Buchrezension „Comprehensive Textbook Of Psychotherapy“ von A. J. Consoli und KollegInnen

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Praktikum

Wer sich einen guten Überblick über die verschiedenen Ansätze und Schulen der Psychotherapie verschaffen möchte, der ist mit diesem Buch gut beraten. Es handelt sich um eine zweite, aktualisierte Auflage.

Inhalt und Aufbau

Das vorliegende Fachbuch ist in drei Teile mit jeweils mehreren Kapiteln gegliedert. Im ersten Teil werden einzelne Ansätze und Therapieschulen vorgestellt, nämlich psychodynamische, kognitiv-behaviorale, humanistische, interpersonelle und systemische, aber es finden sich auch Kapitel zu einem integrativen oder eklektischen Ansatz und ein Kapitel, das die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Therapieschulen verdeutlicht. In diesem Teil werden die Therapieschulen jeweils mit einem theoretischen und einem praktischen Kapitel vorgestellt: Das theoretische Kapitel vermittelt die Denkweise und das Menschenbild der Therapieschule, das praktische Kapitel bringt teilweise sehr detaillierte Fallbeispiele aus der Anwendung, so dass die Besonderheiten des jeweiligen Vorgehens deutlich werden.

Im zweiten Teil widmen sich die Kapitel verschiedenen Setttings und PatientInnengruppen und was dabei beachtet werden muss. Hier werden Gruppen-, Familien, Kinder- und Jugendtherapie sowie elektronischbasierte Verfahren erörtert, außerdem wird diskutiert, welche Therapieformen bei alten PatientInnen, bei Frauen, bei Männern, bei LGBT-PatientInnen, Angehörigen ethnischer Minderheiten, ImmigrantInnen und Flüchtlingen, Schizophrenen, SoldatInnen, Opfern von Massenunglücken und in klinischen Notsituationen angemessen wären.

Der dritte und kürzeste Teil widmet sich der Therapieforschung. In einem Kapitel werden die Vor- und Nachteile von randomisierten klinischen Studien einander gegenübergestellt, ein anderes Kapitel widmet sich der Ausbildung von PsychotherapeutInnen. Zwei weitere Kapitel behandeln ethische und rechtliche Fragen und machen sich Gedanken über zukünftige Entwicklungen in der Psychotherapie allgemein.

Jedem Kapitel in jedem Teil des Buches ist ein Abstract vorangestellt und jedes Kapitel endet mit einem Abschnitt „Conclusions/Key Points“, der die wichtigsten Punkte für SchnellleserInnen noch einmal kurz und bündig zusammenfasst, ein Abschnitt „Review Questions“, anhand dem die LeserInnen prüfen können, ob sie das Gelesene verstanden haben, sowie den unvermeidlichen Literaturangaben. Diese einheitliche Gliederung schafft einen guten Überblick über die einzelnen Kapitel und schafft zudem einen Eindruck von „alles aus einem Guss“, obwohl jedes Kapitel von anderen AutorInnen verfasst wurde.

Sprache

Das „Comprehensive Textbook of Psychotherapy“ ist auf Englisch verfasst, Englisch sollte man also schon können. Wegen der vielen unterschiedlichen Beiträge variiert die Sprache natürlich von Kapitel zu Kapitel, aber der generelle Ton ist nüchtern und sachlich, man hat auf Verständlichkeit geachtet und komplizierte Schachtelsätze vermieden. Mit einem gewissen Grundvokabular sollte das Buch auch für deutsche Studierende problemlos lesbar sein, ich musste beim Überfliegen jedenfalls keine Wörter nachschlagen.

Layout

Auch das Layout entspricht einem typischen, vielleicht eher altmodischen Lehrbuch. Farbige Kästen oder bunte Bilder sucht man vergebens, aber in einigen wenigen Kapiteln gibt es auch Grafiken und Tabellen, die gut ausgewählt scheinen und das Verschriftlichte gut aufbereiten. Die Serifenschrift ist relativ klein formatiert, sonst wäre das Buch wohl noch viel dicker geworden. (Auch so sind es immerhin knapp über 500 Seiten.) Jedes Kapitel ist in übersichtliche Abschnitte mit Unterüberschriften gegliedert, Zitate und Aufzählungen sind sichtbar vom Fließtext abgegrenzt. Alles in allem angenehm zu lesen.

Fazit

Für PraktikerInnen ist das Lehrbuch eher weniger geeignet — Anleitungen bekommt man hier nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass KandidatInnen für die Psychotherapieausbildung, die sich noch nicht für ein bestimmtes Verfahren entschieden haben, hier einen guten Einblick in die verschiedenen Richtungen erhalten und anschließend eine fundierte Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapieschule treffen können. Und auch nicht-TherapeutInnen, die einfach mal wissen wollen, warum PsychodynamikerInnen und BehavioristInnen sich oft so in den Haaren liegen, könnten hier theoretische Antworten finden. Vertiefende Fragen beantwortet das Buch nicht, aber es gibt eben einen guten Überblick. Mir persönlich, die ich sowohl in Verhaltenstherapie als auch tiefenpsychologisch fundierter Therapie ausgebildet bin, hat das Buch tatsächlich einige Fragen zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten beantwortet, für die ich von meinen AusbilderInnen nur schwammige Antworten bekam.