Filmrezension „Love & Mercy“

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Love & Mercy
Love & Mercy
Quelle: Homepage des Films
Praktikum

Mit den Beach Boys verbindet man vor allem Hits wie „Surfin‘ U.S.A.“, Sommer und Sonne, „Good Vibrations“ also. Mit „Love & Mercy“ erschien 2014 ein Film, der die weniger schöne Seite des Lebens von Brian Wilson, dem Haupt-Songwirter und -Sänger der Beach Boys, zum Thema hat.

Handlung

Der Zuschauer begegnet Brian Wilson auf zwei Zeitebenen: In den 1960ern, als er sich nach einer Panikattacke im Flugzeug gerade aus dem aktiven Tour-Leben zurück zieht und beschließt, nur noch im Studio zu arbeiten, und viele Jahre später in den 1990ern, und zwar durch die Augen seiner späteren zweiten Frau Melinda Ledbetter. Melinda lernt einen verstörten Mann um die 50 kennen (der allerdings durch John Cusack dargestellt sehr viel jünger wirkt), der völlig unter der Fuchtel seines gesetzlichen Betreuers steht. Dieser Betreuer bgleitet ihn auf Schritt und Schritt, auch bei Dates mit der neuen Freundin, erinnert ihn recht unsanft an die Einnahme seiner Medikamente — er hat Brian als schizophren diagnostiziert — und behandelt ihn im Großen und Ganzen wie ein ungezogenes kleines Kind. Melinda beginnt, Widerstand gegen diese Behandlung ihres Freundes zu zeigen, erst mit aller Sanftheit und Höflichkeit, später mit allen Mitteln, auch juristischen, schließlich auch mit Erfolg.

In Rückblenden wird der gesundheitliche Abstieg Brians skizziert — erste Stresserscheinungen und Panikattacken, später Wahrnehmungsstörungen bis hin zu akkustischen Halluzinationen. Seine Brüder reagieren größtenteils mit Unverständnis und über Brians Ideen für das Album „Pet Sounds“ (das heute als eines der bedeutendsten Werke dieser Musikepoche gilt) sind sie auch nicht so richtig begeistert. Trotzdem verhalten sie sich immer noch unterstützender als Brians Vater und ehemaliger Band-Manager, der nur im Studio vorbei schaut, um seinen Jungs zu erzählen, dass er jetzt für eine viel bessere Band als die seiner Söhne arbeitet. Brian nimmt immer mehr Drogen, was im kulturellen Umfeld der 1960er allerdings kaum negativ auffällt, und driftet immer mehr von seiner Familie fort.

Abgehandelte psychologische Themen

  • F25 schizoaffektive Störung
  • Missbrauch der psychotherapeutischen Beziehung

Bewertung aus psychologischer Sicht

Wie typisch für diese Sorte Film nimmt „Love & Mercy“ sich einiges an künstlerischer Freiheit heraus, bleibt aber nahe an der Wahrheit. Brians Psychotherapeut Eugene Landy wurde tatsächlich seine Lizenz zur Psychotherapie entzogen, nachdem seine zweifelhafte Therapie Brian Wilsons von dessen Bruder und zweiter Ehefrau vor Gericht gezerrt wurde. Allerdings hatte er auch Fürsprecher innerhalb des Prozesses, die seine Erfolge mit dem Patienten hervor heben. Diese werden im Film zwar auch erwähnt, insgesamt wird Eugene Landy jedoch als absoluter Unsympath dargestellt. Landys Diagnose einer paranoiden Schizophrenie wurde dann auch tatsächlich verworfen, man behandelte Brian Wilson nun wegen seiner schizoaffektiven Störung. Der Film zeigt also vor allem, wie eine psychologische Dauerbetreuung nicht laufen sollte, was aber eigentlich jedem und jeder sowieso vom gesunden Menschenverstand her klar sein dürfte.

Gut dargestellt werden die ersten Symptome in Brians frühen Erwachsenenjahren, etwa seine Panikattacke oder auch die akkustische Reizüberflutung. Dagegen sind die späteren Darstellungen schon fast etwas pathetisch und klischeehaft, was aber psychologischen Laien nicht unbedingt negativ aufstoßen wird. Da der Film nicht nur eine reale Krankheitsgeschichte zeigt, sondern auch das eher unbekannte Phänomen einer schizoaffektiven Störung, hat er durchaus Aufmerksamkeit verdient. Nebenbei bekommt man auch eine Menge Musik der Beach Boys zu hören, im Abspann ist sogar Brian Wilson selbst zu sehen und zu hören.