die VT ist primär lösungsorientiert, das heißt, die Ursachen eines Problems oder einer Störung werden nur dann betrachtet, wenn sich daraus auch ein Lösungsweg ableiten lässt. Zwar wird in Verhaltensananlysen ergründet, warum eine Person ihr Problemverhalten an den Tag legt, aber dabei geht es eher um situative Auslöser. Die Genese des Problemverhaltens wird dabei eher stiefmütterlich behandelt. Trotzdem können auch dysfunktionale Grundüberzeugungen Thema der Therapie werden, wenn sie dysfunktionales Verhalten nach sich ziehen. Für jede Störung gibt es Behandlungsmanuale mit Handlungsanweisungen für jede Sitzung, mit deren Hilfe idealerweise jederzeit ein andere/r TherapeutIn die Therapie ohne Unterbrechung fortführen kann. Die Beziehung zwischen TherapeutIn und PatientIn wird als zweitrangig betrachtet.

Eine ambulante VT umfasst minimal 25, maximal 80 Sitzungen. Sitzungen finden normalerweise einmal die Woche statt, es können für besondere Interventionen aber auch Blocksitzungen von mehreren Einheiten hintereinander stattfinden. TherapeutIn und PatientIn sitzen oft im rechten Winkel zueinander an einem Tisch und es wird viel mit Arbeitsblättern, Flip-Charts und auch Ton- und Bildaufzeichnungen gearbeitet. Oft besucht der/die TherapeutIn den/die PatientIn aber auch zuhause oder unternimmt mit ihm zusammen Ausflüge an für das Problem des Patienten bedeutsame Orte (z. B. Zug, Fernsehturm, Amphibium im Zoo). Manche VerhaltenstherapeutInnen verstehen sich selbst eher als Coaches der PatientInnen denn als “HeilerIn”. Dementsprechend spielt Psychoedukation und eine gemeinsame sachliche Analyse von Problemen und Lösungsansätzen eine große Rolle. Der/die VerhaltenstherapeutIn scheut sich auch nicht, konkrete Ratschläge und Lösungsvorschläge anzubieten. Besonders bei Feldübungen wie den berühmten Expositionsübungen kann er/sie ziemlich direktiv werden und dem/r PatientIn klare Anweisungen geben. Gleichzeitig wird dem/r PatientIn eine hohe Selbstverantwortung zugemessen: Er/Sie ist Herr seines/ihres eigenen Verhaltens und ob er/sie dieses ändern möchte oder nicht, ist seine/ihre Entscheidung.

analytische Psychotherapie (AP) oder Psychoanalyse (PA)

Die klassische PA nach Freud & Co sieht sich als ganzheitliches Therapieverfahren, das heißt, die gesamte Persönlichkeit des/r PatientIn steht im Fokus. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch sich im Laufe seines Lebens mit verschiedenen intrapsychischen Konflikten auseinander setzen muss, zum Beispiel Abhängigkeit vs. Individuation oder Unterwerfung vs. Kontrolle. Diese Grundkonflikte werden Lebensaltern zugeordnet, in denen diese am wahrscheinlichsten bedeutsam werden (psychosexuelle Entwicklung). Wenn es einem/ PatientIn nicht gelingt, eine Lösung für den Konflikt der entsprechenden Lebensphase zu lösen, kann sich daraus eine Charakterneurose entwickeln, er/sie entwickelt dann also z. B. eine orale oder naszisstische Persönlichkeitsstruktur. (Diese sind nicht zu verwechseln mit den Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10!) Heilung geschieht durch Einsicht in die eigenen unbewussten Dynamiken. Die meisten PsychoanalytikerInnen lehnen die störungsbildbezogene Diagnose nach ICD-10 ab und führen lieber eine ätiologiebasierte Diagnose nach OPD (Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik) durch.

Eine ambulante PA dauert minimal 160, maximal 300 Sitzungen, mit zwei bis fünf Sitzungen pro Woche. Klassischerweise findet sie im liegenden Setting statt – der/die PatientIn liegt auf einer Couch und der/die TherapeutIn sitzt auf einem Stuhl dahinter, außerhalb des Sichtfelds des/r PatientIn. Dadurch soll dem/r PatientIn die Möglichkeit gegeben werden, nach Belieben zu regredieren (= in frühere psychische Entwicklungsstufen zurückzufallen), da nach psychoanalytischer Lehre unbewusste Inhalte in solchen Zuständen am besten ins Bewusstsein dringen können. Der/die PsychoanalytikerIn hält sich abstinent, das heißt, er/sie offenbart so wenig von sich wie möglich, um dem/r PatientIn eine möglichst gute Projektionsfläche für dessen/deren unbewusste Vorstellungen zu sein. Das bedeutet auch, dass er/sie alle Äußerungen und Handlungen des/r PatientIn mit gleichschwebender Aufmerksamkeit aufnimmt, also ohne zu werten, und so emotionslos wie möglich reagiert, um nicht unterschwellig zu betrafen oder zu belohnen. Nur hin und wieder gibt er/sie in Deutungen zum Besten, was er in dem Gebahren des/r PatientIn zu erkennen glaubt.

tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

Die TP ist wie die Psychoanalyse ein psychodynamisch orientiertes Therapieverfahren, ihr Ziel ist jedoch nicht die umfassende Persönlichkeitsheilung eines/r PatientIn. Vielmehr geht es hier um die Lösung ganz bestimmter Grundkonflikte. Eine psychische Störung wird als Resultat der Reaktualisierung eines eigentlich befriedigend gelösten Konflikts durch ein Ereignis der letzten zwei Jahre gesehen – z. B. könnte eine Mutter durch den Auszug ihrer Tochter in ihrem Gleichgewicht zwischen Versorgung und Autarkie empfindlich gestört werden, so dass alte Wunden wieder aufbrechen. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Beziehungsmuster, die zu dem aktuellen Konflikt beitrugen, ganz automatisch auch im Verhältnis zwischen PatientIn und TherapeutIn widerspiegeln (Übertragung). Gegebenenfalls reagiert der/die TherapeutIn auch mit Gegenübertragungen. Heilung erfolgt durch die Einsicht in diese Übertragungsprozesse und letztendlich ihre Auflösung. Auch Tiefenpsychologen diagnostizieren lieber nach OPD denn nach ICD-10.

Eine ambulante TP dauert minimal 25, maximal 100 Sitzungen, mit normalerweise einer Sitzung pro Woche. TherapeutIn und PatientIn sitzen sich in der Regel gegenüber, so dass beide sowohl das verbale als auch das nonverbale Kommunikationsverhalten des Gegenübers gut wahrnehmen können. Da die TP annimmt, dass aktuelle Probleme nur über das Verständnis der Vergangenheit beilegbar sind, wird der Blick folgerichtig auf die Kindheit des/r PatientIn gerichtet und die ursprüngliche Konfliktlösung in Augenschein genommen. Dafür greift der/die Therapeutin die von ihm/ihr in der Sitzung wahrgenommenen Übertragungsvorgänge auf, indem er/sie sie dem/r PatientIn rückmeldet, also z. B. dass er/sie sich von dem/r PatientIn gerade übermäßig in Frage gestellt fühlt, und versucht mit ihm/ihr zusammen zu ergründen, was hinter diesem Beziehungsverhalten des/r PatientIn steckt. In gewissem Sinne findet also eine Art Nachbeelterung statt, der/die TherapeutIn gibt sich als Projektionsfläche für Erinnerungen an wichtige Bezugspersonen aus der Kindheit des/r PatientIn her.

andere Therapieverfahren

Natürlich gibt es neben diesen drei von den Kassen anerkannten Verfahren noch eine Vielzahl anderer Therapieschulen. Namentlich hervorzuheben sind die Gesprächstherapie und die systemische Therapie, die beide trotz fehlender Kassenzulassung in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich anerkannt wurden.

Die Gesprächstherapie nach Rogers beruht auf einem humanistischen Menschenbild, wonach jede/r PatientIn im Grunde gut ist und selbstbestimmt zu handeln vermag. Jedem/r PatientIn wird eine Aktualisierungstendenz unterstellt, also ein ständiges Streben nach Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit. Psychische Störungen werden als Resultat von Inkohärenzen im Selbstbild verstanden – z. B. wenn sich eine vom monogamen Beziehungskonzept vollständig überzeugte Person in zwei Partner auf einmal verliebt. In der Gesprächtstherapie geht es folglich um die Auflösung dieser Inkohärenzen und der Integration bisher ignorierter Persönlichkeitsanteile.

Die systemische Therapie möchte keiner einzelnen Person helfen, sondern immer einem ganzen System, z. B. einem Paar, einer Familie, einem Freundeskreis oder einem Arbeitsteam. Der/die PatientIn mit der psychischen Störung wird als Symptomträger eines kranken Systems betrachtet, eine Heilung kann nur über eine Neuausrichtung des gesamten Systems stattfinden. Dementsprechend verhält sich der/die TherapeutIn allen gegenüber neutral, er/sie ergreift keine Partei und bemüht sich um eine Lösung, mit der alle leben können. Typische Interventionen sind zirkuläres Fragen (“Was glauben Sie, denkt Ihre Mutter, wenn Ihr Vater sich so verhält?”) und paradoxe Interventionen (“Wann planen Sie denn, das nächste Mal einen Rückfall zu erleiden?”, “Ich verordne Ihnen hiermit, sich bis zur nächsten Sitzung jeden Abend zu streiten!”)

Was ist der Unterschied zwischen einem Psychologen, einem Psychotherapeuten und einem Psychiater?

Wenn ihr nach dem Studium im klinischen Bereich arbeiten wollt, solltet ihr euch frühzeitig daran gewöhnen, ständig mit Mitgliedern anderer Berufsgruppen verwechselt zu werden – umso mehr, wenn ihr noch einen Doktortitel erwerbt. Besonders häufig werden PsychologInnen mit PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen verwechselt. Darum hier die eigentlich einfache Differenzierung:

PsychologInnen haben ein Psychologie-Studium absolviert. Nach aktuellem deutschen Recht muss ein Diplom- oder Masterabschluss erworben worden sein, ein Bachelor-Abschluss berechtigt nicht zum Führen des Titels Psychologin bzw. Psychologe. Der Titel wiederum macht keine Aussage darüber, in welchem Bereich ein Psychologe tätig ist.

PsychotherapeutInnen haben eine postgraduale Ausbildung zur Psychotherapie absolviert und mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Es wird differenziert zwischen Psychologischen PsychotherapeutInnen (PsychologInnen mit Therapeutenausbildung), Ärztlichen PsychotherapeutInnen (MedizinerInnn mit Therapeutenausbildung) und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen (PsychologInnen, PädagogInnen und SozialpädagogInnen mit Therapeutenausbildung). Psychologische und Ärztliche PsychotherapeutInnen können zusätzlich zu der Fachkunde für Erwachsene auch eine Fachkunde für Kinder und Jugendliche erwerben, andersrum ist das jedoch nicht möglich.

PsychiaterInnen haben ein Medizin-Studium und anschließend eine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie absolviert. Im Gegensatz zu den zuvor Genannten dürfen sie durch ihre Zulassung als MedizinerIn auch körperliche Diagnosen stellen und Medikamente verschreiben. Die meisten PsychiaterInnen führen keine Psychotherapie im eigentlichen Sinne durch, sondern übernehmen die medizinische Abklärung und pharmakologische Behandlung in Zusammenarbeit mit Psychotherapeuten.

Wie lange dauert eine Psychotherapieausbildung?

(Die nachfolgenden Informationen beziehen sich auf die zur Approbation zugelassenen Ausbildungsgänge in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten andere Bestimmungen, ebenso für Ausbildungen in anderen Therapieformen wie z. B. systemischer Therapie oder Gesprächstherapie, die nicht mit dem deutschen Staatsexamen abgeschlossen werden können.)

Eine Ausbildung zum/r Psychologischen PsychotherapeutIn oder Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn dauert laut §5 des Psychotherapeutengesetzes in Vollzeit mindestens drei Jahre, in Teilzeit mindestens fünf Jahre. Das bedeutet, dass der mündliche Teil der Approbationsprüfung frühestens 36 Monate nach Ausbildungsbeginn abgelegt werden darf, selbst wenn Theorie- und Praxisstunden schon vorher vollständig erbracht wurden.

Manche Ausbildungsinstitute bieten nur Vollzeit-, manche nur Teilzeitausbildungen an. Beides hat Vor- und Nachteile, zum Beispiel können Vollzeitauszubildende sich den günstigen Fachschüler-Tarif der Krankenkassen sichern, wenn sie unter einer bestimmten Einkommensgrenze bleiben. Da viele sich wegen der schlechten Bezahlung in der Klinikzeit eine Vollzeitausbildung aber nicht leisten können, ist das Teilzeitmodell in der Realität beliebter. Letztlich zählt, was in eurem Ausbildungsvertrag steht – es gibt auch genug Vollzeit-Ausbildungskandidaten, die nach Feierabend noch kellnern gehen, um sich über Wasser zu halten. Es ist auch Sache der Ausbildungsinstitute, wie sie mit Nachzüglern umgehen, die trotz Vollzeitausbildung nicht wie geplant alle Stunden in drei Jahren erbringen. Normalerweise ist es aber kein Problem, die Prüfung ein halbes oder ganzes Jahr später abzulegen.

Eine wichtige Regel ist jedoch zu beachten: Egal, wie lange die Ausbildung insgesamt dauert, sie darf laut Prüfungsordnung nur für vier Wochen am Stück unterbrochen werden, egal ob Urlaub, Schwangerschaft oder Krankheit der Grund sind! Längere Fehlzeiten müssen beim Landesprüfungsamt im Vorhinein beantragt werden und bekommen nur bei Vorliegen “besonderer Härte” grünes Licht. Jährlich werden einem insgesamt sechs Wochen ausbildungsfreie Zeit zugestanden. (Es soll aber schon KollegInnen gegeben haben, die mit einer Supervisions- oder Selbsterfahrungsstunde pro Woche auch längere Auszeiten erfolgreich überbrückt haben.)