Buchrezension „Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung I“ von Schlippe und Schweitzer

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systemischen
Praktikum

Das „Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung I“ gibt einen umfangreichen Einblick in die Geschichte dieser Beratungs- bzw. Therapierichtung und ihre Haltung und Methoden.

Zunächst gehen die Autoren intensiv auf die Vorgeschichte der systemischen Denkweise ein. Dabei werden wichtige Einflusspersonen und systemische Gedanken in gängigen Verfahren (Psychoanalyse, Verhaltenstherapie) aufgezeigt. Anschließend wird auf die konkrete Entwicklung und die Theorie der systemischen Therapie bzw. Beratung eingegangen. Der theoretische Einstieg ist sehr detailreich und gibt interessante Einblicke in die Umbrüche der damaligen Zeit, welche durch Fallbeispiele oder Originalzitate von wichtigen Einflusspersonen ausgeschmückt werden. Die Fallbeispiele machen dabei auf eine originelle Art und Weise begreifbar, wie die doch sehr abstrakte Theorie praktisch umgesetzt wurde und schließt damit sehr anschaulich den Graben zwischen Theorie und Praxis.

Die Autoren versuchen dabei, die Heterogenität der verschiedenen Ideen und Einflusspersonen unter einen Hut zu bekommen. Dabei scheint hin und wieder der rote Faden verloren zu gehen, sodass die Beschreibung der geschichtlichen Entwicklung letztlich eher einer Aneinanderreihung von verschiedenen Ansätzen gleicht, bei der den Lesenden die zeitliche und inhaltliche Orientierung fehlt. Dazu kommt, dass bei den verschiedenen Ansätzen häufig spezifische Fachbegriffe fallen, die EinsteigerInnen unbekannt sind und deshalb das Verständnis erschweren.

Im dritten Kapitel versuchen die Autoren, den Weg zwischen der abstrakten Theorie und den Methoden, die im vierten Kapitel thematisiert werden, vorzubereiten. Dabei gehen sie beispielsweise auf die Haltung der TherapeutInnen bzw. BeraterInnen ein, die die Grundlage für jegliche Methodik darstellt und sich durch Aspekte wie Ressourcenorientierung, Kooperation, Neugier und die Autonomie der PatientInnin bzw. KlientInnen auszeichnet. Dieses Kapitel hilft dabei, den theoretischen Einstieg zu „verdauen“ und die wichtigen Aspekte vor Augen zu haben, bevor man sich im Folgekapitel mit der Methodik befasst. Die Darstellung der Methoden ist anschließend umfangreich und anschaulich gestaltet. Es werden Methoden wie die bekannten zirkulären Fragen sowie weniger bekannte Fragetechniken vorgestellt, die z. B. den sogenannten Möglichkeitsraum erweitern oder den Nutzen von Problemen erfragen. Auch hier gibt es wieder viele Fallbeispiele, die das Verständnis und die eigene Anwendung erleichtern. Hilfreich sind auch Gesprächsleitfaden, die zu bestimmen Themen angeboten werden.

Abschließend werden noch die verschiedenen und vielfältigen Settings vorgestellt, in denen systemische Therapie bzw. Beratung stattfinden kann, und die jeweiligen Besonderheiten, die dabei zu beachten sind.

Die Sprache der Autoren ist meist gut verständlich. Hin und wieder erscheint sie jedoch etwas umständlich, was das Verständnis der Inhalte erschwert. Zwischendurch wechseln die Autoren jedoch auch zu einem sehr lockeren und lustigen Stil, z. B. wenn „Tipps zur Chronifizierung eines Problems“ gegeben werden. Der Humor der Autoren wird auch dadurch deutlich, dass zwischendurch Comics abgebildet sind, die das aktuelle Thema untermauern.

Zusammengefasst eignet sich dieses Buch für all diejenigen, die sich für die systemische Therapie bzw. Beratung interessieren und einen umfangreichen Einblick erlangen sowie Methoden an die Hand bekommen möchten.