Wie teuer wird die Psychotherapieausbildung?

[Anmerkung: Die nachfolgenden Informationen beziehen sich auf die zur Approbation zugelassenen Ausbildungsgänge in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten andere Bestimmungen, ebenso für Ausbildungen in anderen Therapieformen wie z. B. systemischer Therapie oder Gesprächstherapie, die nicht mit dem Staatsexamen abgeschlossen werden können.]

Darauf gibt es leider keine einfache Antwort, denn die Kosten variieren je nach Therapierichtung (VT, TP oder AP) und je nach Ausbildungsinstitut enorm. Deswegen solltet ihr in jedem Fall um eine transparente Kostenaufstellung bitten, bevor ihr irgendwas unterschreibt. Ihr müsst in jedem Fall aber damit rechnen, im fünfstelligen Bereich zu landen. Glücklicherweise ermöglichen die meisten Institute wenigstens eine Nullfinanzierung – das heißt, wenn alles läuft wie geplant, dann schafft ihr es, durch eure Einnahmen während der Ausbildung die Ausgaben zumindest auszugleichen. Man braucht also kein Vermögen auf der Bank, um die Ausbildungszeit zu überstehen – allerdings solltet ihr euch darauf einstellen, dass die erste Hälfte teuer wird und ihr euch erst in der zweiten Hälfte aus den Schulden herauskämpfen könnt.

Das liegt daran, dass in der ersten Hälfte der Therapieausbildung die Theoriestunden und die Klinikzeit im Vordergrund stehen (siehe hierzu auch die Beschreibung der Ausbildung unter „… und danach„).
Die meisten Ausbildungsinstitute erheben monatliche Beiträge für die Seminarstunden und es gibt unterschiedliche Regelungen über deren Höhe. Zum Beispiel zahlt man bei einigen Instituten erst einen geringeren Betrag und später einen höheren. Oder es ist möglich, Einmalzahlungen für den gesamten Ausbildungszeitraum zu leisten, die dann natürlich entsprechend hoch sind – dafür bekommt man so etwas wie einen Sofortzahler-Rabatt. Manche Institute berechnen auch sehr wenig für die Theoriestunden, zahlen bei den ambulanten Stunden im zweiten Teil aber auch entsprechend weniger aus (dazu weiter unten mehr).

Finanziell besonders prekär sind für die meisten AusbildungskandidatInnen die 1.200 Stunden praktische Tätigkeit in einer klinisch-psychiatrischen Einrichtung (§8 des Psychotherapeutengesetzes, auch „pT1“ oder „Klinikzeit“ genannt), denn eine angemessene Bezahlung durch die Kliniken ist leider keine Selbstverständlichkeit. Siehe hierzu auch die PiA-Proteste – da es sich um Pflichtpraktika handelt, sind die Kliniken nicht einmal zur Zahlung des Mindestlohns verpflichtet. Allerdings gab es in letzter Zeit eine Reihe ermutigender Gerichtsurteile zu KollegInnen, die ihren Lohn im Nachhinein erfolgreich eingeklagt haben.

Nach diesem ersten Klinikjahr wird es schon einfacher: Die 600 Stunden der pT2 können statt in einer psychosomatischen oder psychotherapeutischen Klinik nämlich auch in einer ärztlichen oder psychologischen Psychotherapiepraxis abgeleistet werden; diese müssen allerdings vom Landesprüfungsamt als Lehrpraxis zugelassen sein. Auch ist es nach Abschluss der pT1 bereits erlaubt, ambulante Therapien wie in Abschnitt pA (siehe unten) durchzuführen – das heißt, für viele AusbildungskandidatInnen bedeutet das das Ende der finanziellen Durststrecke.

Noch besser wird es, darf man endlich mit der praktischen Ausbildung (kurz „pA„) beginnen. Es existieren keine gesetzlichen Regelungen darüber, wie viel das Institut von eurer Entlohnung durch die kassenärztliche Vereinigung einbehalten darf – dementsprechend können einige KollegInnen wunderbar von ihrer ambulanten Arbeit leben und gleichzeitig ihre Schulden aus der ersten Ausbildungshälfte abbezahlen, für andere Kollegen ändert sich finanziell nicht so viel. Auch gibt es unterschiedliche Regelungen darüber, wie viele ambulante Stunden maximal abgeleistet werden dürfen, ob die probatorischen Sitzungen entlohnt werden, ob die Pauschalen für Antragstellung etc. an die Ausbildungskandidaten weitergereicht werden usw. Zu einer transparenten Kostenaufstellung gehören auf jeden Fall auch diese Informationen!

Die pA bringt aber nicht nur mehr Geld ein, sie bringt auch mehr Kosten mit sich. Es muss nämlich im Schnitt jede vierte Behandlungsstunde supervidiert werden und Supervision kostet eine Menge Geld. Besonders die Einzelsupervision wird in der Regel fast wie eine Therapiestunde entlohnt, das heißt, der Preis liegt bei ca. 80€ pro Einheit von 45 Minuten. Gruppensupervision ist billiger, aber natürlich kommt man dann nicht immer an die Reihe. (Man darf sich die Stunden aber voll anrechnen lassen, auch, wenn man nicht selbst PatientInnen vorgestellt hat.) Ungefähr ein Drittel der Supervisionsstunden muss in Einzelsupervision stattfinden. Auch hier haben die Institute unterschiedliche Regelungen darüber, ob die Supervision von den monatlichen Beiträgen oder extra gezahlt werden muss. Neben der Supervision muss auch Selbsterfahrung (in der Psychoanalyse auch „Lehranalyse“ genannt) gesammelt werden. Hier sind die Preise ähnlich wie bei der Supervision. §5 der Prüfungsordnung sieht hierbei aber nur die Gesamtstundenanzahl von 120 Stunden vor, nicht, wie viele davon in Einzel- oder Gruppensitzungen gesammelt wurden. An psychoanalytischen Ausbildungsinstituten liegt die Mindeststundenzahl in der Regel weitaus höher, während verhaltenstherapeutische Institute dem oft nicht so viel Bedeutung zumessen.

Leider fallen PiAs fast durch alle finanziellen Hilfssysteme. Dennoch sollten folgende Finanzierungsmöglichkeiten auf jeden Fall in Betracht gezogen werden:

  • Förderung nach BAföG: reguläre Förderung oder Master-BAföG
  • Ausbildungskredite
  • Gründungszuschuss (Beantragbar, wenn die pA als hauptberufliche sebstständige Tätigkeit durchgeführt wird. Achtung: Eine Einstufung als Fachschüler bei der Krankenkasse ist während Bezugs des Gründungsausschusses nicht möglich!)

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