5 Fragen an…Martin Hautzinger

0
872
Praktikum

Prof. Dr. Martin Hautzinger (*1950, Frankenbach bei Heilbronn)

  • Schwerpunkt: KVT bei affektiven Störungen, v. a. Depression
  • Ko-Autor der deutschen Version des BDI
  • Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Tübingen
  • weitere Gebiete: Alkoholismus- und Drogenabhängigkeit, Angst- und Belastungsstörungen, Psychoserisiko, Klinische Gerontopsychologie, Psychotherapieforschung, Psychophysiologische Störungen und Krankheitsbewältigung, klinische Kinderpsychologie

 

5 Fragen an …

Martin Hautzinger

 

[highlight style=“platinum“]1. Als Sie sich erstmals für Psychologie einschrieben, was dachten Sie, wohin Ihr Weg Sie führen würde? Sie beschäftigen sich seit langer Zeit mit affektiven Störungen, insbesondere Depression; was hat Sie erstmals in dieses Themengebiet geführt? Hat sich Ihre Sichtweise auf diese Störungen im Laufe Ihrer Arbeit verändert?[/highlight]

Wie ich mich für Psychologie entschied, wusste ich eigentlich gar nicht, was das genau ist. Ich fand es lediglich herausfordernd und irgendwie interessant. Das Thema Depression begegnete mir im Rahmen eines Seminars und danach sprach mich der Dozent an, ob ich Lust hätte an einer privaten Runde mitzumachen. Wir nannten uns „Berliner Arbeitskreis Depression“. Dabei lasen wir Arbeiten, Neuerscheinungen, korrespondierte mit Autoren, luden die nach Berlin ein oder fuhren hin. Wir schrieben auch Artikel und Bücher. Da sich der Erfolg einstellte, blieb ich dabei. Am Ende meines Studiums fragte mich eine Freundin, was ich denn für Ziele habe. Meine Antwort: „berühmt werden“.
Meine naive Sichtweise von anfangs hat sich für eine viel komplexere Sichtweise verändert. Depressionen sind eine sehr heterogene Kategorie. Ferner kamen die vielfältigen neurobiologischen und genetischen Erkenntnisse hinzu. Ich bin auch bescheidener geworden hinsichtlich der Behandlungserfolge bzw. Hilfemöglichkeiten. Dennoch ist es insgesamt beeindruckend zu sehen, welchen Impact die klinische Psychologie und Psychotherapieforschung auf die aktuellen Nationalen Versorgungsleitlinien genommen hat.

 

[highlight style=“platinum“]2. Welcher Teil Ihrer Arbeit als Psychologe hat Ihnen bisher am meisten Freude gemacht? Gibt es ein Lieblingsprojekt, das Sie am glücklichsten gemacht hat? (Warum?) [/highlight]

Ein Lieblingsprojekt habe ich nicht, eher noch Ideen, die ich gerne umgesetzt hätte, doch vermutlich nicht mehr schaffe. Es waren immer die neuen, zukünftigen Projekte, die mich faszinierten. Aktuell zu Chronischen Depressionen, zu Bipolaren Störungen. Was ich gerne noch machen würde, wären Projekte zu Fragen der „Moderatoren“ für erfolgreiche Psychotherapie bei affektiven Störungen. Auch die Entwicklung und Evaluation eines Computerspiels zur Selbsthilfe/Therapie jugendlicher Depressionen.

 

[highlight style=“platinum“]3. Wenn Sie in der Zeit zurückreisen und Ihrem Studenten-Ich einen Ratschlag geben könnten, welcher wäre das? Würden Sie es tun?[/highlight]

Da ich recht viel Glück hatte und Erfolge erlebt habe, fällt mir nichts ein, was ich anders machen würde. Meinem Studenten-Ich würde ich daher den Rat geben: Sei neugierig, offen, kritisch, traue keiner Autorität, glaube an dich und die eigene Kraft, wehre dich, begeistere dich, halte Distanz zu dir selbst, werde nicht überheblich, sondern freundlich-bemüht.

 

[highlight style=“platinum“]4. Gibt es irgendetwas, das Sie allen Psychologiestudenten gerne sagen würden; einen Ratschlag oder sonst etwas, das wir Ihrer Meinung nach alle wissen sollten?[/highlight]

Die Lehrpläne und Modulhandbücher, die Ordnungen nicht zu ernst nehmen. Sich Freiheiten herausnehmen und seinen eigenen Weg gehen, trotz (gerade wegen) den Vorschriften.

 

[highlight style=“platinum“]5. Zum Abschluss: bitte erzählen Sie uns Ihren liebsten (bevorzugt Psychologie-bezogenen) Witz![/highlight]

Antwort: Kein Witz, eher einen spinnigen Satz, den ein klinischer Psychologe allen Ernstes empfiehlt, um den Selbstwert zu steigern:
„Du bist die Schüssel, nicht die Suppe“.

 

[highlight style=“platinum“]BONUS-Frage: Haben Sie einen Vorschlag, wer unsere 5 Fragen als nächstes beantworten sollte?[/highlight]

Ulrike Ehlert, Zürich, oder Brigitte Rockstroh, Konstanz.

 

Wir bedanken uns herzlich für das Interview!