Psychologie interdisziplinär: Axel (Philosophie)

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Psychologie und …

Philosophie

Praktikum

 

[highlight style=“platinum“]Es erzählt:[/highlight]

[highlight style=“platinum“]Axel Schmugler ist 26 und studiert im 6. Mastersemester Psychologie an der TU Dresden und im 6. Bachelorsemester Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Philosophie an der Fernuni in Hagen. Facebook: facebook.com/axel.schmugler[/highlight]

[highlight style=“platinum“]Welchen Disziplinen außer der Psychologie ordnest du dich zu? (D. h. welche Fächer studierst du bzw. in welchem Schnittbereich bist du beruflich tätig?) [/highlight]

Philosophie.

 

[highlight style=“platinum“]Was hat dich in die Interdisziplinarität geführt? (Wie bist du auf dein zweites Studienfach gestoßen, was hat dein Interesse an der Schnittstelle geweckt etc.? Welches Fach war zuerst da? Wie bist du dann auf das zweite gestoßen?) [/highlight]

Den Bachelor in Wirtschaftspsycho hatte ich an der FH gemacht, danach wollte ich wohl den mir dort fehlenden intellektuellen Tiefgang durch die Disziplin an der Spitze des Elfenbeinturms ausgleichen. Mit Psychologie hatte die Studienwahl per se wenig zu tun, eventuelle Synergieeffekte haben bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, auch wenn sie im Laufe der Zeit aufgetreten sind.

Werke bekannter Philosophen lese ich bereits seit Langem und ich war und bin fasziniert, wie sie es schaffen, auch die abstraktesten Ideen in Worte zu fassen. Das scheinbar Alltägliche wird dabei auf teilweise absurd intelligente Weise hinterfragt und mit Hilfe der formellen und informellen Logik werden Themengebiete wie Kognition, Kulturen, Ethik oder Metaphysik behandelt.

Hinzu kommt, dass Philosophie aufgrund der Abhängigkeit und der damit einhergehende Betrachtung individueller Hintergründe der Schriftsteller auch viel Anteile an (Kultur-)Geschichte und Sprachentwicklung in sich trägt.

Diese Fähigkeiten und dieses Wissen möchte ich mir aneignen, um auf diese Weise meine Pedanterie zukünftig auch fach- und themenübergreifend so richtig ausleben zu können.

 

[highlight style=“platinum“]Worin siehst du große Unterschiede zwischen den Denk-, Arbeitsweisen der beiden Disziplinen?[/highlight]

Die Psychologie arbeitet mit Blick auf die Naturwissenschaften empirisch, Hypothesen und Theorien müssen sich an der Realität testen lassen, deren Inhalte sind deskriptiver Natur. Auch wenn sich dies in einigen wenigen Instituten und Methodenlehrstühlen durch die Einführung computationaler Modelle ändert.

Philosophie arbeitet hingegen rational, Hypothesen und Theorien werden ausführlich auf semantischer Ebene zerpflückt und auf Konsistenz geprüft. Die Inhalte sind hierbei abhängig vom Feld deskriptiv oder normativ und streben in letzter Instanz zu Vorgaben des richtigen Denkens, Forschens, Handelns oder Lebens.
Gerade im Hinblick auf die Vielzahl unterschiedlicher Betrachtungsebenen, die beide Disziplinen umspannen, Psychologie von Neuronen bis zu Kulturen, Philosophie von Atomen bis hin zu Kulturen, sind diese Unterschiede besonders spannend und könnten sich gegenseitig befruchten.

 

[highlight style=“platinum“]Hast du den Eindruck, seit Beginn des Studiums des zweiten Fachs von der Interdisziplinarität profitiert zu haben? Inwiefern?[/highlight]

Die Art der intensiven theoretischen Auseinandersetzung mit Aussagen in der informellen, aber auch den Formeln der formalen Logik und mit der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, die weit über die Inhalte meines Bachelorstudiums hinausging, haben mir auf methodologischer Ebene viel gebracht.

Vor allem mit Aussagen, die auf Grundlage von Erhebungen getroffen werden, gehe ich sehr viel vorsichtiger um.

Durch das ständige Hinterfragen und Suchen neuer Ansätze bin ich außerdem auf synthetische, systematische sowie theoretische Psychologie gestoßen, alles überaus spannende und in der mir bekannten Ausbildung unterrepräsentierte Felder, welche über den klassischen Reduktionismus hinausgehen.

 

[highlight style=“platinum“]Hast du eine Vorstellung, was du mit deiner Fächer-Kombination nach Studienabschluss machen kannst oder einen konkreten Wunsch/Plan?[/highlight]

Ich hoffe, dass mir die beiden Fächer dabei helfen, die Welt, die wir uns erschaffen, etwas differenzierter betrachten zu können, das wäre für mich schon ein Erfolg. Als direkten praktischen Nutzen betrachte ich die von mir angestrebte Promotion in der Psychologie. Dort sollten mir Logik und Wissenschaftstheorie gute Dienste leisten.

Sollte das nicht klappen, werde ich wohl ein ungewöhnlich philosophisch belesener Psychologe werden.

[highlight style=“platinum“]Würdest du ein Zwei-Fächer-Studium weiterempfehlen? Was rätst du anderen Psychologie-Studierenden, die sich ebenfalls für deine „Zweitdisziplin“ interessieren?[/highlight]

Pioniere in einem Feld führen häufig Methoden aus anderen Disziplinen in dieses ein, von daher kann ich ein Zweitstudium bei genügend zeitlichen, finanziellen und mentalen Ressourcen nur empfehlen. Der tiefgründige Blick über die eigene Disziplin hinaus eröffnet ungeahnte Möglichkeiten zu Wachstum und Neuverknüpfung. Auch sind sich die Disziplinen oftmals ähnlicher, als es die gewöhnlichen Vorurteile erwarten lassen.

Ich rate ihnen, sich zu überlegen, was sie wollen. Die Philosophie liefert umfangreiche Methoden zur Analyse von Problemen, klare Antworten oder eindeutige Fakten finden sich allerdings kaum. Wer nach anwendungsbereitem Wissen oder Handlungsanweisungen sucht, wird enttäuscht werden, oftmals beginnt man mit einem Problem und endet mit fünf, weil die Grundfrage falsch gestellt wurde.

Wer allerdings nach Möglichkeiten sucht, seine analytischen Fähigkeiten auf unterschiedlichsten Gebieten einzusetzen, dem sei Philosophie empfohlen, denn mit Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, Philosophie des Geistes, freier Wille oder auch (Neuro)Ethik und Handlungsphilosophie sowie unzähliger weiterer Unterdisziplinen zu Themen wie Wahrheit, Objektivität oder Logik bietet die Philosophie einen intellektuellen Spielplatz erster Güte.

 

[highlight style=“platinum“]Möchtest du noch etwas hinzufügen?[/highlight]

Wer sich jetzt in verschiedene angesprochene Themengebiete einlesen möchte, dem seien folgende Bücher ans Herz gelegt:

  • zu Ethik und Bewusstsein: Thomas Metzinger: Der Ego-Tunnel (Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik)
  • zur Entwicklung der Psychologie aus der Philosophie: Harald Walach: Psychologie – Wissenschaftstheorie,
    Anthropologie und Philosophie: philosophische Grundlagen und Geschichte
  • zur Logik und Wissenschaftstheorie: Cryan, Shatil & Mayblin: Logik – ein Sachcomic
  • zur synthetischen Psychologie: Braitenberg: Vehicles
  • zur theoretischen Psychologie: Fahrenberg: Theoretische Psychologie
  • zur systemischen Psychologie: Strunk & Schiepeck: Systemische Psychologie – Eine Einführung in die komplexen Grundlagen menschlichen Verhaltens

Vielen Dank für das Interview!