Psycholog/-innen stellen sich vor: Interview mit der Trainerin und Beraterin Julia Jäger

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Praktikum

Julia Jäger ist Psychologin, Trainerin und Beraterin. Sie hat uns ein wenig über ihren Werdegang berichtet. In ihrem Studium in Trier und Canterbury hat sie sich mit sozialpsychologischen Fragestellungen, mit Aggression und Gewalt, mit Kommunikation, Konfliktbearbeitung und Gerechtigkeit beschäftigt. Weiterhin interessierten sie insbesondere interkulturelle und Gender-Themen.

Bitte nennen Sie uns Ihre genaue Berufsbezeichnung.

Beraterin & Trainerin (freiberuflich)

Schildern Sie bitte Ihren akademischen und beruflichen Werdegang.
Studium der Diplom-Psychologie, Universität Trier, 1997-2004

Studienschwerpunkte: Sozial- und Kommunikationspsychologie

Nebenfach: Ethnologie

Social Sciences Diploma, University of Kent at Canterbury (UK), 2000-2001
Fächer: Politics and International Relations, Social Anthropology, Sociology, Social Psychology

Während und nach dem Studium Tätigkeit im Bereich Krisenprävention und Konfliktbearbeitung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ, heute GIZ) in Eschborn und Malawi (2003, 2004)

Projektleitung „Gewaltprävention in Rheinland-Pfalz“ im Auftrag des Innenministeriums RLP, Klaus Jensen Stiftung, Trier (2006-2007)

Freiberufliche Beraterin und Trainerin seit 2005

Auftraggeber u. a. Forum Ziviler Friedensdienst (Bonn), denkmodell (Berlin), Arbeitsgemeinschaft Frieden (Trier), pro familia (RLP), Landespräventionsrat RLP

Lehrbeauftragte an der Hochschule Trier und Universität Luxemburg seit 2008

Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Luxemburg, Institute for Research and Innovation in Social Work, Social Pedagogy, Social Welfare (IRISS), seit 2012 (Teilzeit)

Mein inhaltlicher Fokus hat sich über die Jahre von internationaler Friedensarbeit hin zu Gewaltprävention im Inland verschobenen. Damit stieg mein Interesse an Kommunikation und Konfliktbearbeitung im Kleinen, so dass ich heute gerne Organisationen, Teams und Gruppen auch jenseits der Themen von Frieden und Gewalt berate und begleite. Auch die Arbeit mit Einzelnen macht mir zunehmend Spaß – ich werde sie künftig als Supervisorin und Coach ausbauen.

Welche weiterführenden Qualifikationen haben Sie nach dem Studium absolviert?

Supervision und Coaching (DGSv-zertifiziert), Moreno-Institut, Stuttgart

Kompaktqualifikation “Psychodrama und Organisationsentwicklung”, Moreno-Institut, Stuttgart

Kompaktqualifikation “Professionell leiten und beraten in Gruppen und Teams”, Moreno-Institut, Stuttgart

Ausbildung zur Zivilcourage-Trainerin (Göttinger Zivilcourage-Impuls-Training GZIT) durch Prof. Margarete Boos und Dipl.-Soz.w. Malte Schütt

Ausbildung zur Konfliktmediatorin: Mediation – Konfliktbewältigung durch Vermittlung,(Standards Bundesverband für Mediation), Friedensbildungswerk (FBK), Köln

Cool sein – cool bleiben. Handlungskompetenzen in Gewaltsituationen, Frankfurter Kinderbüro, Frankfurt am Main

Frühjahrsakademie Sicherheitspolitik, Zukunftskontinent Afrika, Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung und Atlantische Akademie, Lambrecht (Pfalz), Bonn und Brüssel

Systemische Beratung, Kölnerinstitut – Institut für systemische Beratung, Köln

Konstruktive Konfliktbearbeitung im Kommunalen Zusammenhang, Orca Institut, Bad Oyenhausen

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Beruf aus?

Einen typischen Tag als selbstständige Beraterin und Trainerin gibt es für mich nicht. Immer wiederkehrende Tätigkeiten sind u. a.:

  • Konzeption und Auswertung von Veranstaltungen, Beratungen, Studien
  • Zielgruppenkontakt im Kontext von Beratung, Lehre, Trainings, Workshops, Konferenzen. Es handelt sich hierbei meist um Gruppen von rund 6-30 Personen, seltener um Einzelpersonen oder Großgruppen. Zielgruppen sind meist Fachkräfte, daneben aber auch Studierende und SchülerInnen.
  • Verwaltungs- und Akquisetätigkeiten
  • Besuch von Weiterbildungen

Nennen Sie bitte den größten Vorteil/ Nachteil Ihres Berufes für Sie persönlich.

Der größte Vorteil:

Ich beschäftige mich beruflich mit den Dingen, die mir auch privat am Herzen liegen: gelingende Kommunikation, konstruktive Konfliktbearbeitung und im weiteren Sinne mit Menschenwürde und Gerechtigkeit. Dabei kann ich ein großes Repertoire an Methoden einsetzen und ständig erweitern, je nach Passung zum Inhalt, zur Gruppe und zu meiner Person. Das Psychodrama spielt für mich dabei eine große Rolle und bringt gute Erfolge und viel Spaß. Ich arbeite mit unterschiedlichen Menschen, in verschiedenen Netzwerken und zu verschiedenen Themen, die ich selbst wähle. Es wird nie langweilig!

Der größte Nachteil:

Die ständig neuen Arbeitskontexte fordern immer wieder Flexibilität, Anpassung und das Aushalten von Unsicherheit – das ist auch mal anstrengend.

Mit welchen Schwierigkeiten könnte ein Berufseinsteiger konfrontiert werden?

Um freiberuflich tätig zu sein, dazu noch in einem eher unkonventionellen Bereich, erfordert einen geduldigen Netzwerkaufbau, das Überbrücken von finanziellen Hungerstrecken mithilfe vielleicht unliebsamer Aufträge und das Aushalten von (finanzieller) Unsicherheit.

Haben Sie Tipps für angehende Psycholog/-innen?

Finde heraus, was dir Spaß macht und trau dich was! Und vergesse dabei nicht, dich kontinuierlich fortzubilden und mit KollegInnen, NetzwerkpartnerInnen und verwandten Seelen auszutauschen.

Wenn es möglich ist, dann suche zunächst Anschluss in einer größeren Organisation, bevor du dich selbstständig auf den freien Markt wagst. Oder schließe dich einem Beratungsnetzwerk o. ä. an.

Drehen wir die Zeit zurück: Würden Sie sich noch mal für diesen Beruf entscheiden? Wenn NEIN, warum? Was würden Sie stattdessen tun? Was würden Sie anders machen?

Mit einem Psychologiestudium: Auf jeden Fall. Mir gefällt es, als fachliche Grenzgängerin unterwegs zu sein in interdisziplinären Kontexten und dabei meine auch durch das Psychologiestudium geprägte Kompetenz einbringen zu können.

Wenn Sie ihr Jahresgehalt mit einem Urlaub vergleichen müssten, wohin würde die Reise gehen und für wie lange?

Die Reisen sind flexibel, sie führen mal für eine Woche zu Freunden nach London oder auch einmal für vier Wochen nach Südostasien – je nach Kasse und Zeit