Psychologie interdisziplinär: Josefine (Soziologie)

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Psychologie und …

Soziologie

Praktikum

 

[highlight style=“platinum“]Es erzählt:[/highlight]

josefine alpenglow

[highlight style=“platinum“]Josefine ist 25 und hat Soziologie (Diplom) an der Technischen Universität Dresden und Psychologie (B. Sc.) an der FernUniversität Hagen studiert. Das Soziologiestudium wurde bereits erfolgreich abgeschlossen und in der Psychologie befindet sie sich im 11. Semester (Teilzeitstudium). Aktuell arbeitet sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Suchtforschung in München und kann es kaum erwarten mit ihrer Dissertation durchzustarten.
Kontaktmöglichkeit: https://www.researchgate.net/profile/Josefine_Atzendorf[/highlight]

 

[highlight style=“platinum“]Was hat dich in die Interdisziplinarität geführt? (Wie bist du auf dein zweites Studienfach gestoßen, was hat dein Interesse an der Schnittstelle geweckt etc.? Welches Fach war zuerst da? Wie bist du dann auf das zweite gestoßen?) [/highlight]

Ich wünschte, ich könnte hier eine spannende Geschichte erzählen, aber letztendlich ist der Umstand doch zu einem Großteil meiner Naivität geschuldet. Ich wollte nach dem Abitur wirklich gern Psychologie studieren, was jedoch mit meinem Notendurchschnitt von 2,3 ein schier unmögliches Unterfangen darstellte. Ich ging daher zunächst für ein Jahr in die USA, um noch einmal in mich zu gehen, welche Alternativen zur Psychologie für mich in Frage kommen würden, aber auch vor allem, um mein damals sehr schlechtes Englisch zu verbessern. Ich bewarb mich anschließend für viele verschiedene Fächer, die mich interessierten, u. a. Jura, Philosophie und Soziologie. Bei meiner Recherche entdeckte ich auch die FernUni Hagen, wo mich sowohl das Angebot als auch das Preis-Leistungs-Verhältnis begeisterten sowie die Tatsache, dass der Studiengang staatlich akkreditiert war. Ich wollte jedoch zuerst lieber an einer Präsenzuni studieren und nachdem ich tatsächlich einige Zusagen bekam, entschied ich mich für das Soziologiestudium. Ich habe damals verschiedene Professoren angeschrieben und darum gebeten, mir ein paar Empfehlungen für Fachbücher zu nennen, die den Einstieg in das Studienfach erleichtern. Diesen Tipp kann ich nur weitergeben, denn so wurden noch einmal die Schwerpunkte der jeweiligen Unis deutlicher und ich entschied mich guten Gewissens für Dresden. Die Idee des Psychologiestudiums ließ mich jedoch nicht los und ich entdeckte, dass man sich in Hagen ganz unproblematisch auch als Studiengangszweithörer immatrikulieren kann. Bei Präsenzunis gibt es für ein Zweitstudium oft bürokratische Hürden, aber das war an der FUH nicht der Fall. Ich habe nicht lange darüber nachgedacht, ob es stressig wird zwei Studiengänge zu absolvieren, sondern mich hat sowohl die Soziologie als auch die Psychologie interessiert, und daher lag es in dem Moment nah, es einfach zu probieren. Und sowohl die Soziologie als auch die Psychologie haben mich von Anfang an begeistert!

 

[highlight style=“platinum“]Worin siehst du große Unterschiede zwischen den Denk-, Arbeitsweisen der beiden Disziplinen?[/highlight]

In der Psychologie wird m. E. mehr Gewicht auf Detailwissen gelegt, während man in der Soziologie über den Tellerrand hinausschauen muss und es mehr darauf ankommt, verschiedene Theorien und Autoren miteinander zu verknüpfen.

 

[highlight style=“platinum“]Hast du den Eindruck, seit Beginn des Studiums des zweiten Fachs von der Interdisziplinarität profitiert zu haben? Inwiefern?[/highlight]

Ich habe immer von beiden Fächern profitiert! So hatte ich beispielsweise erst in Soziologie Statistikvorlesungen und war von dem darauffolgenden Statistikkurs in Psychologie nicht total erschlagen. Ein Fernstudium bedeutet, dass man Studienbriefe postalisch zugeschickt bekommt, die man zu Hause durcharbeiten muss, und dazu gibt es einmal im Semester eine Klausur. Der Statistikkurs war an der FUH nicht sehr anschaulich gestaltet und ich war froh, dass ich da schon Vorkenntnisse hatte. Im Gegensatz dazu war wiederum das empirische Praktikum an der FUH sehr gut strukturiert und ich wusste, wie ein Forschungsbericht aufgebaut werden muss, was mir bei einem Forschungsprojekt in der Soziologie zu Gute kam. Am meisten habe ich aber davon profitiert, dass ich ständig genötigt war mich mit Statistik auseinanderzusetzen. War ein Modul in Psychologie überstanden, musste ich im Rahmen eines Methodenseminars in Soziologie SPSS anwenden. Ich denke, wenn das nicht so gewesen wäre, würde ich mich heute auch nicht so gern mit Statistik beschäftigen. Und das wäre sehr schade. :)

 

[highlight style=“platinum“]Hast du eine Vorstellung, was du mit deiner Fächer-Kombination nach Studienabschluss machen kannst oder einen konkreten Wunsch/Plan?[/highlight]

Zurzeit arbeite ich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Suchtforschung und das gefällt mir wirklich, wirklich gut! Ich möchte mit der Dissertation mehr in Richtung Epidemiologie zu gehen, denn das ist für mich ein wirklich faszinierender Forschungsbereich! Und ich denke, da passt man auch ganz gut rein, wenn man nicht nur Soziologie oder Psychologie studiert hat, sondern eben beides.

 

[highlight style=“platinum“]Würdest du ein Zwei-Fächer-Studium weiterempfehlen? Was rätst du anderen Psychologie-Studierenden, die sich ebenfalls für deine „Zweitdisziplin“ interessieren?[/highlight]

Wenn sich jemand für ein Doppelstudium interessiert, würde ich sagen: „Ja! Sei mutig! Riskiere es und probiere es aus!“ Mein Doppelstudium war auch oft sehr hart, aber ich habe nie daran gedacht, dass ich es nicht schaffe, und ich habe nie auf andere gehört, die meinten, das wäre nicht zu schaffen. Aber die Welt wäre auch nicht davon untergegangen, wenn ich es nicht geschafft hätte. Ich habe es probiert, ich hatte nichts zu verlieren und es hat funktioniert. Und ich bin ein normalintelligenter und normalsterblicher Mensch. Ich halte das Ganze für eine Frage der Organisation und die kann man lernen. Besonders Studierende der Geisteswissenschaften sollte meiner Meinung nach offen für ein Doppelstudium sein, denn die sogenannten „brotlosen Künste“ haben viel Potential, wenn man sie raffiniert kombiniert.

Was zu beachten ist, sind bürokratische Hürden bei Präsenzunis. Dort ist ein Zweitstudium nicht immer so einfach möglich, z. B. kann es sein, dass man dafür eine zusätzliche Gebühr verrichten muss oder es erst gar nicht gestattet ist, etwas parallel nebenher zu studieren. Des Weiteren muss man bei zulassungsbeschränkten Studiengängen manchmal einen gesonderten Antrag stellen, wenn es sich um ein Zweitstudium handelt.

 

[highlight style=“platinum“]Möchtest du noch etwas hinzufügen?[/highlight]

Ich möchte noch anmerken, dass ich bei meinen Jobbewerbungen den Eindruck hatte, dass das Doppelstudium sehr positiv angekommen ist, da es mit einem guten Organisationsvermögen meinerseits in Verbindung gebracht wurde. Ich habe keine schlechten Noten, aber die Noten standen in Gesprächen nie im Mittelpunkt. Ich sage das, weil ich einige kenne, die sich kein Doppelstudium zutrauen, weil sie keinen Einser-Schnitt haben.

 

Vielen Dank für das Interview!