Masterplatzbewerbungen: eine anstrengende Suche

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Masterplatzbewerbungen
Praktikum

Seit ich mich für den Bachelor „Psychologie“ eingeschrieben hatte, grauste es mir davor: Die Masterbewerbungen während des 6. Semesters. An meiner Universität und auch im Internet kursierten unzählige Schauermärchen. Diese reichten von „grausam“ über „unzumutbar“ und „stressig“ bis hin zu „nur was für Genies“, um an dieser Stelle nur einige Beschreibungen zu nennen. Tatsächlich baute sich während des Bachelors ein spürbarer Notendruck auf. Eine 1,7 war bereits mittelmäßig, eine 2 vor dem Komma gar ein Zeichen, dass man sehr viel mehr lernen musste. Letztendlich gingen die meisten meiner KommilitonInnen mit einem Schnitt von ca. 1,8 aus dem Bachelor. Einige waren besser, doch einige hatten auch Schnitte von 2,4. Ich selbst bin mit meiner 1,8 letztlich sehr zufrieden gewesen.

Doch wie sah die Masterbewerbung nun aus? Was musste ich alles beachten?

Die Fristen

Zunächst erfuhr ich, dass nicht etwa die Abschlussnote des Bachelors relevant sei, sondern die vorläufige Durchschnittsnote zum Zeitpunkt der jeweiligen Bewerbung. Bei den meisten Unis bedeutet das also, dass die Note des 5. Semesters zählt. Doch Vorsicht! Manche Unis, gerade ausländische Institute, haben ihre Bewerbungsfrist bereits deutlich früher. Um alle wichtigen Fristen im Auge zu behalten, hilft es, sich eine Liste der gewünschten Unis mit den jeweiligen Bewerbungsfristen zu erstellen. Auch die Masterliste von PsyStudents enthält diese und weitere hilfreiche Angaben. Allerdings stellt die Masterliste kein offizielles Dokument der Universitäten dar! Ein kleiner gemeinnütziger Verein namens PsyStudents e.V., also wir, fertigt jedes Jahr eine aktuelle Version dieser Übersicht psychologischer Masterstudiengänge an. Da kann es schon einmal passieren, dass manche Universitäten vergessen werden oder manche Angaben falsch sind. Es sollte auch noch erwähnt werden, dass die darin enthaltenen NCs nur Orientierungswerte widerspiegeln, die sich aus den individuellen Informationen der letztjährigen Kohorte, semi-offiziellen Angaben der Fachschaften und offiziellen Angaben der Universitäten zusammensetzen. Egal wie „richtig“ die NCs also sind, sie können im kommenden Jahr komplett anders ausfallen! Ich denke daher, die Liste sollte nur zur Orientierung dienen, damit man einen Überblick hinsichtlich der möglichen Psychologie-Master gewinnt und einschätzen kann, wie realistisch die eigenen Chancen an den jeweiligen Unis sind.

Die Bewerbungen

Ohne euch Angst machen zu wollen, im nächsten Schritt wurde es tatsächlich noch ein wenig komplizierter: Jede einzelne Universität will eine eigene Bewerbung (online und/oder postalisch), wobei jeweils andere Informationen gewünscht werden. Mein Transcript of Records habe ich in der Zeit gefühlte 100 Mal eingetippt … Oftmals muss man selbstständig seine CPs zu Modulen zuordnen, da die Modulbeschreibungen von Universität zu Universität variieren. Viele Universitäten versuchen die Note weniger zu gewichten, indem sie Zusatzpunkte durch Motivationsschreiben, Einstufungstests, Praktika oder Bewerbungsgespräche vergeben. Dadurch nimmt zwar die Wichtigkeit der Durchschnittsnote ab, doch die Bewerbungen werden noch komplizierter. Da wünscht man sich glatt ein zentrales Vergabeverfahren.

Die Eignungstests

Die Eignungstests finden meistens im Mai/Juni statt. Daher muss man sich für diese vorzeitig bewerben (vgl. Fristen). Persönlich hatte ich mich für Ulm und Mainz angemeldet, bin aber nur in Ulm angetreten. Jeder Test ist spezifisch auf die Uni zugeschnitten und man bekommt mehr oder weniger Informationen darüber, was vorbereitet werden muss. Daraus ergibt sich ein Vorteil für die Studierenden, die ihren BA an der Testuniversität absolvieren. Des Weiteren besteht ein großer Nachteil dieser Tests in der Anreise, da die Studierenden die Kosten für Anfahrt, Unterkunft und Anmeldegebühr selber tragen müssen. Und nebenbei steht ja auch noch das 6. Semester und damit der Endspurt des Bachelors an.

Letzte Bewerbungen

Parallel verfasste ich immer weitere Bewerbungen für die Universitäten, deren Fristen später angesetzt waren. Zwischenzeitlich hatte sich jedoch mein Notendurchschnitt verändert, wodurch ich alle Dokumente (Lebenslauf etc.) noch einmal aktualisieren musste.

Erste Zusagen

Als erstes kamen bei mir Zu- und Absagen aus Göttingen, Ulm und Jena. Innerhalb von 2-3 Wochen erhielt ich Antworten von allen Universitäten, deren Fristen bereits im Mai/Juni abgelaufen waren. Schnell entschloss ich mich, mir weitere Bewerbungen zu sparen und eine dieser Unis auszuwählen. Meiner Meinung nach hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits genug Stress mit der BA-Arbeit. Bei vielen KommilitonInnen ging das Spiel aber noch einige Monate weiter, nicht zuletzt weil die Universitäten mit ihren Nachrückverfahren begannen. Das bedeutet, dass die Absagen nur vorläufig sind und man teilweise noch im Oktober und November Zusagen erhalten kann, wenn man sich entsprechend für Wartelisten und Nachrückverfahren einträgt. Was viele getan haben: Man kann sich vorläufig an einer Uni einschreiben und sich im Falle einer Zusage der Wunschuni schnell umschreiben.

Fazit

Letztlich bin ich halbwegs zufrieden mit meiner Masteruni. Ich habe mehr Zusagen bekommen, als ich mir erhofft hatte, und da ich örtlich relativ flexibel war, hatte ich keine großen Einschränkungen in meiner Wunschliste. Eventuell hätte ich jedoch eine bessere beziehungsweise passendere Universität haben können, wenn ich das Bewerbungsverfahren länger durchgehalten hätte.


Checkliste

Damit ihr noch einmal alle meiner Ansicht nach wichtigen Schritte auf einen Blick habt, hier eine kleine, von mir erstellte Checkliste (natürlich kann jeder so vorgehen, wie er möchte):

  1. vorzeitig die gewünschten (realistischen) Unis mit passendem Schwerpunkt auswählen
  2. relevante Fristen beachten
  3. Bewerbungen vollständig abschicken
  4. für evtl. Wartelisten und Losverfahren anmelden
  5. Zusagen sammeln und für eine Universität entscheiden; evtl. für eine Uni entscheiden und bei möglichem Nachrücken noch schnell wechseln
  6. Daten anonym an PsyStudents e.V. durch die jährliche Umfrage weiterleiten, damit die fleißigen Mitglieder die Masterliste stets up-to-date halten können :-)