Lebenswege: Interview mit der Professor Siegfried Preiser

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Praktikum

Heute im Interview: Prof. Dr. Siegfried PrProfessor Siegfried Preisereiser hat die Professur für Lebenslanges Lernen an der Psychologischen Hochschule Berlin inne. Er ist Koordinator des Expertenbeirats „Prävention von Gewalt, Rechtsextremismus und interkulturellen Konflikten“, der von der Sektion Politische Psychologie berufen wurde und nunmehr an der Psychologischen Hochschule Berlin angesiedelt ist.

Homepage: http://www.psychologische-hochschule.de

Bitte nennen Sie uns Ihre genaue Berufsbezeichnung.

Rektor der Psychologischen Hochschule Berlin und Professor für „Psychologie des lebenslangen Lernens“

Schildern Sie bitte Ihren akademischen und beruflichen Werdegang.

Psychologiestudium an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Freiburg i. Br..

Mitarbeit an einem DFG-Forschungsprojekt zu „Familienkonstellationen“, danach wissenschaftlicher Assistent am Psychologischen Institut in Erlangen.

Promotion zum Dr. phil., Berufung auf eine Professur für „Pädagogische Psychologie“ 1974.

Aufbau und Leitung zweier Weiterbildungs-Studienangebote für Nicht-Psychologen an der Universität: „Psychologie in Organisationen“ für Führungskräfte und Personalvertreter und „Psychologische Gesundheitsförderung“ für Fachkräfte im Gesundheitswesen.

Seit 2011 Gründungsrektor der neu gegründeten staatlich anerkannten Universität „Psychologische Hochschule Berlin“ in privater gemeinnütziger Trägerschaft.

Welche weiterführenden Qualifikationen haben Sie nach dem Studium absolviert?

Weiterbildung und Mitarbeit am Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Nürnberg, Forschungs- und Studienaufenthalte am Institut für Höhere Studien in Wien.

Erweiterung der Lehrbefugnis auf das gesamte Fach „Psychologie“ durch eine Habilitation (Dr. phil. habil. 1985).

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Beruf aus?

Sehr unterschiedlich und insofern abwechslungsreich durch den Aufbau eines Studien- und Forschungsbetriebs an einer neu gegründeten Universität, z.B.:

  • Wissenschaftliche Koordination der derzeit angebotenen Weiterbildungs-Masterstudiengänge in Rechtspsychologie, Verkehrspsychologie, Familienpsychologie und Psychotherapie, integriert mit einer Approbationsausbildung in Psychotherapie
  • Aktualisierung von Studien- und Prüfungsordnungen
  • Vorbereitung und Durchführung von Berufungsverfahren für neu eingerichtete Professuren
  • Informationsveranstaltungen
  • Arbeiten an eigenen Forschungsprojekten
  • Entwicklung eines konsekutiven Masterstudiengangs „Psychologie“

Nennen Sie bitte den größten Vorteil/ Nachteil Ihres Berufes für Sie persönlich

Nachteile: Rektoren und Professoren haben viel lästigen Verwaltungsaufwand, der oft überflüssig und nutzlos erscheint.

Vorteile: Es war und ist für mich sehr befriedigend, etwas mit einem Team aufbauen und gestalten zu können. In meiner Professur hatte ich die Gelegenheit, sowohl meine Lehre als auch meine Forschungsarbeiten mit Themen gestalten zu können, die mir persönlich wichtig geworden sind, z.B. Kreativitätsförderung, politische Sozialisation, Engagement für Frieden und Gerechtigkeit.

Mit welchen Schwierigkeiten könnte ein Berufseinsteiger konfrontiert werden?

Nicht jeder oder jede findet sofort eine Stelle in dem gewünschten Schwerpunkt. Dann gilt es, in dem aktuellen Bereich Erfahrungen zu sammeln, die für die Zukunft wichtig sein können. Sowohl für sich selbst als auch für zukünftige Bewerbungsgespräche ist es wichtig, seine Lebenserfahrungen einschließlich etwaiger Irr- und Nebenwege als positive Entwicklungsschritte verarbeiten, integrieren und darstellen zu können.

Haben Sie Tipps für angehende Psycholog/-innen?

Den Blick offen halten für die Vielfalt psychologischer Tätigkeitsbereiche, von denen man an der Universität oft viel zu wenig erfährt, z.B. Familien-, Verkehrs-, Rechts- und Kriminalpsychologie, Politische und Interkulturelle Psychologie.

Das Interesse an der Wissenschaft, ihren Methoden und Erkenntnissen nicht von den Alltagsforderungen der Praxis verschütten lassen.

Den regelmäßigen Austausch im Berufsverband und in Kollegenteams pflegen.

Den Blick für neue Entwicklungen und kollegialen Erfahrungsaustausch offen halten durch Besuch von Tagungen, Fortbildungen und Weiterbildungen.

Drehen wir die Zeit zurück: Würden Sie sich noch mal für diesen Beruf entscheiden? Wenn NEIN, warum? Was würden Sie stattdessen tun? Was würden Sie anders machen?

Mit Sicherheit würde ich wieder Psychologie studieren und nach Möglichkeit wieder in die Lehre und in die Forschung mit Anwendungsbezug gehen wollen. Ich könnte mir aber auch eine Lehr-, Berater und Trainertätigkeit außerhalb der Universität vorstellen.

Wenn Sie ihr Jahresgehalt mit einem Urlaub vergleichen müssten, wohin würde die Reise gehen und für wie lange?

Nach den faszinierenden Erfahrungen einer kürzlich mitgemachten Spitzbergen-Expedition würde ich für 6 Wochen in die Antarktis gehen und nach Möglichkeit einige Länder der südlichen Erdhalbkugel anschließen.