Filmrezension „Alles steht Kopf“

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Alles steht Kopf
Quelle: http://filme.disney.de/alles-steht-kopf
Alles steht Kopf
Quelle: deutsche Disney-Homepage
Praktikum

Bei manchen Filmen hat man das Gefühl, es hätte dem Drehbuch verdammt gut getan, wenn sich mal irgendeiner der Autoren die Mühe gemacht hätte, einen Psychologen zu Rate zu ziehen. Bei „Alles steht Kopf“ hat man das von Anfang an gemacht: Paul Ekman und Dacher Keltner waren laut Pressemitteilung von Pixar ganz direkt am Entstehungsprozess beteiligt. Und das merkt man.

Handlung

Riley ist ein elfjähriges amerikanisches Mädchen, das als einziges Kind liebevoller Eltern in Minnesota mit guten Freunden und Eishockey aufwächst. Der Film wählt jedoch von Anfang an eine ungewöhnliche Perspektive. Selten sieht man als Zuschauer Riley von außen, stattdessen darf man ganz direkt die Prozesse im emotionalen Kontrollraum des Mädchens mitverfolgen. Dort leben die fünf Basisemotionen Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel. Meist steht Freude am Schaltpult und dementsprechend rollt eine freudige Erinnerung nach der anderen in das Langzeitgedächtnis des Mädchens und auch die Kernerinnerungen, die Rileys Persönlichkeit formen, leuchten freudig gelb.

Doch dann erlebt Riley einen großen Einschnitt in ihrem Leben: Die Familie zieht nach San Francisco um; und noch vor Eintritt der Pubertät scheint plötzlich nichts mehr wie es war. Im Kontrollraum bricht Chaos aus: Alles steht Kopf. Freude und Kummer streiten um den Zugriff auf die Kernerinnerungen und bei diesem Gerangel werden beide samt Kernerinnerungen aus Versehen aus dem Kontrollzentrum gesaugt und landen im Langzeitgedächtnis. Zurück bleiben Angst, Wut und Ekel, und wie es der armen Riley nun geht, kann wohl jeder nachfühlen.

Bald erkennen Rileys Eltern ihre Tochter kaum noch wieder, die Kommunikation zwischen ihnen scheitert. Rileys zarten Ansätze von individueller Persönlichkeit schwanken ohne Halt gebende Kernerinnerungen und auch ganze Landstriche der inneren Erlebniswelt bröckeln. Das macht es Freude und Kummer nicht einfacher, die den Großteil des Films über verzweifelt versuchen, zurück in den Kontrollraum zu gelangen – und beinahe scheitern sie, da Freude sehr lange braucht, um zu verstehen, wofür Kummer eigentlich da ist.

Abgehandelte psychologische Themen

  • die fünf Basisemotionen Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel
  • Gedächtnisprozesse
  • die Auswirkung kritischer Lebensereignisse auf die Persönlichkeitsbildung
  • Trauer als notwendiger psychischer Verarbeitungsprozess

Bewertung aus psychologischer Sicht

Pixar schafft den unglaublichen Spagat zwischen lustigem Unterhaltungsfilm und der indirekt vermittelten Emotionsforschung. Durch die ungewöhnliche Erzählperspektive vermeidet der Film den klebrigen Kitsch einer Teenage-Angst-Darstellung und erklärt sehr direkt die psychischen Prozesse hinter Rileys irrational erscheinenden Handlungen oder missglückenden Kommunikationsversuchen zwischen ihr und den Eltern. Flache bis hintergründige Gags im gewohnten Pixar-Style wechseln sich ab mit rührenden, teilweise herzzerreißenden Momenten. Natürlich gibt es ein Happy End – aber auch dieses trieft nicht vom klassischen Disney-Kitsch, sondern erscheint psychologisch absolut stimmig. Die Macher haben auch nicht versäumt, einen kleinen Cliffhanger und damit den Ausblick auf eine Fortsetzung zu geben: Der große rote “Pubertäts”-Button auf dem neuen Schaltpult am Ende schreit geradezu danach, gedrückt zu werden.