Buchrezension „MEG – An Introduction to Methods“ von Hansen, Kringelbach und Salmelin

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MEG - An Introduction to Methods Book Cover MEG - An Introduction to Methods
Hansen, P. C., Kringelbach, M. L. & Salmelin, R. (Ed.)
Neuroscience
Oxford University Press
2010
448
https://global.oup.com/academic/product/meg-9780195307238?cc=de&lang=en&

Praktikum

Magnetoenzephalographie — wer nach "Magneto" zuerst an die Marvel-Comicfigur statt an die in den Neurowissenschaften verwendete Messmethode dachte, ist nicht allein. Denn die Methode ist jung (*1968) und die Geräte sind teuer — zwei Gründe, warum das MEG bisher hinter EEG und fMRI zurückbleibt, was den Bekanntheitsgrad betrifft.

Doch die Methode gewinnt zunehmend an Bedeutung, sodass es sich lohnt, Fragen zu stellen wie: Was kann MEG? Was kann ich aus den gewonnenen Daten ableiten? Welche Fragestellungen kann ich damit untersuchen — welche werden häufig damit untersucht? Und für diejenigen, die sich diese Fragen stellen, ist das hier vorgestellte Buch gedacht.

Zielgruppe und Inhaltsübersicht

Das Buch richtet sich grundsätzlich an jeden, der sich für MEG interessiert. Ob der Leser eine spezifische Fragestellung untersuchen wolle, für die sich MEG am besten eigne, oder ob MEG die einzige verfügbare funktionale Imaging-Technik sei und der Leser feststellen wolle, ob und wie er damit arbeiten könne — so führen die Autoren ein — für jede Lage soll dieses Buch Informationen über Möglichkeiten und Limitationen der Methode bieten. Um dies umzusetzen, enthält das Buch drei große Abschnitte — 1. Basics, in dem das vorausgesetzte Grundwissen über Grundlagen des MEG, Maße und Experimentelles Design vermittelt wird, 2. Data Analysis, in dem ausführlich auf verschiedene Arten der MEG-Datenanalyse (wie Quellenlokalisation und Konnektivitätsanalysen) und -interpretation eingegangen und ein Ausblick auf zukünftige Möglichkeiten der Kombination verschiedener Messmethoden gegeben wird, und 3. Applications, der sich mit den praktischen Implikationen der Methode befasst (z. B. Einsatzmöglichkeiten im klinischen Kontext).

"MEG — An Introduction to Methods" bietet auf 418 Textseiten genau das: eine Einführung in ein noch junges und sich darum ständig weiterentwickelndes methodisches Feld, die auf einen praxisnahen Ansatz setzt und nicht den Anspruch auf Exhaustivität erhebt.

Die erwähnten drei Abschnitte untergliedern sich wie folgt in 15 Kapitel:

Section 1 "Basics":

  1. Electrophysiological Basis of MEG Signals
  2. Instrumentation and Data Preprocessing
  3. Measurements
  4. Experimental Design

 

Section 2 "Data Analysis":

  1. The Dowser in the Fields: Searching for MEG Sources
  2. Multi-Dipole Modeling in MEG
  3. Estimating Distributed Representations of Evoked Responses and Oscillatory Brain Activity
  4. Anatomically and Functionally Constrained Minimum-Norm Estimates
  5. Noninvasive Functional Tomographic Connectivity Analysis with Magnetoencephalography
  6. Statistical Inference in MEG Distributed Source Imaging
  7. Combining Neuroimaging Techniques: The Future

 

Section 3 "Applications":

  1. Somatosensory and Motor Function
  2. MEG and Reading: From Perception to Linguistic Analysis
  3. The Use of MEG in Clinical Settings
  4. Using Magnetoencephalography to Eludicate the Priniciples of Deep Brain Stimulation

 

Zu Beginn jedes Kapitels wird der Kapitelinhalt in drei bis sechs Stichpunkten zusammengefasst. Dies ist sehr hilfreich, um sich einen schnellen Überblick zu verschaffen, insbesondere dann, wenn man auf der Suche nach einer bestimmten Information und nicht ganz sicher ist, in welchem Kapitel diese zu finden ist. (Im letzteren Fall ist auch der detaillierte Themenindex am Ende des Buches hilfreich.) Die den Text innerhalb der Kapitel weiter aufgliedernden Überschriften sind farbig gedruckt, was die Suche nach einem bestimmten Abschnitt erleichtert. Der häufige Einsatz von Überschriften und sinnvoll gewählten Abbildungen — nur selten gibt es zwei oder mehr Seiten Fließtext ohne Unterbrechung — lockert zum einen den Text auf und hilft zum anderen, auch beim Lesen komplexer Inhalte nicht die Orientierung zu verlieren.

Die Abbildungen sind größtenteils sinnvoll gewählt und verständnisfördernd, von schematischen Darstellungen einzelner Zellen und gemessener Signale über Visualisierungen real gemessener Daten bis hin zu Darstellungen experimenteller Paradigmen ist alles vertreten. Allerdings wird in einzelnen Kapiteln (insbesondere zu Beginn des Buches) auch verstärkt mit Formeln gearbeitet. Man muss den Autoren zu Gute halten, dass sie auf eine vollständige, physikalisch und mathematisch fundierte Darstellung bedacht sind; allerdings sollte man über fundierte Physik-Vorkenntnisse verfügen, um damit gut zurechtzukommen. Wer, so wie ich, kein nennenswertes Restwissen aus dem Physikunterricht präsent hat, kann sich insbesondere mit dem Einführungskapitel schwer tun oder sich etwas abgeschreckt fühlen.

Gesamteindruck und Fazit

Das Layout ermöglicht wie oben ausführlich dargestellt insgesamt ein angenehmes Arbeiten mit dem Buch. Das sprachliche Niveau ist angemessen im Verhältnis zur Komplexität der dargestellten Inhalte.

Vorkenntnisse bezüglich der MEG selbst sind keine Voraussetzung, allerdings sollte man über gewisse Grundkenntnisse der Physik verfügen, um mit dem Buch angenehm arbeiten zu können. Auch oberflächliche Grundkenntnisse anderer elektrischer und Imaging-Methoden (also EEG bzw. fMRI, PET) sind für das Verständnis hilfreich, da in manchen Abschnitten des Buches Vergleiche zwischen den Methoden angestellt werden (vor allem in Kapitel 11 und in Section 3 macht es sich bezahlt, zumindest grob zu wissen, was die anderen Methoden ausmacht).

Alles in allem eine gelungene Einführung, die es auf knapp 400 Seiten schafft, umfassend in eine vielseitige und noch junge, sich ständig weiterentwickelnde Methode einzuführen und doch kompakt und übersichtlich zu bleiben. Fazit: Wer das oben genannte Vorwissen oder die Zeit und Begeisterung, sich auch ohne dieses einzuarbeiten, mitbringt, und sich einen Überblick verschaffen will um zu entscheiden, ob er/sie eine wissenschaftliche Fragestellung mit MEG untersuchen möchte, trifft mit "MEG - An Introduction to Methods" eine gute Wahl.