Hardware-ExpertInnen: FACS

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Praktikum

FACS – Facial Action Coding System (nach Ekman, Friesen & Hager, 2002)

Cathrin Schiestl im Interview

facs

[highlight style=”platinum”]FACS ermöglicht eine sehr detaillierte Untersuchung von Gesichtsbewegungen auf Fotos oder Filmaufnahmen. Das Verfahren basiert auf anatomisch-muskulären Grundlagen und erfasst visuell unterscheidbare Muskelbewegungen im Gesicht, die objektiv und reliabel kodiert werden können. Den einzelnen Muskelbewegungen werden hierfür festgelegte Nummern zugeordnet, beispielsweise wird das Hochziehen der Mundwinkel mittels Musculus zygomaticus major, das als Lächeln wahrgenommen wird, mit AU 12 beschrieben. Jede Bewegung kann außerdem in ihrer Intensität erfasst werden. Das Kategoriensystem unterscheidet zwischen 41 einzelnen Bewegungen, die als “Action Units” (AUs) oder “Action Descriptors” (ADs) bezeichnet werden, außerdem können auch Kopf- und Augenbewegungen und sogenanntes “Gross behavior” (wie z. B. Sprechen oder Schlucken) kodiert werden.[/highlight]

[highlight style=”platinum”]Als zweiter Schritt kann danach eine Interpretation der Kodierungen erfolgen, beispielsweise mit EmFACS, einem Computerprogramm, das die Basisemotionsausdrücke aus dem kodierten Material ausliest.[/highlight]

 

  1. Wie lange forschen Sie schon mit der Methode? Wie sind Sie dazu gekommen?

Angefangen habe ich damit, FACS anzuwenden, schon für meine Diplomarbeit, die ich 2007 abgeschlossen habe. Es wurde damals der Kurs zum Erlernen der Methode bei uns auf der Uni angeboten, und ich konnte sie glücklicherweise gleich für meine Abschlussarbeit einsetzen. Danach bewarb ich mich für eine Dissertantinnenstelle auf der Uni, und meine FACS-Kenntnisse führten unter anderem dazu, dass gerade ich die Stelle bekam.

 

  1. Technische Daten: Was umfasst die zur Messung notwendige Hardware (Gerät, notwendiges Zubehör etc.); übliche Standardausstattung? Anschaffungskosten? Wartungsaufwand?

Das ist unterschiedlich. Wir haben bei uns am Institut für Psychologie in Innsbruck relativ aufwändige Gerätschaften dafür, einerseits, um Videos in hoher Qualität überhaupt produzieren zu können, andererseits haben wir eigene DVD-Player mit einer speziellen Fernbedienung, die auch das Abspielen der DVDs im Frame-für-Frame-Modus sowohl vorwärts als auch rückwärts erlauben.

Allerdings ist es auch möglich, mit günstigeren Methoden FACS zu kodieren, beispielsweise mit Programmen wie z. B. “Mediatags” am Computer, mit denen digitale Videoclips auch in Slow-Motion abgespielt werden können.

 

  1. Pros & Cons: Für welche Forschungsfragen ist die Methode/das Gerät besonders gut geeignet? Ggf. Überlegenheit gegenüber anderen? Was sind häufige Schwierigkeiten in der Anwendung; grundsätzliche Probleme, die bei der Messung oder Interpretation der Ergebnisse zu beachten sind?

FACS ist die einzige Methode, die ich kenne, mit der Muskelbewegungen im Gesicht objektiv erfasst werden können. Das Problem dabei ist der hohe Zeitaufwand. Da das Material in Echtzeit und in Slow-Motion betrachtet und die entsprechenden Kodierungen notiert werden müssen, braucht man je nach zu kodierender Person bis zu mehrere Stunden für eine Minute Videomaterial. Ein weiteres Problem ist die Interpretation. Ein Gesichtsausdruck muss immer vom Beobachter oder von der Beobachterin interpretiert werden, da wir nicht in die Person hineinschauen können und so auch nicht wissen, was im Augenblick des Zeigens in der Person vorgeht. Es ist daher nicht gesichert, ob die Person beispielsweise die Emotion überhaupt fühlt, wenn sie einen entsprechenden Ausdruck zeigt. Außerdem gibt es für Ausdrücke, die keine Emotionen darstellen, keine Übereinkunft über die Interpretation.

 

  1. Komplexität: Wie lange braucht man, um sich in die Methode einzuarbeiten? Ratschläge für interessierte Studenten, die einen Einstieg finden wollen?

Es empfiehlt sich, einen Kurs zu belegen, in dem die Methode gelehrt wird. Prinzipiell sollte es bei intensivem Studium in einer Woche zu schaffen sein, die Methode komplett kennen gelernt zu haben, allerdings wird z. B. an der Uni Innsbruck FACS im Seminar im Laufe eines Semesters unterrichtet. Als Abschluss wird der FACS-Final-Test verlangt, bei dem 34 kurze Videosequenzen mit Hilfe des Manuals kodiert werden müssen. Bei erfolgreicher Absolvierung des Tests ist man zertifizierteR FACS-KodiererIn. Es empfiehlt sich, danach noch einige Zeit von einer erfahrenen Person supervidiert zu werden, damit sich nicht dauerhafte Fehler einschleichen. Prinzipiell sollte man als FACS-KodiererIn ausgesprochen genau arbeiten.

 

  1. Was beforschen Sie aktuell mit der Methode?

Derzeit arbeite ich an drei verschiedenen Projekten mit FACS. Beim ersten Projekt wird untersucht, welche Gesichtsausdrücke Personen während des Weinens zeigen bzw. wie die nonverbale Interaktion zwischen Patientin und PsychotherapeutIn während Weinsequenzen der Patientin abläuft. Beim zweiten Projekt geht es darum, Unterschiede in den Gesichtsausdrücken bei Personen mit verschiedenen Bindungsstilen während des Adult-Attachment-Projectives (AAP) herauszuarbeiten. Außerdem interessiert uns hier, ob bei bestimmten verbalen “Markern”, die beim AAP kodiert werden können, auch entsprechende nonverbale Muster zu beobachten sind. Beim zweiten Projekt soll überprüft werden, ob sich Personen mit unterschiedlichem Sinnerleben hinsichtlich der Gesichtsausdrücke unterschieden bzw. ob die Gesichtsausdrücke einen Einfluss darauf haben, als wie sinnerfüllt die Personen von anderen wahrgenommen werden.

 

Herzlichen Dank für das Interview!