Psychologie interdisziplinär: Benjamin (Pädagogik)

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Psychologie und …

Pädagogik

Praktikum

 

[highlight style=“platinum“]Es erzählt:[/highlight]

www.gesundwaerts-foerster.de

[highlight style=“platinum“]Benjamin Förster ist 23 und steht kurz vor seinem Master-Abschluss in Pädagogik. Parallel dazu studiert er als Zweitstudium den Bachelor Psychologie. Er ist als selbstständiger Dozent und Coach im Bereich Gesundheitsförderung, Personalentwicklung und beruflicher Weiterbildung tätig.[/highlight]

 

[highlight style=“platinum“]Welchen Disziplinen außer der Psychologie ordnest du dich zu? (D. h. welche Fächer studierst du bzw. in welchem Schnittbereich bist du beruflich tätig?) [/highlight]

Neben der Psychologie bin ich in der Pädagogik, genauer gesagt in der Erwachsenenbildung und Organisationspädagogik unterwegs. Gerade in den Bereichen Gesundheitsförderung und Personalentwicklung ergänzen sich meiner Ansicht nach die Pädagogik und Psychologie besonders.

 

[highlight style=“platinum“]Was hat dich in die Interdisziplinarität geführt? (Wie bist du auf dein zweites Studienfach gestoßen, was hat dein Interesse an der Schnittstelle geweckt etc.? Welches Fach war zuerst da? Wie bist du dann auf das zweite gestoßen?) [/highlight]

Ich habe zuerst Pädagogik studiert. Im Studium bin ich dann auf mein heutiges Feld der Erwachsenenbildung und Personalentwicklung gestoßen. Neben dem Studium habe ich für einen Bildungsträger im Bereich Beratung und Coaching für Arbeitssuchende sowie der Gesundheitsförderung gearbeitet. Die Pädagogik beschäftigt sich nun mal hauptsächlich mit der Interaktion von Personen (egal ob beim Lernen, Bilden, Erziehen, …) — es geht immer um das Miteinander. Diesen Blick mag ich gerne an der Pädagogik und eröffnet viele Einblicke im Feld der Bildungsarbeit und Personalentwicklung. Gleichzeitig bin ich immer wieder darauf gestoßen, dass mir der pädagogische Blick auf das Individuum an sich und insbesondere auf innere Vorgänge zu kurz kommt. So bin ich darauf gekommen, Psychologie als Zweitstudium zu studieren und so einen ganzheitlichen Blick auf das Individuum zu erlangen.

 

[highlight style=“platinum“]Worin siehst du große Unterschiede zwischen den Denk-, Arbeitsweisen der beiden Disziplinen?[/highlight]

Einen großen Unterschied der Denkweisen lässt sich meiner Meinung nach in der wissenschaftlichen Tradition begründen. Die Psychologie als Naturwissenschaft versucht gefühlt alles zu Quantifizieren und anhand der Diagnostik alles möglichst in ein Raster zu passen. Die Pädagogik als Geisteswissenschaft bzw. Humanwissenschaft dagegen ist für mein Empfinden etwas offener und mehr auf die Individualität von persönlichen Prozessen aus.
Stark fällt mir das bei den Klausuren auf: In der Psychologie schreibe ich Klausuren, in denen ich letztendlich gelernte Theorien und Definition runterratter und vielleicht noch Glück habe und ein eigenes Beispiel bringen darf. Meine pädagogischen Klausuren bestanden hauptsächlich aus offenen Fragen. Theorie spielte sicherlich auch eine Rolle, aber vor allem geht es um vernetztes Denken und meine Rolle als zukünftiger Professioneller.
Beide Ansätze haben ihre Daseins-Berechtigung, wobei ich lieber meine Sicht der Dinge in die Beantwortung von Fragen mit einfließen lasse, als stures Auswendiglernen und Theorien und Definitionen wiederzugeben.

 

[highlight style=“platinum“]Hast du den Eindruck, seit Beginn des Studiums des zweiten Fachs von der Interdisziplinarität profitiert zu haben? Inwiefern?[/highlight]

Pädagogik und Psychologie liegen nah beieinander und daher habe ich oftmals von dieser Fächerkombi profitiert. Das beginnt bei der Statistik, die in beiden Studiengängen ähnlich geartet ist, geht über gleiche Theorien zum Beispiel im Lernen oder Management und endet schließlich in der gemeinsamen Disziplin — der pädagogischen Psychologie. Es ist manchmal echt schön, wenn einem Theorien und Begriffe schon bekannt sind und man sich nicht alles neu erarbeiten muss.
Tatsächlich hatte ich sogar das Glück, mir einige Leistungen aus meinem Pädagogikstudium im Psychologiestudium anrechnen zu lassen, einfach weil einiges identisch ist in der universitären Ausbildung beider Disziplinen.

 

[highlight style=“platinum“]Hast du eine Vorstellung, was du mit deiner Fächer-Kombination nach Studienabschluss machen kannst oder einen konkreten Wunsch/Plan?[/highlight]

Wie schon gesagt, ich arbeite als selbstständiger Dozent und Coach und bediene sowohl eher pädagogische, eher psychologische Themen, wie auch Schnittmengen. Egal ob ich nach Abschluss weiter in meine Selbstständigkeit investiere oder ein festes Arbeitsverhältnis anstrebe — ich bin davon überzeugt, dass mich diese Fächerkombi für ein breites Tätigkeitsspektrum qualifiziert, bzw. mir ein hohes Knowhow in den Schnittmengen Gesundheitsförderung, Personalentwicklung und Bildungsarbeit bescheinigt.

 

[highlight style=“platinum“]Würdest du ein Zwei-Fächer-Studium weiterempfehlen? Was rätst du anderen Psychologie-Studierenden, die sich ebenfalls für deine „Zweitdisziplin“ interessieren?[/highlight]

Ein Zwei-Fächer-Studium oder ein Zweitstudium verlangt ein hohe Disziplin ab. Schließlich kommt alles doppelt: die Klausuren, die Prüfungen, die Bachelor- oder Masterarbeit. Man investiert eine ganze Menge an Zeit in seine akademische Ausbildung, natürlich mehr als mit einem Fach. Ich finde, da spielt die Motivation eine Riesenrolle. Jedem, der überlegt ein zweites Fach zu studieren empfehle ich, ein klares Ziel vor Augen zu haben. Wohin will ich damit? Was ändert sich an meinen Qualifikationen mit einem weiteren Abschluss? Brauche ich diesen Abschluss für das anvisierte Tätigkeitsfeld? Usw.
Ich finde die Pädagogik für Psychologiestudierende eine wirklich gute und sinnvolle Ergänzung, weil es eine ganze Menge nochmal weiter systematisiert und einen ganzheitlichen Blick auf Prozesse zulässt. Also gerade, wenn man auch mal seine eigene Meinung wiedergeben möchte bzw. weiter an der eigenen Professionalität wachsen möchte, kann ich ein Pädagogikstudium nur empfehlen!

 

[highlight style=“platinum“]Möchtest du noch etwas hinzufügen?[/highlight]

Nur ein Zitat, was meiner Meinung die Fächerkombi Pädagogik und Psychologie ironischerweise gut beschreibt: „Nimm an, was nützlich ist. Lass weg, was unnütz ist. Und füge das hinzu, was dein Eigenes ist.“ (Bruce Lee)

 

Vielen Dank für das Interview!