Es reicht! Angemessene Bezahlung von PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) SOFORT!

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Praktikum

Zusammenfassung

 

Dieser Artikel beschreibt aus Sicht der Autorin, was seit der 1. PiA-Petition zur angemessenen Bezahlung von PiA 2005 berufspolitisch passierte bzw. NICHT passierte und weshalb dies nicht mehr der Zeitpunkt für Geduld ist. Sondern für Ungeduld, nachdrückliche Forderungen und effiziente Kontrolle von PolitikerInnen und ReferentInnen im Bundesgesundheitsministerium (BMG) und FunktionärInnen, die zu Transparenz und Effizienz in Sachen angemessener Bezahlung von PiA verpflichtet werden müssen. Die hier geschilderten zum Teil schlechten Erfahrungen mögen einen Großteil der PiA in den letzten 16 Jahren betroffen haben, auch wenn klar ist, daß es PiA gibt, die bessere Erfahrungen gemacht haben. Ziel dieses Textes ist es zu zeigen, wie Ärger über Ausbeutung von PiA auch nach der Approbation nicht endet, weil die Ausbeutung noch nicht beendet ist. Tipps für PiA finden sich nicht hier, sondern z.B. in dieser Präsentation: https://www.academia.edu/15911332/Niederlassung_in_eigener_psychotherapeutischer_Privatpraxis oder bei den PiA-Funktionären der verschiedenen Verbände.

 

Passend zu meiner Generation läuft gerade ein Song aus den Achtzigern, während ich diesen Text schreibe: „Stand and deliver“ von Adam Ant and the Ants: Post Punk. Adam Ant ist einer meiner liebsten VIPs, die psychisch krank sind: er leidet seit seiner Adoleszenz unter einer bipolaren Störung und hat in seinem Leben über Jahre Psychotherapien gemacht, wie entsprechenden Dokumentationen zu entnehmen ist.

 

„Stand and deliver“, zu deutsch: „Stehen bleiben und Geld her!“ – das Motto borge ich mir also von einem Experten für psychische Störungen aus. Auch in bin eine Expertin dafür, denn ich bin seit 2007 Psychologische Psychotherapeutin, approbiert nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) aus dem Jahr 1999, und behandle psychisch kranke Menschen. Es war, wie meine KollegInnen Jörg Stenzel aus Frankfurt/Main, Inge Werner aus Offenbach/Main und ich 2005 in „Dr. Mabuse“ geschrieben haben, „Ein steiniger Weg. Ausbeutung in der Psychotherapie-Ausbildung“ http://www.mabuse-verlag.de/Zeitschrift-Dr-med-Mabuse/Einzelausgaben//Dr-med-Mabuse/Gesamtprogramm/Einzelausgaben/Dr-med-Mabuse-Nr-157-5-2005/id/23883

Wie aus meiner Sicht eher alles getan wird, damit ein junger Mensch NICHT PsychotherapeutIn wird, fasse ich in diesem Artikel zusammen:

 

Prolog:

Meine Klassenlehrerin: „Psychologin? Wie willst Du das denn machen?“

 

Als ich 1984 in der 11. Klasse war und unsere Klassenlehrerin auf dem humanistischen Gymnasium in unserer kleinen Altgriechisch-Klasse in die Runde fragte, was unsere Berufswünsche seien, und ich „Psychologin“ sagte, fragte sie mich, wie ich das denn machen wolle, für eine Praxis brauche man Geld. Ich stamme aus einer armen, bildungsfernen Familie mit Migrationshintergrund, und meine Klassenlehrerin, die sich unverständlicherweise als alte 68erin bezeichnete, stellte meinen KlassenkameradInnen, deren Eltern Medizin-ProfessorInnen, AnwältInnen oder niedergelassene oder angestellte ÄrztInnen, Mitglieder bei den Lions oder den Rotariern waren, diese Frage nicht, sondern nur mir. Infos über Stipendien oder auf den Gesundheitsbereich spezialisierte Banken gab sie mir aber auch nicht (und das, wo sie gerade einen niedergelassenen Arzt geheiratet hatte). (Erinnert mich an ein Interview mit Dr. Johannes Lindenmeyer, Direktor der Salus Klinik Lindow, einen meiner Dozenten, in dem er sich dagegen aussprach, daß nur „höhere Töchter“ Psychotherapeutinnen werden. Wenn man KEINE „höhere Tochter“ ist, ergeht es einem z.B SO wie oben beschrieben, lieber Herr Dr. Lindenmeyer).

 

Meine klinische Psychologie-Professorin: „Werdet keine Psychotherapeuten!“

 

Ich ließ mich von diesem Einwurf nicht beirren, bis das Hauptstudium kam. Ich studierte ab 1995 in Marburg an der Lahn, einer, wie ich schnell hörte, psychologischen Hochburg, und ich hörte 1998 die letzten Vorlesungen in klinischer Psychologie bei Irmela Florin, bevor sie verstarb. Es waren die Zeiten, in denen das PsychThG kurz vor der Verabschiedung stand, und Frau Florin riet uns in der Vorlesung davon ab, PsychotherapeutInnen zu werden – das sei zu teuer, das könne man sich nicht leisten: „Werdet keine Psychotherapeuten“, sagte sie wörtlich.

 

Als BAFöG-Empfängerin, neben dem Studium immer Berufstätige und Mutter, war das für mich ein Wort. Ich HATTE kein Geld für eine teure Psychotherapie-Ausbildung. Da ich vor dem Studium als Bankangestellte gearbeitet hatte, machte ich im Hauptstudium den Studienschwerpunkt Wirtschaftspsychologie (Personalauswahl, Personalentwicklung, Assessment Center Beurteilung), weil uns der neue Professor auf der lange vakanten ABO-Professur von guten Jobaussichten berichtete.

 

Meine Bewerbungen für den Personalbereich waren nach dem Diplom 2002 aber nicht von Erfolg gekrönt. Entweder wollte man in den Ausschreibungen vorrangig JuristInnen (und auch mein damaliger Mann – Volljurist – ist schnell mit Personalentwicklungsaufgaben bei seinem ersten Job betraut worden), oder ich hörte, wenn ich ins Auswahlverfahren gekommen bin, ich würde eine solch gute Atmosphäre verbreiten, aber man wolle mehr Leute, die ablehnen, und nicht Leute, die eine Wirkung hätten wie ich. Aha.

 

„Jetzt kann ich auch Psychotherapeutin werden!“

 

Kurz nach dem Diplom im Jahr 2002 fand ich schließlich eine befristete Stelle bei einem Bildungsträger in einem politischen Projekt, in dem kleine und mittelständische Unternehmen bei der Schaffung betrieblicher Ausbildungsplätze beraten wurden. Ich verdiente soviel (oder so wenig) wie vor dem Studium als Bankangestellte, und als die Jahresbefristung auslief, bekam ich einen 3-Monats-Vertrag (weil der Chef vergessen hatte, meinen Vertrag korrekt zu verlängern), während ich KollegInnen hatte, die 4-Wochen-Verträge bekamen, und ich hatte auch keinen Psychologenvertrag, sondern einen als pädagogische MitarbeiterIn. Davon blieb nichts übrig für eine Weiterbildung, um mich für etwas anderes zu qualifizieren, und das war es, was unter PsychologInnen immer wieder gemunkelt wurde: man müsse Weiterbildungen machen. Nun kam ich mir mittlerweile vor wie auf einer ägyptischen Sklavengaleere in einem Asterix-Comic und dachte mir: „Jetzt kann ich auch Psychotherapeutin werden, schlimmer kann’s nicht kommen, und dann mache ich wenigstens das, was ich machen wollte.“

 

2003: Ich wurde arbeitslos und suchte in dieser Zeit nach Infos über Psychotherapie-Ausbildungsinstitute in meiner Region. Die Ausbildung schien mit der die Seminare flankierenden Arbeit in einer Psychiatrie zu beginnen (es schien darüber aber keine Broschüren zu geben; ein Institutsleiter, an dessen Institut ich NICHT ging, malte mir mit Kugelschreiber schwer lesbar die Ausbildungsteile auf ein leeres DIN-A-4-Blatt), und entweder waren die Aussagen zu den Verdienstmöglichkeiten schwammig oder klar ausgesprochen: gering. Nirgendwo schien man als PiA im Rhein-Main-Gebiet eine ordentlich bezahlte PiA-Stelle zu bekommen. Da ich bereits während des Hauptstudiums als Dozentin und Coach gearbeitet habe, machte ich mich daher parallel zur Psychotherapieausbildung 2004 selbstständig (Coaching, Bewerbungstraining, Psychologie-Unterricht an Krankenpflegeschulen, Psychotherapie mit HP-Erlaubnis), besuchte zwei Existenzgründerseminare (eins im Auftrag der Agentur für Arbeit, das für meinen Antrag auf sechs Monate Existenzgründerförderung nötig war, ein anderes vom Kollegen Werner Gross in Offenbach/Main zur Gründung einer Privatpraxis) und machte 2004 das sog. „Psychiatriejahr“ (1200 h Praktische Tätigkeit) parallel zu Theorieseminaren und Selbsterfahrung. Die Leitung meines Instituts informierte mich leider nicht über Finanzierungsmöglichkeiten bei spezialisierten Banken (Apobank, KfW etc.), obschon ich später von einer Kollegin erfuhr, daß es üblich sei, daß die Apobank die VT-Ausbildung unseres Institutes finanziere.

 

Das Psychiatriejahr

 

Damals UND heute trifft zu, daß ich sofort das Gefühl hatte, daß die Arbeit als Psychotherapeutin richtig ist: Ich sehe noch heute vor mir, wie ich mich in den ersten Tagen, an denen ich auf einer allgemeinpsychiatrischen Station unter Supervision Gruppentherapien leitete, auf dem Klinikgelände bewegte und dachte: „Hier bist Du richtig.“ Als Dozentin in der Erwachsenenbildung war ich Gruppenarbeit gewöhnt, aber das, das hatte noch viel mehr Tiefe und Authentizität der GruppenteilnehmerInnen, die mich berührte und erfreute. Das machte mich glücklich und sehr zufrieden.

 

Damals UND heute war ich jedoch zutiefst zerrissen in meinem Psychiatriejahr. Ich mochte die Klinik, ein schönes Haus, christlich, idyllische Umgebung, sehr sehr netter Chefarzt, ein leitender Psychologe und Supervisor, der mich mit Therapiemethoden vertraut machte und mich inspirierte, die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen – toll!

Was schlimm war: Wir waren zu dieser Zeit 22 PiA verschiedener Institute, die dort tätig waren und vertraglich ein „Taschengeld“ von EUR 60 monatlich bekamen. Parallel dazu hatten wir ja Ausgaben für unsere Verhaltenstherapie- oder Tiefenpsychologie-Ausbildungen von damals 25.000,– bis 30.000 EUR. Immer mehr erfuhr ich, daß KollegInnen Omas Bausparvertrag aufbrauchten oder von Sozialhilfe lebten. Und das, wo wir nach meiner Meinung nicht nur lernten, sondern arbeiteten (ich habe unter Supervision Gruppen- und Einzeltherapien gemacht, einmal wöchentlich eine Stationsvisite übernommen, an Teamsitzungen teilgenommen und die Entlassungsbriefe meiner Pat. geschrieben). Ich habe bei Entlassungen von Pat. die Abrechnung für den Chefarzt fertiggemacht und gesehen, wie er u.a. auch meine Leistungen abrechnete, denn als Chefarzt durfte er ja Leistungen delegieren.

 

Ich fühlte mich ausgebeutet, denn darauf angesprochen, meinte der Chefarzt, den ich wirklich sehr mochte und der mich gut ausgebildet hat und dem ich viel verdanke: für eine höhere Bezahlung sei kein Geld da.

 

Alle PiA unseres Instituts, die bei dieser Klinik tätig waren, baten unseren Institutsleiter, der auch ein berufspolitischer Funktionär ist, um ein Gespräch. Er hörte sich unsere Schilderungen an und fragte, was er tun solle? Wenn er auf eine angemessene Bezahlung bestehen würde, dann würde es keine Klinikplätze mehr für PiA geben. In mir braute sich immer mehr Frust zusammen, wenn ich zu unserem Institut in einem piekfeinen Viertel ging, vor dem der Nobelkarossen-Fuhrpark der Institutsleitung parkte, oder wenn ich in der Klinik die Nobelkarossen der Geschäftsleitung sah. PatientInnen lobten den hohen therapeutischen Personalschlüssel an der Klinik, und ich mußte den Mund halten – die PatientInnen konnten ja nichts dafür.

 

Schnitt.

 

„Wir haben das PsychThG auf dem Rücken der PiA verabschiedet.“

 

Oktober 2014. Ich bin als Gasthörerin auf der Delegiertenkonferenz der Psychotherapeutenkammer Hessen. Ich bin 47 Jahre alt und werde gleich wieder das Gefühl bekommen, jung zu sein, denn die meisten FunktionärInnen sind deutlich älter. Ein Vorstandsmitglied kommt auf mich zu und begrüßt mich freundlich und lädt mich ein zur Mitarbeit in der Kammer. Sie ist in derselben Liste wie mein früherer Institutsleiter. Sieben Jahre nach meiner Approbation fühle ich mich immer noch wie ein PiA. Ich habe ein PiA-Ego State in mir, frustriert und fett wie ein Elefant, jeden Monat angetriggert, wenn ich auf meinen Kontoauszügen die Kreditraten sehe, die ich für meine Psychotherapie-Aus- und Weiterbildungen bezahle. Ich sitze schräg hinter meinem früheren Institutsleiter. Ich bin da, weil ich demonstrieren will, daß ich zuhöre, wenn die Delegierten meiner Kammer über ihr Votum bezüglich der Ausbildungsreform sprechen. Sie sollen wissen, daß eine ehemalige PiA zuhört, die ausgelöffelt hat, was das Funktionärs-Establishment eingebrockt hat. Die Kammer-Vizepräsidentin sagt: „Wir haben das PsychThG auf dem Rücken der PiA verabschiedet.“ Das Bundesgesundheitsministerium (kurz BMG) warte seit Jahren darauf, daß die Psychotherapeutenschaft sich ENDLICH für ein Reformmodell des PsychThG entscheide. Mir fällt ALLES aus dem Gesicht. Ich traue dem Establishment KEINEN METER über den Weg. KEINEN.

 

Schnitt.

 

Herbst 2014, 50-jähriges Jubiläum eines traditionsreichen Ausbildungsinstitutes, Feier in einer Stadthalle, bin mit einer Freundin da, viele Reden, Essen, irgendwann Musik und Tanz. Damals habe ich noch geraucht, ging daher mal kurz vor die Tür, eine Kammerdelegierte kommt ebenfalls raus, ich kenne sie von Fotos in Kammerheften, sie schaut auf mein Namensschild und sagt: „Ach, Sie sind das.“

 

Schnitt.

 

Die 1. PiA-Petition

 

Als PiA bin ich 2004 Mitglied im BDP und in der DPtV, um Dank der günstigen Mitgliedschaft für PiA beide Verbände von innen kennenzulernen. Ich versuche herauszubekommen, ob die Verbände von den Zuständen wissen, daß PiA ausgebeutet werden, und kontaktiere diese. Der damalige GF des BDP telefoniert mit mir, ich frage ihn, was man da tun könnte. Er sagt, als Verband nichts, aber ich als Privatperson könne eine Petition an den Bundestag machen, damit PiA besser bezahlt werden.

 

Das mache ich Anfang 2005. èDie Petition finden Sie hier im Original im Wortlaut:

 

http://www.bdp-verband.org/bdp/politik/2005/50113_petition.html

 

Meine 22 PiA-KollegInnen aus der Klinik unterschreiben alle mit.

 

Ich darf laut dem GF des BDP eine PiA-Website beim Verband gestalten (gemeinsam mit dem Webmaster), und dort stelle ich den Petitionstext ein. Ich mache eine Kampagne für die Petition. Die UnterstützerInnen wachsen. Es werden schlußendlich über 1500 sein.

 

Reaktionen auf die 1. PiA-Petition zur besseren Bezahlung von PiA

 

Neben vielen PiA und Verwandten von PiA, die die Petition unterstützt haben, waren die ersten Funktionäre, die sie unterstützen, der Vorsitzende des Bundesverbandes der KrankenhauspsychotherapeutInnen (BVKP), Dr. Hubert Hermes, und Dr. Heiner Vogel von der dgvt. Das fand ich rührend, da ich ja vorher vom GF des BDP gehört hatte, daß ein Verband keine Petition machen könne, und da ja bisher kein anderer Funktionär seinen Namen dafür hergegeben hatte, hat mich das bewegt.

 

Je mehr Zulauf die Petition hatte, desto mehr hefteten sich die Verbände, deren Mitglied ich damals war, die Petition auf ihre Fahne. Die DPtV unterstützte die Petition offiziell auf ihrer Website. Und der BDP bezeichnete die Petition fortan als seine Petition bzw. Petition von BDP-Mitgliedern, z.B. in diesem Artikel: „BDP fordert angemessene Vergütung für Psychotherapeuten in Ausbildung, Gespräch mit MdB Ursula Sowa (Bündnis 90 / Die Grünen)“

http://www.bdp-verband.org/bdp/presse/2005/50601_gleichstellung.html

 

Termin im Petitionsausschuss des Bundestages Sommer 2005

Gemeinsam mit dem damaligen GF des BDP, dem PiA-Beauftragten des VPP im BDP sowie einer PiA-Kollegin war ich im Sommer 2005 bei Ursula Sowa MdB, Mitglied des Petitionsausschusses, die die Problematik gut erkannt hatte und sich auch später, gemeinsam mit der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen FÜR die Petition ausgesprochen hat. Das war erfreulich.

Unangenehm war berufspolitisch, daß der PiA-Ansprechpartner des VPP bei verschiedenen Treffen, die wir wahrnahmen, explizit sagte, er sei gegen eine angemessene Bezahlung von PiA, weil dann für die Forderung der Psychotherapeuten in Kliniken, wie Fachärzte bezahlt zu werden, kein Geld mehr da sei. Unangenehm war auch, von Funktionären des VPP noch nicht einmal begrüßt, sondern mit eisigem Schweigen in den Räumen des BDP empfangen zu werden, so, als ob man der Feind sei.

2005 nahm ich als Delegierte des BDP für Hessen an der Delegiertenkonferenz in Potsdam teil und hielt einen Vortrag über die Petition und die Lage der PiA. Dieser Vortrag wurde gut aufgenommen. Kalt erwischt haben mich jedoch
a) inquisitorische Nachfragen von Funktionärsseite (Leitung Delegiertenkonferenz), wie es mit meiner gleichzeitigen Mitgliedschaft in der DPtV sei,
b) Aufträge von anderer Funktionärsseite (BDP-Präsidentin), Infos über die DPtV rauszukriegen,
c) Forderungen einer PiA aus dem VPP, Namen der Mitpetenten dem VPP zu übergeben (also den Leuten, die mich bei persönlichen Treffen keines Blickes würdigten und mich nicht grüßten), damit dieser die Mitpetenten anschreiben könne wegen Mitgliedschaftsgewinnung für den VPP. Ich wurde zu einem Gespräch zum GF des BDP zitiert und habe die Herausgabe der Namen und Adressen der Mitpetenten verweigert mit dem Hinweis, es sei MEINE Petition, nicht die des BDP oder VPP, und ich könne die Namen und Adressen der Mitpetenten aus Datenschutzgründen nicht herausgeben.
Immer mehr hatte ich den Eindruck, es ginge nicht um die Sache der PiA, sondern darum, diese für die Berufspolitik, fürs Establishment, auszubeuten.

Ablehnung der Petition

 

http://www.bv-studenten-bdp.de/service/newsletter/061016.html

 

Leider wurde die Petition am 19.05.2006 vom Petitionsausschuß des Bundestages abgelehnt. Folge war, daß ein Forschungsgutachten zur Lage der PiA in Auftrag gegeben werden sollte. Hiervon erfuhr ich auf folgende interessante, symptomatische Art und Weise:

 

Termin im BMG mit der Patientenbeauftragten des Bundestages, Beschluß, ein Forschungsgutachten in Sachen PiA in Auftrag zu geben

 

Am 20.10.2006 nahm ich an einem ausführlichen Gespräch im Bundesgesundheits-ministerium mit Helga Kühn-Mengel MdB, Patientenbeauftragte der Bundesregierung teil, gemeinsam mit Mitgliedern des Gesprächskreises der Psychotherapeutenverbände (GK II; Gisela Borgmann-Schäfer, Hans-Werner Stecker, Heiner Vogel) und Vertreter der psychotherapeutischen AusbildungsteilnehmerInnen (PiA; Mike Mösko, Hamburg, Christa Müller, München) und von Ausbildungsinstituten (Peter Lehndorfer, Planegg b. München; Prof. Thomas Fydrich, Berlin; Dr. Günther Koch, Berlin). Informiert hatte mich darüber nicht der PiA-Vertreter des VPP (meines damaligen Verbandes), sondern der GK II-Vertreter der dgvt, der auch so freundlich war, meine Hotel- und Reisekosten zu bezahlen. Dies führte dazu, daß mich der PiA-Vertreter des VPP im BDP (nochmal: meines damaligen Verbandes, dessen Delegierte ich war) überrascht begrüßte, weil auch ich anwesend war.

 

Eine Zusammenfassung des Treffens findet sich hier: http://www2.ptk-hamburg.de/uploads/gespr_pia_kuehnmengel_221006_bericht.pdf?PHPSESSID=

 

Gedeutet wurde dies Treffen damals so: Nun wird Zeit geschunden mit einem jahrelangen Forschungsgutachten, und in dieser Zeit wird sich nichts für PiA ändern.

 

Die einstweilige Zerschlagung der berufspolitischen PiA-Arbeit

 

Es wurde damals immer offensichtlicher, daß man mit dem VPP-PiA-Beauftragten, der ja gegen eine angemessene Bezahlung von PiA war, den Bock zum Gärtner gemacht hatte. Deutlich wurde das auch dadurch, daß die drei damals im BDP aktiven PiA nach dem Methode „divide et impera“ auseinanderdividiert wurden:

  • Infos über das finanzielle Budget der PiA im BDP (EUR 5000 jährlich) wurden nicht allen drei PiA-Vertretern mitgeteilt. Während ich Stunden um Stunden unbezahlt damit verbrachte, die PiA-Website des BDP zu aktualisieren, beschwerte der Webmaster des BDP sich über die Mehrarbeit, ohne daß ich wußte, daß es ein Budget für die PiA-Arbeit, also auch für die Bezahlung des Webmasters gab;
  • anstatt die drei damals berufspolitisch aktiven PiA (das ist wenig genug) höflich kollegial als Ganzes zu unterstützen, wurde mit Präferenz versus Ignoranz der PiA-Funktionäre im BDP gearbeitet (nicht alle wurden gegrüßt, nicht mit allen wurde geredet). Wir waren damals zu gestreßt und überlastet, um diese Mechanismen zu durchschauen und uns davon nicht überlisten zu lassen. Schlußendlich haben wir damals einer nach dem anderen unsere berufspolitische Arbeit aufgegeben. Eine erfolgreiche Zermürbungstaktik des Funktionärs-Establishment, wie mir scheint. Einerseits tun sie so, als ob sie Mitarbeit der jüngeren KollegInnen wünschen; andererseits dann so ein Verhalten.

 

Weitere Erkenntnisse aus der Zeit der praktischen Ausbildung

Von Ende 2005 bis September 2007 habe ich meine praktische Ausbildung in einer Ambulanz absolviert. Hier kam ich gen Ende meiner Ausbildung mit einem weiteren Tabu-Thema in Kontakt, mit der Kostenerstattung ambulanter Psychotherapie nach SGB V, §13, Abs. 3 (KEV). Dies Thema hatte ich zufällig bei einer Internet-Recherche auf der Website einer Patientenorganisation gefunden und dann herausgefunden, daß approbierte KollegInnen, die Ambulanzräume mieteten, bereits mit dem KEV arbeiteten, ohne das weiter zu kommunizieren.

Interessant war, auch hier festzustellen, daß von Seiten etlicher Funktionäre nicht gewollt war, daß die Möglichkeit des KEV existierte bzw. darüber zu informieren. Als Gründe dafür wurde von Kollegen- und Funktionärsseite genannt: a) Ängste von Kassentherapeuten, daß Punktwerte sinken, wenn es mehr Therapien im KEV gibt; b) seitens des Präsidenten der Psychotherapeutenkammer Hessen Krieger wurde mir auf meine Anfrage hin mitgeteilt, daß die Landeskammer keine zwei Systeme unterstützen wolle. Hier wurde also nicht an PatientInnen oder PrivattherapeutInnen gedacht, sondern nur an die Kassentherapeutinnen.

Im Professionalisierungsseminar an meinem Institut wurde eher darüber informiert, wie man es anstellt, einen Kassensitz zu kaufen. Für meinen späteren beruflichen Erfolg zentrale Informationen wie KEV oder Liquidation über private Liquidationsstellen wurden nicht weitergegeben.

In mir entstand das Bild:

Seit dem PsychThG warten verschiedene Stationen, Neu-PsychotherapeutInnen finanziell auszubeuten, wie „Strafzölle“:

  • Als PiA während der Praktischen Tätigkeit (seitens Kliniken);
  • Als PiA während der Praktischen Ausbildung (seitens Instituten, Ambulanzen und Lehrpraxen);
  • Als PiA, die Honorare als DozentInnen, SupervisorInnen und SelbsterfahrungsleiterInnen zahlen und so sehr hohe Umsätze generieren;
  • Als frisch Approbierte, die Kassensitze (in unserem Fall: eine Abrechnungsnummer) kaufen sollen von KollegInnen, die diese umsonst 1999/2000 bekommen haben.

 

Nach der Approbation, „Glück und Geld“ (ein Song von Extrabreit)

 

Es dauert noch bis 2020, bis ich meine Ausbildungsschulden abbezahlt habe, weil ich nicht wie ein Assistenzarzt bezahlt wurde, sondern ohne ausreichende Honorierung gearbeitet habe, weil meine älteren KollegInnen dies bei der Formulierung des PsychThG in Kauf genommen haben, damit sie bundesweit den Facharztstatus durchbekommen, was nur ging, indem sie es eine PsychotherapieAUSbildung nannten, was als Argument mißbraucht wurde, PiA nicht angemessen zu bezahlen.

 

Ich führe eine volle Privatpraxis, ohne daß ich einen Kassensitz kaufen mußte.

 

Ich habe eine hohe Arbeitszufriedenheit.

 

Ich habe im übrigens während der ganzen Zeit meinen finanziellen Beitrag dazu geleistet, selbst ein Kind großzuziehen, das mittlerweile seinen Bachelor-Abschluß hat sowie zur Zeit im Masterstudium einer Elite-Universität ist, während ich selbst noch an meinen Studien- und Ausbildungsschulden abzahle. Wie absurd.

 

Zusammenfassendes Fazit:

 

Ich schließe mich den Vorschlägen von vielen PiA aus Internetforen an, sofort eine Übergangsregelung zur angemessenen Bezahlung von PiA aus dem vorhandenen Geld aus dem Umlageverfahren der Kassenpraxen zu verabschieden. Eine entsprechende Petition zum Thema kann hier mitunterzeichnet werden: https://www.change.org/p/bundesgesundheitsministerium-%C3%BCbergangsregelung-angemessene-bezahlung-pia-psychotherapeut-innen-in-ausbildung

 

Ich bin der Meinung, daß sich bei der Reform des PsychThG immer noch daran zu orientieren sein wird, daß PiA wie Assistenzärzt*innen bezahlt werden. Ich fordere, daß im baldigen Referentenentwurf des BMG zur Reform des PsychThG der angemessenen Bezahlung von PiA in Höhe von EUR 4000,– eine vorrangige Priorität eingeräumt wird und daß dies bereits formuliert wird.

 

Ich fordere die Wissenschaftsministerien der Länder auf, daß eine dem Bedarf und dem Interesse am Masterstudiengang Psychotherapie ausreichende Anzahl von Studienplätzen geschaffen wird, die größer ist als die Anzahl der zur Zeit vorhandenen Psychologie-Studienplätze (zur Zeit Quote von BewerberInnen auf Studienplätze 8:1), indem die Länder den Psychologie-Fachbereichen an Universitäten ausreichend Gelder zuweisen, um soviele Psychotherapie-Masterstudienplätze zu schaffen, entsprechend der Anzahl der BewerberInnen auf einen Psychologie-Studienplatz der letzten Jahre . Dies ist erforderlich wegen der langen Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz sowie der Welle an Pensionierung, die aufgrund der Überalterung im Berufsstand bald erfolgen wird.

 

Es wurde von KollegInnen und mir ein Arbeitskreis „Zukunft der Psychotherapie“ gegründet als Instanz außerhalb von Kammern und Verbänden, der

 

  • angemessene Bezahlung der PiA und Wahrnehmung der Rechte der PiA nach der
    Reform des PsychThG, wenn Psychotherapie-Weiterbildung Ländersache und
    damit Angelegenheit der Landeskammern sind, nachdrücklich überwacht;
  • genügend Psychotherapie-Studienplätze, vor allem in Sachen KJP, nachdrücklich fordert und diesbezügliche Aktionen ausführt, um eine ausreichende Finanzierung zu unterstützen;
  • mehr Kassensitze fordert oder ein anderes System, um den Zugang von
    PatientInnen zur ambulanten Psychotherapie zu verbessern;
  • Verbesserung der regionalen Lehre von in jüngerer Zeit wissenschaftlich anerkannten Verfahren durch Kammerprocedere wie Akkreditierung von Supervisor*innen und Selbsterfahrungsleiter*innen in neu anerkannten Verfahren wie EMDR, systemische Therapie und ggf. andere.

Mehr Infos zum Arbeitskreis finden sich hier https://www.facebook.com/ZukunftPsychotherapie/ verbunden mit der herzlichen Einladung zu Gesprächen, Kooperation und Mitarbeit.

 

Zur Autorin:

 

Dipl.-Psych. Anna-Konstantina Richter (Jahrgang 1967)

 

Psychologische Psychotherapeutin (VT, DBT, EMDR, TA)

Supervisorin (VT, EMDR)

Binational griechisch und deutsch, Mutter einer erwachsenen Tochter

Vollzeit-Privatpraxis in Friedberg/Hessen

Mitgliedschaften:
Psychotherapeutenkammer Hessen, DGVT, EMDRIA, DeGPT, ESTSS, ISSTD, ESTD, ISTSS, Rationelle Arztpraxis e.V., DPtV, psystudents e.V., BDP, VPP, DGPPN

Bündnis 90/Die Grünen

 

Zur Kammerwahl 2016 in Hessen: Liste „Zukunft der Psychotherapie“ i.Gr.