5 Fragen an … Jan Born

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Jan Born
Jan Born
Prof. Dr. Jan Born. Foto: Seifert
Jan Born
Praktikum

Prof. Dr. Jan Born (*30. März 1958, Celle)

  • seit 2010 Nachfolger von [highlight style=“cyan“]Niels Birbaumer[/highlight] auf den Lehrstuhl für Medizinische Psychologie in Tübingen
  • Schlaf- und Gedächtnisforschung
  • Klinische Neuroendokrinologie
  • Leibniz-Preisträger 2010
  • Gedächtnis bildet sich im Tief- und nicht im REM-Schlaf
  • Entwicklung von Gedächtnissystemen pränatal und im frühkindlichen Leben in Abhängigkeit vom Schlaf

 

Wie von [highlight style=“cyan“]Onur Güntürkün[/highlight] vorgeschlagen:

5 Fragen an …

Jan Born

 

[highlight style=“platinum“]1. Als Sie sich erstmals für Psychologie einschrieben, was dachten Sie, wohin Ihr Weg Sie führen würde? Was hat Sie auf das Forschungsgebiet Schlaf gebracht und gibt es nach wie vor unbeantwortete Forschungsfragen auf dem Gebiet, die Sie besonders faszinieren? [/highlight]

Was ich dachte, als ich mich für das Psychologiestudium einschrieb, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich dachte ich gar nichts, zumindest nichts bezüglich dessen, was ich mit diesem Studium einmal anfangen könnte — das war mir egal. Bestimmt hoffte ich, dass ich mir mit dem psychologischen Wissen auch ein wenig mehr Lebensverständnis aneignen könnte.
Mit der Schlafforschung habe ich als Doktorand angefangen. Als Doktorand arbeitete ich darüber, wie Hormone und Hirn interagieren, um Verhalten zu steuern. Zu der Zeit gab es erste Arbeiten, die zeigten, dass die Regulation von Stresshormonen wie Kortisol im Schlaf anders funktioniert als im Wachzustand. Zufällig gab es in dem (Physiologischen) Institut, an dem ich damals arbeitete, eine ungenutzte „Klimakammer“, die sich hervorragend als Schlaflabor eignete. Wir okkupierten also diese Kammer und bauten ein Schlaflabor auf, wobei es anfänglich vor allem darum ging, neben der Standardpolysomnographie eine Methode zu entwickeln, die es uns ermöglichte, dem Probanden während des Schlafes alle 10/15 Minuten Blut für die Hormonbestimmungen abzunehmen, ohne dass der Proband dabei aufwachte.

Die für die Psychologie zentrale Frage hinsichtlich des Schlafs ist, warum Schlaf mit einem Bewusstseinsverlust einhergeht. Diese Frage ist bisher nicht beantwortet. Am Ende meines Forscherdaseins würde ich gerne eine überzeugende Antwort haben.

 

[highlight style=“platinum“]2. Welcher Teil Ihrer Arbeit als Psychologe hat Ihnen bisher am meisten Freude gemacht? Gibt es ein Lieblingsprojekt, das Sie am glücklichsten gemacht hat? (Warum?) [/highlight]

Es gibt für mich kein Lieblingsprojekt. Ich arbeite in den Neurowissenschaften, d. h. interdisziplinär zusammen mit Neurobiologen, Informatikern, Physikern und Psychologen. Es freut mich immer, wenn ich feststelle, dass es bei allen unseren Projekten und Experimenten im Kern um eine psychologische Fragestellung geht. Nur als Psychologe bin ich in der Lage, dieser Forschung sinnvoll eine Richtung zu geben. Kurz gesagt, der Teil meiner Arbeit, in dem ich genuin als Psychologe arbeite, macht mich am glücklichsten.

 

[highlight style=“platinum“]3. Wenn Sie in der Zeit zurückreisen und Ihrem Studenten-Ich einen Ratschlag geben könnten, welcher wäre das? Würden Sie es tun?[/highlight]

Auch meinem Studenten-Ich würde ich nur ungern unerbetene Ratschläge erteilen — man muss schon selber herausfinden, was für einen das Beste ist, auch im Studium.

 

[highlight style=“platinum“]4. Gibt es irgendetwas, das Sie allen Psychologiestudenten gerne sagen würden; einen Ratschlag oder sonst etwas, das wir Ihrer Meinung nach alle wissen sollten?[/highlight]

Für diejenigen, die Interesse an Forschung haben, die sollten sich im Klaren sein, a) wie wichtig die konzeptionellen Grundlagen der (Allgemeinen) Psychologie sind, insofern sie uns quasi Leitmotive für unsere Forschung an die Hand gibt, und b) dass alle diese psychologischen Konzepte von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis usw. natürlich ihre biologischen Wurzeln besitzen. Um Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Psyche zu verstehen, kann es daher durchaus lohnend sein, einmal auf die eher einfache Psyche einer Ratte zu schauen.

 

[highlight style=“platinum“]5. Zum Abschluss: bitte erzählen Sie uns Ihren liebsten (bevorzugt Psychologie-bezogenen) Witz![/highlight]

Sorry, ich kenne keine Psychologenwitze.

 

[highlight style=“platinum“]BONUS-Frage: Haben Sie einen Vorschlag, wer unsere 5 Fragen als nächstes beantworten sollte?[/highlight]

Wie wär‘s mit Brigitte Röder aus Hamburg oder Clemens Kirschbaum aus Dresden?

 

Wir bedanken uns herzlich für das Interview!