Buchrezension „Schlaf erfolgreich trainieren“ von Müller und Paterok

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Schlaf erfolgreich trainieren. Ein Ratgeber zur Selbsthilfe Book Cover Schlaf erfolgreich trainieren. Ein Ratgeber zur Selbsthilfe
Tilmann Müller & Beate Paterok
Klinische Psychologie
Hogrefe
2014
191
http://www.hogrefe.de/programm/schlaf-erfolgreich-trainieren-1.html?catId=7

Praktikum

Rezension für „Schlaf erfolgreich trainieren. Ein Ratgeber zur Selbsthilfe“ von Tilmann Müller und Beate Paterok

Hin und wieder kommt es vor, dass ich abends im Bett liege und nicht einschlafen kann, obwohl ich mich vorher gefreut hatte, ins Bett zu gehen und müde war. Je länger ich wach liege, desto stärker „versuche“ ich einzuschlafen. Wenn ich dann auf die Uhr schaue und sehe, dass es „schon viel zu spät ist, um noch genügend Schlaf zu bekommen“, ist das Dilemma perfekt. Als ich auf das Buch „Schlaf erfolgreich trainieren“ stieß, war ich interessiert daran, ob es ein paar Lösungen für mich bereithält.

Den Einstieg in die Thematik der Schlafstörungen bieten 3 Fallbeispiele. Menschen, die unter Schlafstörungen leiden, werden sich vermutlich – zumindest teilweise – darin wiederkennen und sich damit identifizieren können. Danach werden die verschiedenen Arten von Schlafstörungen vorgestellt und deren Erscheinungsbild kurz charakterisiert: Insomnien, Hypersomnien, Parasomnien, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und schlafbezogene Bewegungsstörungen. Zudem befindet sich ein kurzer Fragebogen im Buch, dessen Ausfüllen den PatientInnen helfen soll, festzustellen ob und wenn ja, unter welcher Schlafstörungen sie leiden (natürlich mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass dies kein Gespräch mit einem Arzt ersetzen kann). Dazu gibt es eine ausführliche Auswertung und Empfehlung, welche Schritte beim Vorliegen der Schlafstörung XY i.d.R Regel in Angriff genommen werden sollten und ob das Schlaftraining für diese Art der Schlagstörung geeignet ist. Nach Ausfüllen des Fragebogens konnte ich jedenfalls feststellen, dass meine o.g. „Beschwerden“ höchstwahrscheinlich keine behandlungsbedürftige Schlafstörung sind (dennoch vermerken die Autoren, dass auch „schlechte Schläfer“ von dem Schlaftraining profitieren können). Anschließend werden die Ätiologie und der typische Verlauf von Schlafstörungen vorgestellt und wie sich daraus in den meisten Fällen ein Teufelskreis entwickelt. Auf umständliche Beschreibungen wird dabei verzichtet, die Prozesse, die zur „Verselbständigung“ der Schlafstörungen führen, werden allgemein verständlich geschildert. Ich konnte mich gut damit identifizieren und dachte an der einen oder anderen Stelle „genauso ist es bei mir auch schon gewesen“. Im nächsten Kapitel wird das Schlafprotokoll vorgestellt (welches auch im Anhang als Kopiervorlage zu finden ist), mit dem die PatientInnen während des Schlaftrainings arbeiten sollen. Die LeserInnen erhalten eine Anleitung, wie das Protokoll ausgefüllt, ausgewertet und interpretiert werden soll (auch hierfür finden sich Hilfsmittel im Anhang des Buches).

Im zweiten Teil des Buches wird die Grundlage des Schlaftrainings (Prinzip der Schlafkompression) und deren Wirkprinzipien vorgestellt. Außerdem werden Kontraindikationen und eventuelle Nebenwirkungen des Schlaftrainings erläutert. Nun wird in jedem weiteren Kapitel ein Trainingsabschnitt geschildert. Die LeserInnen werden somit Woche für Woche angeleitet, welche Übungen und Strategien ausgeführt/angewendet werden sollen. Zum Beispiel werden Vorbereitungsmaßnahmen und Tipps zum Umgang mit Müdigkeit am Tag angeführt, der Zusammenhang zwischen (negativen) Gedanken und Schlafstörungen verdeutlicht und wie man damit umgehen kann, wie das Führen eines Tagebuches helfen kann und wie man mit „Rückfällen“ umgehen kann und wie das Schlaftraining nach Beendigung des Buches weitergeführt werden soll. Die LeserInnen erhalten also eine Schritt-für-Schritt Anleitung, welche auch den Umgang mit kritischen/problematischen Situationen vorsieht.

Der dritte Teil vermittelt weitere Informationen, die die LeserInnen zu „Experten in eigener Sache“ werden lassen. So erhalten die LeserInnen Informationen über Schlaffakten, also den Aufbau des Schlafes, sowie eine Aufklärung über Schlafmythen, die Menschen mit Schlafstörungen zusätzlich belasten. Einflussfaktoren auf den Schlaf wie Alter, Jahreszeit und biologischer Rhythmus werden diskutiert. Des Weiteren werden 10 Regeln des gesunden Schlafes ausführlich erläutert (und am Ende des Kapitels prägnant zusammengefasst), es erfolgt eine Aufklärung über die Einnahme von Schlafmitteln inklusive einer Übersicht der Arten von Schlafmitteln und deren Vor-und Nachteile. Abschließend erfahren die LeserInnen etwas über den Aufenthalt in einem Schlaflabor.

Wie bereits erwähnt, verfügt das Buch auch über einen Anhang, welcher neben einigen Arbeitsblättern auch weiterführende Literaturhinweise enthält.

Fazit: Wie es der Titel verspricht, bietet dieses Buch ein angeleitetes Schlaftraining und bietet einen optimalen Ratgeber zur Selbsthilfe. Die Inhalte sind leicht verständlich und nachvollziehbar geschildert und eigenen sich somit für ein breites Leserpublikum. Die LeserInnen werden durch das Training geführt und Woche für Woche begleitet, zusätzlich werden sie mit allen wichtigen Infos zum Thema Schlaf und Schlafstörungen versorgt. Die einzelnen Kapitel sind kurz gehalten und werden damit nicht zur Überforderungen der LeserInnen führen. Das Buch eignet sich aber auch für TherapeutInnen, da in kurzer Form relevantes Wissen zum Thema Schlaf vermittelt wird, welches bereits „patientengerecht“ formuliert ist. Es eignet sich also gut für psychoedukative Zwecke in solchen Fällen, in denen PatientInnen davon profitieren können, etwas über das Thema Schlaf zu erfahren. Wer jedoch (so wie ich) auf ein paar kurzfristig wirksame und "schnelle Tricks" zum Einschlafen hofft, wird hier nicht fündig. Die beschriebenen Strategien erfordern eine lange Übungsphase (mindestens 14 Wochen). Damit ist jedoch gewährleistet, dass der Schlaf langfristigwieder einen normalen Rhythmus annimmt.