Psychologie interdisziplinär: Inga (Soziologie)

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Psychologie und …

Soziologie

Praktikum

 

[highlight style=“platinum“]Welchen Disziplinen außer der Psychologie ordnest du dich zu? (D. h. welche Fächer studierst du bzw. in welchem Schnittbereich bist du beruflich tätig?) [/highlight]

Ich studiere Psychologie an der Fernhochschule in Göttingen und Soziologie an der LMU.

 

[highlight style=“platinum“]Was hat dich in die Interdisziplinarität geführt? (Wie bist du auf dein zweites Studienfach gestoßen, was hat dein Interesse an der Schnittstelle geweckt etc.? Welches Fach war zuerst da? Wie bist du dann auf das zweite gestoßen?) [/highlight]

Meine Leidenschaft für Psychologie begann als kleines Mädchen, als ich heimlich den Film „Gothica“ gesehen habe. Zwar hat er, wie mir jetzt im Nachhinein bewusst wird, eher wenig mit dem Fach zu tun, aber inspiriert hat er mich trotzdem. Ich wollte damals wie Halle Berry sein und Menschen helfen, die Schlimmes erlebt haben. Leider hat mein Abi-Schnitt für das Studium nicht gereicht und da ich sonst nicht wusste, was ich machen soll, habe ich wie so viele „einfach mal BWL studiert“. Bis dann die Praxiserfahrung kam … Da hab ich während eines Praktikums festgestellt, dass ich niemals in diesem Bereich arbeiten möchte. Deshalb gab es für mich nur zwei Alternativen: heiraten, zehn Kinder kriegen und Hausfrau werden, um nie mehr arbeiten zu müssen, oder umorientieren. Ich habe mich dann für letzteres entschieden. Nach einiger Recherche habe ich dann die PFH gefunden, die als einzige Fernhochschule klinische Psychologie im Programm hat, und mich da direkt eingeschrieben. BWL habe ich aber trotzdem noch zu Ende studiert …

Die Begegnung mit Soziologie hingegen war ehrlich gesagt ziemlich unromantisch. Die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel in München sind unverschämt hoch und deshalb wollte ich mich in ein Fach einschreiben, um das Studententicket nutzen zu können und nebenbei ein wenig in die Vorlesungen zu gehen, die mich interessieren. Bis ich eine Vorlesung von Prof. Nassehi in „Einführung in die Soziologie“ besucht habe. Ich war hin und weg von dem Fach! Die abstrakte Art zu denken und Ereignisse einfach mal so ganz anders, quasi nicht individuell sondern aus einer gesellschaftlichen Perspektive zu analysieren, war einfach spannend. Die Texte zu den einzelnen Themen von verschiedensten Autoren waren sehr anspruchsvoll – offen gestanden habe ich mich in BWL nie entsprechend gefordert gefühlt. Und so kam dann die Entscheidung: Einen Bachelor in Soziologie will ich auch unbedingt fertig machen.

 

[highlight style=“platinum“]Worin siehst du große Unterschiede zwischen den Denk-, Arbeitsweisen der beiden Disziplinen?[/highlight]

Ich muss gestehen, diese Frage könnte ich wahrscheinlich in einem Jahr besser beantworten, da ich jetzt erst ins zweite Semester komme, aber ich versuche es trotzdem:

Psychologie analysiert das menschliche Verhalten hauptsächlich aus der Sicht eines Individuums. Zwar kommt die Gesellschaft auch immer mal wieder vor, zum Beispiel im Konzept des „Über-Ichs“ von Freud, das die gesellschaftlichen Anforderungen mit den Trieben aus dem „Es“ in Einklang bringen soll, doch der Fokus liegt trotzdem auf Handlungen einer Person. In der Soziologie hingegen sind die Handlungen mehrerer Personen interessant, ganz besonders, wenn sie interagieren. Man sucht quasi nach Mustern, nach denen Handlungen ablaufen und analysiert sie immer mit dem Hintergedanken, dass Handlungen stets in einer Gesellschaft passieren. Ihre Rolle ist dabei besonders interessant. Die Entscheidung für ein bestimmtes Verhalten entspringt ja nicht nur innerer Motivation, sondern ist gleichzeitig immer auch gesellschaftlich bedingt.

 

[highlight style=“platinum“]Hast du den Eindruck, seit Beginn des Studiums des zweiten Fachs von der Interdisziplinarität profitiert zu haben? Inwiefern?[/highlight]

Auf jeden Fall! Allein, weil die LMU mir Statistik super beigebracht hat und ich davon in der Statistik-Klausur an der PFH profitieren werde. Es sind zwar nicht alle Themen gleich, aber es gibt doch sehr viele Überschneidungen.

Die verschiedenen Blickwinkel sind auch interessant, wenn man sich beispielsweise Depressionen anschaut. Psychologische Ursachen (negative Erlebnisse) wie beispielsweise eine Missachtung der Eltern könnten durchaus ein Entstehungsgrund sein. Die Entwicklung einer Depression kann aber auch mit den Anforderungen der heutigen Leistungsgesellschaft zusammenhängen. Die selben Überlegungen kann man auch mit anderen Themen machen wie zum Beispiel Suizid. Je nach Einzelfall ist es vielleicht von Vorteil auch den soziologischen Blickwinkel erarbeitet zu haben, um so die Gesamtsituation analysieren zu können.

 

[highlight style=“platinum“]Hast du eine Vorstellung, was du mit deiner Fächer-Kombination nach Studienabschluss machen kannst oder einen konkreten Wunsch/Plan?[/highlight]

Am liebsten würde ich die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten machen und in einer Klinik arbeiten. Aber leider ist eine Hochschule mit einer Universität nicht gleichgestellt, weshalb ich mit einem Bachelor von der Fernhochschule in Göttingen die Zulassungskriterien nicht erfülle. Und da ich jetzt einfach mal annehme, dass die Politik in nächster Zeit eher nicht zu Verstand gelangen wird, etwas an diesem blöden Gesetz ändert und einfach mal in der Gegenwart ankommt (Wir lernen genau das gleiche Zeug!), ist der Traum wegen dem Bürokratiewahnsinn in diesem Land geplatzt.

Deshalb werde ich wohl meinem zweiten Wunschbild hinterherjagen müssen: in der Forschung tätig werden und an einer Universität arbeiten. Dabei hoffe ich auf eine Professorenstelle, die es mir ermöglicht, Seminare abzuhalten, die meine beiden Disziplinen miteinander verknüpfen.

 

[highlight style=“platinum“]Würdest du ein Zwei-Fächer-Studium weiterempfehlen? Was rätst du anderen Psychologie-Studierenden, die sich ebenfalls für deine „Zweitdisziplin“ interessieren?[/highlight]

Auf jeden Fall! Ich würde es jetzt gar nicht mehr anders wollen. Zwar ist besonders die Prüfungszeit manchmal ein riesiger Stress, aber wenn man dran bleibt und diszipliniert vorgeht, ist das schon zu schaffen. Und das ist auch mein Rat an andere Studierende: sehr gute Organisation, Lernpläne und vor allem immer Mitlernen.

 

Vielen Dank für das Interview!

2 KOMMENTARE

  1. Hallo,

    mich würde interessieren ob das Studium tatsächlich parallel lief. Ich möchte gerne ein Fernstudium an der PFH beginnen, dafür aber nicht mein Studium aufgeben und würde somit auch in den Zwischenbereich fallen in dem sich das Doppelstudium bewegt. Allerdings höre/lese ich fast nur das es nicht möglich sei zwei Studiengänge zu belegen. Obwohl das eine ja privat finanziert wird und man eigentlich niemandem an einer staatlichen Hochschule/FH ein Platz weggenommen wird. Mich würde einfach interessieren wie das klappen konnte :)

  2. Hallo Seven,
    ja, es lief tatsächlich parallel ab. Ich habe mich zuerst an der PFH immatrikuliert und dann, bei der zweiten Immatrikulation an der LMU, musste ich nur eine Immatrikulationsbescheinigung der PFH mit abgeben. Mittlerweile bin ich in beiden Studiengängen bald im dritten Semester.
    Bevor du dich allerdings an der PFH einschreibst, würde ich mich an deiner Stelle nochmal genau erkundigen, ob ein Abschluss an der PFH dir deinen beruflichen Werdegang nicht eher erschwert und evtl. lieber nach Hagen gehen. Dadurch dass die PFH „nur“ eine Hochschule und keine Universität ist, hat sie leider einen sehr schlechten Ruf.
    Alles Gute für die Zukunft!